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Parks statt Parkplätze

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Von: Joachim Wille

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In dieser Straße wird getanzt: das Fest zum Parking Day 2021 in der Frankfurter Töngesgasse.
In dieser Straße wird getanzt: das Fest zum Parking Day 2021 in der Frankfurter Töngesgasse. © ROLF OESER

Mit ihrem „Manifest der freien Straßen“ will eine Berliner Initiative den Umbau der Städte vorantreiben.

Jedes Jahr im September ist „Park(ing) Day“. Diesen Aktionstag zur „Re-Urbanisierung“ der Städte nutzen weltweit unzählige Initiativen, um ihre Städte für einen Tag umzukrempeln: Sie widmen Parkplätze im öffentlichen Raum für andere Zwecke um. Mit Blumenkübeln wird eine grüne Oase gestaltet, mit Tischen und Bänken ein Straßencafé installiert oder eine Fahrrad-Abstellfläche genutzt.

Das Thema dabei: Autos seien eher Stehzeuge als Fahrzeuge, weil sie im Schnitt nur ein, zwei Stunden genutzt werden. Sonst brauchen sie vor allem Platz, etwa zwölf Quadratmeter pro Stück, zusammen eine riesige Blechmasse, die andere Nutzungen des von ihr belegten Raums unmöglich macht. Der „Park(ing) Day“, der von Verkehrs-Bürgerinitiativen inzwischen auch in Deutschland begangen wird, ist eine Idee, auf dieses Problem aufmerksam zu machen und den dominierenden Autoverkehr zurückzudrängen. Allerdings: Das große Umdenken unter Stadt- und Verkehrsplaner:innen hat er noch nicht ausgelöst. Auch wächst die Zahl der hierzulande zugelassenen Autos immer weiter – auf inzwischen 48,5 Millionen. 1960 gab es nur ein Zehntel davon.

Nun gibt es einen neuen Versuch, das Dogma zu durchbrechen, wonach der Straßenraum vor allem den Autos gehört. Berliner Verkehrsexpert:innen haben hierzu das „Manifest der freien Straße“ veröffentlicht. Es beschreibt in sieben Thesen veränderte Städte, in denen der öffentliche Raum radikal anders genutzt wird. Die Autor:innen kommen von der Kreuzberger Denkfabrik „Paper Planes“, der TU Berlin und dem Wissenschaftszentrum Berlin (WZB). Gefördert wird das Projekt von der Stiftung Mercator.

Die Vision: Ökologische Verkehrsträger wie Fahrräder, Busse und Bahnen sowie Car-Sharing seien „das neue Normal“. Private Autos würden nur noch von Menschen genutzt, die wirklich darauf angewiesen sind. Die Gruppe argumentiert: „Der Gewinn für die Nachbarschaft, die Gesundheit der Menschen sowie den Kampf gegen den Klimawandel ist enorm.“ Auch die Volkswirtschaft werde von der schrittweisen Umsetzung des Umbaus profitieren: Der freiwerdende Straßenraum könne umgenutzt werden, etwa für Werkstätten, Büros in Pavillons, für die Infrastrukturversorgung. Dadurch werde nicht nur für viele die zeitintensive Pendelei zur Arbeitsstelle eingespart, sondern auch die lokale und regionale Produktion gestärkt.

Im Winter eine Eisbahn?

Auf der Homepage sind Visualisierungen zu sehen, wie Straßenzüge und -kreuzungen umgestaltet werden könnten – etwa als Wasserfläche, Grünzug, Radweg, Busspur, Spielraum für Kinder, im Winter als Eisbahn. Autos sind auf den Bildern kaum mehr zu sehen. Ergänzt wird das durch Handlungsempfehlungen, wie Bürger:innen, Initiativen und Parteien den Stadtumbau angehen könnten. Studien und Zukunftsszenarien vorgestellt sowie Fachbegriffe erklärt. Eine detaillierte Auseinandersetzung damit, wie der mit dem Umbau verbundene Rückgang der Autoindustrie abgefedert werden könnte, fehlt allerdings in den Texten.

Einer der Initiator:innen, Weert Canzler vom WZB, erläutert: „Unser Ziel ist es, die oftmals verhärteten kommunalen Diskurse zur Verkehrswende aufzubrechen. Denn wir wissen, dass nur dort etwas passiert, wo der politische Wille vorhanden ist.“ Der Verkehrsforscher räumt ein, dass die Bürger:innen sicher „kein Bullerbü“ vor ihrer Haustür wollen, für viele habe das Auto „weiterhin eine gewisse Funktion“. Und Klaus Kordowski von der Stiftung Mercator begründet die Unterstützung seiner Institution so: „Die Verkehrswende in Städten braucht mehr als nur Elektroautos – es braucht eine neue Vorstellung davon, wie Mobilität und urbanes Leben gedacht und erzählt werden können.“

Neben einem Besuch der Website, auf der das Manifest unterzeichnet werden kann, laden die Initiator:innen Interessierte auch zu einem Besuch ihres „Experience Lab“ in der Forster Straße 52 in Berlin-Kreuzberg ein. Dort hat Paper Planes eine Ausstellung eingerichtet, in der Besucher:innen die „freie Straße“ erfahren können – auf der „forsTerrasse“, die temporär auf ehemaligen Parkplätzen für die Nachbarschaft gebaut wurde.

www.strassen-befreien.de

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