Franziskaner-Orden

Pater küsste Schüler

Nicht nur bei den Jesuiten, sondern auch in mindestens einem Internat des katholischen Ordens der Franziskaner-Minoriten soll es sexuelle Übergriffe auf Minderjährige gegeben haben. Ein Opfer meldet sich jetzt bei der Frankfurter Rundschau. Von Katharina Sperber

Von Katharina Sperber

In einem Internat des katholischen Ordens der Franziskaner-Minoriten soll es mindestens einen sexuellen Übergriff auf einen Minderjährigen gegeben haben und regelmäßig schwere Drangsalierungen.

Ein ehemaliger Schüler meldete sich jetzt bei der FR als Opfer. Der Mann, der heute als Naturwissenschaftler arbeitet und anonym bleiben möchte, war Anfang der 70er Jahre auf dem Sankt Ludwig Kolleg in Bonn. Dieses Internat besuchte bis zum Abitur auch der heutige Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, Hans Langendörfer, der 1972 in den Jesuitenorden eingetreten ist.

"Er schrie und prügelte"

Der ehemalige Schüler berichtet nun, der damalige Rektor des Internats habe ihn einmal ins Arbeitszimmer befohlen und dort auf den Mund geküsst. Außerdem habe der Pater in seinem Schlafzimmer mit Schülern auf dem Bett "Ringkämpfchen" gemacht. Die zehn- bis 13-jährigen Jungen hätten dabei nur Unterwäsche getragen.

Wie der Mann weiter schildert, sei der Rektor zudem "ziemlich jähzornig" gewesen und habe "hart zugeschlagen". Der damals um die 30 Jahre alte Geistliche habe es beispielsweise nicht vertragen, wenn ein Junge ihm beim Fußballspielen den Ball abnahm. "Da schrie er den Jungen schon mal zusammen oder prügelte ihn." Bei Waldläufen habe der Lehrer "Mutproben" von den Schülern verlangt und sie allein nachts im Wald stehen lassen. Die Knaben sollten "hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, flink wie Windhunde" werden, habe der Pater sein Erziehungsziel beschrieben. "Ich hielt den Spruch lange Zeit für ein katholisches Erziehungsideal", sagt der Ex-Schüler. Später habe er erfahren, dass es ein Ideal der Hitlerjugend gewesen sei.

1976 sei der Geistliche an den Hauptsitz der Franziskaner-Minoriten - einer kleinen Abspaltung vom großen Franziskaner-Orden - in Würzburg versetzt worden. "Wir haben den Grund natürlich nicht erfahren. Wir waren nur froh, als der weg war", sagt der ehemalige Schüler. In Würzburg soll der Pater, inzwischen hochbetagt, immer noch mit Jugendlichen arbeiten. Das Bonner Internat sei in den 1980er Jahren geschlossen worden, sagte der ehemalige Schüler der FR.

Der Orden der Franziskaner-Minoriten wollte sich bis Freitag nicht zu den Vorwürfen äußern. Leo Beck, der "Provinzialminister" der deutschen Ordensprovinz, sei "in Exerzitien", hieß es in Würzburg. Nur er könne Auskunft geben. (fr)

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