Hitzewellen unter Wasser bedrohen Pflanzen und Tiere. Lizard Island Ocean Agency/Catlin Seaview Survey

Klimawandel in Australien

Pflanzen und Tiere leiden

  • schließen

Extreme Dürre, sterbende Korallen, ein verschwundenes Säugetier und viele bedrohte Arten. Australien spürt den Klimawandel.

Australien ist die Heimat von mehr als einer Million Pflanzen- und Tierarten, doch viele von ihnen sind inzwischen bedroht. Das Land hat eine der höchsten Aussterberaten der Welt vorzuweisen und der Klimawandel verschärft die Situation seit einigen Jahren empfindlich.

„Die Australier leben derzeit mit dem Klimawandel“, sagt Tim Flannery, Vorsitzender des Klimarates in Australien, und verweist auf die jüngsten Buschfeuer im Osten des Landes, die diesen Monat deutlich früher als normal wüteten. Farmer im Osten leiden zudem unter der anhaltenden Dürre im Land – einige kleinere Städte im Landesinneren könnten bald sogar völlig auf dem Trockenen sitzen und auf Frischwasserlieferungen angewiesen sein.

Besonders schlimm betroffen ist das Great Barrier Reef. So sind in den vergangenen drei Jahren wegen der hohen Meerestemperaturen und eines Zyklons fast die Hälfte aller Korallen abgestorben. Unterwasserhitzewellen in den Jahren 2016 und 2017 haben etwa ein Drittel aller Hartkorallen getötet. Durch den Anstieg des Meeresspiegels ist in der Region zudem das erste Säugetier verschwunden: Nachdem Stürme die einzige Insel, auf der die Bramble-Cay-Mosaikschwanzratte noch lebte, überschwemmten, sind die letzten verbleibenden Nagetiere allesamt ertrunken.

Gefahr für Nationalparks

Laut eines neuen Berichts des australischen Klimarates ist die kleine Ratte aber nicht das einzige Opfer: Auch das Überleben einer Possumart, eines schwarzen Kakadus, der Bogong-Motten und der Grünen Meeresschildkröten ist gefährdet. Im Falle der Schildkröten sind aufgrund der Erwärmung 99 Prozent der geschlüpften Tiere weiblich. Diese „Feminisierung“ der Bevölkerung wird letztendlich katastrophale Folgen haben. Die Bogong-Motten sind rückläufig, weil das Gras, von dem sich die Larven der Motten ernähren, von der Dürre betroffen ist. Ihr Rückgang hat einen Dominoeffekt ausgelöst, denn die Insekten sind wiederum ein wesentlicher Bestandteil der Nahrungskette für viele Vögel und Säugetiere.

2018 starb bei einer Hitzewelle zudem ein Drittel der einheimischen Flughundpopulation in Cairns im Nordosten Australiens. Im gleichen Jahr führte die extreme Trockenheit im größten Flusssystems Australiens, im Murray-Darling-Becken, zum Tod von rund einer Million Fischen.

Doch nicht nur die Tiere leiden, auch einige der wichtigsten Nationalparks und Naturparadiese: Im tropischen Norden des Landes steigt der Meeresspiegel derzeit etwa doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt und gefährdet dort die Süßwasserfeuchtgebiete im Kakadu-Nationalpark. Wissenschaftler dokumentierten auch, wie Moose auf Macquarie Island und in der Antarktis durch den Klimawandel abnehmen und erkranken. Auf Tasmanien starben durch einen sogenannten Trockenblitzbrand – diese haben aufgrund des Klimawandels zugenommen – Tausend Jahre alte Bäume. Dürre und Hitzewellen verursachten zudem bereits in den Jahren 2010 und 2011 den Tod von 26 Prozent der ausgewachsenen Bäume in den Jarrah-Wäldern im Südwesten Westaustraliens.

Die Pflanzenwelt leidet zudem – wie die Tierwelt – auch unter Wasser. So sind die riesigen Seetangwälder in Tasmanien aufgrund von Unterwasserhitzewellen sowie der zunehmenden Anzahl von Seeigeln zurückgegangen. In Westaustralien starben an einigen Standorten bereits 90 Prozent des Seegrases und auch die Mangroven entlang des Golfs von Carpentaria sind durch die Unterwasserhitzewellen stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion