Aktion

Petition zeigt Wirkung

Erste Volksfeste verbieten das „Donaulied“, in dem die Vergewaltigung eines Mädchens beschrieben wird.

Eine oft in Bierzelten gespielte Fassung des Donauliedes beschreibt die Vergewaltigung eines Mädchens. Die Online-Petition gegen das Lied, initiiert von einer Studentin aus Passau, findet nun immer mehr Unterstützerinnen und Unterstützer. Die Stadt Montabaur in Rheinland-Pfalz etwa will das Singen des umstrittenen Liedes in Bierzelten künftig verhindern, wie Bürgermeisterin Gabriele Wieland (CDU) mitteilte.

Passaus Oberbürgermeister Jürgen Dupper (SPD) hatte der Gruppe um Initiatorin Corinna Schütz bereits im Juni seine Unterstützung zugesagt. Etwa 35 000 Menschen aus ganz Deutschland haben bisher eine Online-Petition, nach der das Donaulied auf Volksfesten in Passau nicht mehr gespielt werden soll, unterzeichnet.

Auf ihre Aktion hin bekamen Schütz und ihre Mitstreiter Rückmeldung aus dem ganzen Bundesgebiet – zumeist positiv, wie die Studentin sagt. In Regensburg wurde eine „Schwester-Petition“ gestartet, die sich ebenfalls gegen das umstrittene Lied ausspricht.

„Auf Initiative eines Stadtratsmitglieds haben wir beschlossen, dass wir bei Vertragsabschluss mit Bands vereinbaren, dass sie das Donaulied nicht spielen“, sagte nun Montabaurs Bürgermeisterin Gabriele Wieland. Sie gehe davon aus, dass sich die Bands auch daran halten.

Drohungen gegen Initiatorin

Passaus Oberbürgermeister Dupper schrieb Schütz, mit den örtlichen Festwirten das Gespräch suchen zu wollen, da diese für die Verpflichtung der Bands zuständig seien. Er wolle bis zur Dult, dem großen Fest im Jahr 2021, „eine gute Lösung“ zum Donaulied finden. „Ich bin zuversichtlich, dass wir bei gutem Willen aller Beteiligter in Zukunft die Passauer Dulten ohne dieses Lied feiern können.“

Aus unterschiedlichsten Parteien hätten sie Zuspruch bekommen, so Schütz. Auch Bayerns Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) meldete sich zu Wort. „Unsere Gesellschaft darf Gewalt, egal in welcher Form, nicht bagatellisieren oder verharmlosen – auch nicht in unserer Sprache“, sagte sie. Mädchen und Frauen müssten es sich nicht gefallen lassen oder schweigen, wenn sie sich belästigt fühlen.

Allerdings erntete die Passauer Gruppe auch Spott, Beleidigungen und Kritik, nach dem Motto – das Lied sei nicht so schlimm und schließlich nicht ernst gemeint. Einige Verfechterinnen und Verfechter des Donauliedes initiierten im Internet eine Gegen-Petition, die bislang fast 5500 Unterzeichnerinnen und Unterzeichner fand.

Selbst Mord- und Vergewaltigungsandrohungen bekam Schütz nach eigener Aussage. Zudem habe sie gehört, dass sich in letzter Zeit mehrfach junge Leute zum Feiern an der Donau in Passau getroffen und dabei das Donaulied gegrölt hätten, sagt sie. „Aber das überrascht mich nicht.“ (dpa)

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