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Musiklegende Peter Kraus: „Bisschen Parodie gehört auf jeden Fall dazu“

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Von: Kathrin Rosendorff

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24 Konzerte will Peter Kraus nächstes Jahr in Deutschland und Österreich spielen.
24 Konzerte will Peter Kraus nächstes Jahr in Deutschland und Österreich spielen. © Christoph Boeckheler

Ein Gespräch mit der Musikerlegende Peter Kraus über Elvis-Vergleiche, sein Teenie-Image, die anstehende Tour und warum „Sugar Baby“ immer dazu gehört

Peter Kraus lacht, während das PR-Team fürs Foto die Sessel in einem Hotelraum mit Blick auf die Frankfurter Skyline umräumt. „Ich habe nie was kaputt gemacht. Ich bin einer von den braven Rockstars“, sagt er. Der 83 Jahre alte Sänger ist von der ersten Sekunde an so fröhlich und gentlemancharmant wie in seinem wohl bekanntesten 50er-Jahre-Schlagerfilm „Wenn die Conny mit dem Peter“.

Die einstige Teenie-Ikone freut sich immer noch, wenn man ihm sagt, dass man seine Filme als Kind gerne geschaut habe. „Haben Sie das mit Ihrer Oma geschaut?“, fragt er. „Nein, mit einer Freundin. Wir waren nur etwas enttäuscht, als wir feststellten, dass Sie da gar nicht mehr 20 waren und schon viel zu alt für uns.“ Peter Kraus lacht sich kaputt.

Musikerlegende Peter Kraus im Interview

In den 50ern fand er in seinen Garderobe regelmäßig Frauen, doch Groupies seien nie sein Ding gewesen. Seit 53 Jahren ist er mit seiner Frau Ingrid verheiratet, die auch in Frankfurt dabei ist. Sein Gang ist noch ziemlich jugendhaft locker, fast wie mit 17. Damit das so bleibt, übt er mittlerweile vor dem Spiegel. Im Juni ist sein Album „Idole“ erschienen. Ein Swing-Album auf Deutsch, damit – und natürlich mit seinen großen Hits – geht er 2023 auf Tour durch Deutschland und Österreich.

Herr Kraus, die häufigste Frage, die Ihnen gestellt wird …

… wie bleibt man so fit?

Genau. Die will ich nicht stellen. Ich weiß, Sie machen viel Sport und verzichten so gut es geht auf Zucker. Mich interessiert vielmehr: Gibt es eine Frage, die Ihnen noch nie gestellt wurde, die Sie sich aber wünschen, gestellt zu bekommen?

Schwierig. Ich habe mich aber tatsächlich mal hingesetzt und habe angefangen, Fragen an mich selbst aufzuschreiben und mir dann selbst zu beantworten. Aber leider ist dieser Zettel verschwunden … Meine Vorbilder beim Beantworten von Interviewfragen sind Politiker, die können das auch mit einer gewissen Frechheit. Nur antworten die auch Dinge, die mit der Frage gar nichts zu tun haben, das mache ich nicht. (lacht)

Die Presse nannte Sie am Anfang gerne den deutschen Elvis. Jetzt hatten Sie gerade Ihren allerersten Auftritt beim Elvis-Festival in Bad Nauheim: 45 Jahre nachdem der King of Rock’n Roll gestorben ist. Wie war das?

Es war eine ganz besondere Atmosphäre und tolle Stimmung. Das ist nicht selbstverständlich: Denn als ich anfing, also in meiner Rock ’n’ Roll-Zeit, waren die Elvis-Fans nicht unbedingt Peter-Kraus-Fans. Da konntest du hundert Mal der deutsche Elvis sein. Damals hatte ich versucht, etwas, das aus Amerika kam, in deutscher Sprache rüberzubringen. Das war für viele erfreulich, für die anderen der absolute Horror. Ich selbst habe immer versucht, diesen Beinamen „deutscher Elvis“, den mir die Presse neben Heulboje und Schluckauf-Heini gegeben hatte, nie zu forcieren. Beim Elvis-Festival in Bad Nauheim gab es einen sehr tollen Moment: Der Bürgermeister hatte sich gerade bei allen Elvis-Fans bedankt, da stand ein Mann auf und sagte, „Herr Bürgermeister, ich muss Sie korrigieren. Hier sitzen Elvis- und Peter-Kraus-Fans“. Das fand ich sehr süß. Ich habe am Ende meines Konzerts auch noch ein Duett mit Elvis gesungen.

Ein Duett mit Elvis?

Das wurde extra für den Aufritt produziert, sein Gesangsteil wurde reingeschnitten. Es war einer seiner nicht so bekannten Songs: „I need somebody to lean on.“

Wie kam es denn nun zustande, dass Sie das Swingalbum „Idole“ aufgenommen haben? Eine Hommage an Ikonen wie Sammy Davis Jr. und Nat King Cole. Also die Musik vor der Elvis-Ära …

Die Idee ist in der Corona-Zeit entstanden. Ich habe viel Swing zu Hause gesungen. Irgendwann wurde daraus ein Album. Mein heutiges Idol ist die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall, sie macht dieses Easy Swinging. Gleichzeitig habe ich mich an die Musik meiner ersten Idole wie Sammy Davis Jr. aus meiner Jugendzeit erinnert. Das war eine schöne, friedliche und romantische Musik, nicht so Remmidemmi. Die Musik heutzutage ist mir meist viel zu laut. Mein Vater hatte mich auf die Musik der ganzen Idole überhaupt gebracht. Er selbst war aber auch Operettenfan. Deshalb haben wir „Niemand liebt dich so wie ich“ aus Franz Lehárs Operette „Paganini“ auch als Swingversion auf dem Album. Götz Alsmann saß dafür am Klavier. Es ist eine Hommage an meinen Vater, mein erstes Idol.

Zur Person

Peter Kraus wird als Peter Siegfried Krausnecker am 18. März 1939 in München geboren. Der Sohn eines Österreichers und einer Deutschen wächst in München, Wien, Salzburg und Gräfelfing auf. In Salzburg besaß sein Vater ein kleines Theater. Sein Debüt als Filmschauspieler hatte er mit 14 in Erich Kästners „Das fliegende Klassenzimmer“.

1956 wird er nach seinem erstem öffentlichen Konzert entdeckt. Im selben Jahr entsteht die erste Single, eine deutsche Version von Little Richards „Tutti Frutti“. In den ersten vier Jahren nach seinem Debüt verkauft er mehr als 12 Millionen Schallplatten. Durch den Film „Wenn die Conny mit dem Peter“ wurden Peter Kraus und Conny Froboess 1958 zum Traumpaar des deutschen Films. Der Musiker hat zahlreiche Alben eingespielt. Auf seinem jüngsten – „Idole“ – interpretiert er, unterstützt unter anderem von Helge Schneider – Swing-Songs wie von Sammy Davis Jr. oder Nat King Cole.

2023 ist die Tournee „Meine Hits – Meine Idole“ geplant, unter anderem mit Konzerten in München (6. Februar); Berlin (17.Februar) und Frankfurt (21. April). Termine und Tickets unter: www.peterkraus.de und www.semmel.de rose

Sie singen auch „Mr. Bojangles“, das durch Sammy Davis Jr. berühmt wurde. Wie hat er Sie als Idol beeinflusst?

Sammy Davis Jr. fand ich toll und ich bewunderte, dass gerade zu dieser Zeit ein Schwarzer, der nicht besonders attraktiv war und ein Glasauge hatte, so eine Karriere hingelegt hatte. Ich habe wegen ihm mit 13 das Steppen angefangen.

Sie haben dann ein paar Jahre später sehr viel Geld bezahlt, um ihn live zu erleben, nicht?

Ja, 1000 Mark. Das war in Monaco bei einer Benefizgala im Sporting Club. Ich war damals 17 oder 18 und bezahlte das von dem ersten Geld, dass ich mit Filmen und der Musik verdient hatte. Ich musste mir dafür sogar extra ein weißes Dinnerjacket kaufen. Das war der Dresscode. Ich hatte mich tierisch auf den Auftritt von Sammy Davis Jr. gefreut. Mein Manager und ich sind danach noch nebenan in eine Bar gegangen, so ein finsteres Ding, ich kann mich noch genau erinnern. Da kam plötzlich eine Gruppe rein und Sammy Davis Jr. setzte sich tatsächlich neben mich.

Und was ist dann passiert?

Ich habe völlig nervös überlegt, wie ich ihn ansprechen könnte. Plötzlich sprach er mich an und sagte: „Ey man, do you speak English?“. Und ich sagte: „Of course, I do“. Dann hat er geantwortet: „That’s great, man. But I really can’t talk. I am completely stoned“. Und dann ist er mit seinem Kopf auf den Tisch gefallen und hat geschlafen. Ich saß bestimmt eine halbe Stunde neben ihm. Seine Musiker haben getrunken und haben ihn schließlich mitgenommen. Er war so fertig. (lacht)

Sie gehen im nächsten Jahr trotz der Abschiedstournee 2016 noch einmal auf große Tournee. Sie wollen einfach nicht aufhören, oder?

Diesmal bin ich so reingerutscht, eine Tour sollte wirklich nimmer sein. Aber es macht natürlich mehr Spaß und Freude, eine neue Platte zu machen und dann die Musik gemeinsam mit meinen Musikern, Sängerin und natürlich vor allem dem Publikum live on tour zu präsentieren und zu erleben. Musik hautnah ist schon was Besonderes. Meine Frau hat es auch hingenommen.

Kommt sie mit auf Tour?

Wahrscheinlich ja, ich werde sie noch überreden. Das Tourleben ist ja nicht ganz einfach und schon auch anstrengend. Richtig schön ist es nur, auf der Bühne zu stehen.

Singen Sie dann auch zum 100. Mal „Sugar Baby“?

Zum 100. Mal? Zum 100 000. Mal (lacht). Es gibt zwei Arten von Songs, die einen singt man mit Herzblut, die will man gerne singen. Und wenn Sie jetzt „Sugar Baby“ ansprechen, kann ich nur sagen, dass, wenn ich den Titel anfange zu singen und dann in die Augen der Leute schaue, ich denke: Wie gibt es das, dass nach 65 Jahren die Leute dir mit derselben Begeisterung noch entgegenkommen? Das ist doch herrlich. Das allein ist ein Grund für mich zu sagen, „das muss ich singen“. Sugar Baby ist meine Visitenkarte. Auf der Bühne mache ich auch mal Versionen wie „Du bist mein Sugar, Sugar Daddy“. Ich spiele zudem gerne mit meinem Teenie-Image und dem passenden Hüftschwung oder harten Rockerimage. Bisschen Parodie gehört auf jeden Fall dazu.

Sie sagten, Sie schauen Ihre alten Filme nicht mehr. Außer mit ihrer sechsjährigen Enkeltochter. Wie findet sie die Filme?

Lustig. Sie singt auf jeden Fall auch schon „Sugar Baby“. (lacht)

(Interview: Kathrin Rosendorff)

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