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Karl Lagerfeld wird 80.
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Karl Lagerfeld wird 80.

Karl Lagerfeld 80. Geburtstag

Papst, Kaiser, König, Zar

  • Axel Veiel
    VonAxel Veiel
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Karl Lagerfeld feiert seinen 80. Geburtstag, wenn auch widerwillig. Erst vor ein paar Monaten wurde die Geburtsurkunde des gebürtigen Hamburgers veröffentlicht, seitdem steht Lagerfelds Geburtsdatum fest: Es ist der 10. September 1933.

Ihm muss doch schwindelig werden so hoch da oben, so ganz allein. Wen sonst vergöttert die modeinteressierte Menschheit denn noch als Papst, Kaiser, König, Zar? Wer sonst kann sich alles herausnehmen, ohne dass ihm irgendetwas ernstlich verübelt würde? Karl Lagerfeld, seit dem Tod Yves Saint Laurents unumschränkter Alleinherrscher über die Pariser Haute Couture, kann das und sonst keiner.

Ob der Mann mit dem gepudertem Mozartzopf nun seiner Hauskatze Gänseleberpastete auftischt, nachts die Sonnenbrille aufsetzt oder eine eben noch als Inspirationsquelle gepriesene Muse verstößt, ihr gar übel nachredet: Fasziniert verfolgt das Publikum die Pirouetten des rastlos Kreativen, spendet Beifall. Als der Chefdesigner von Chanel und Fendi Anfang September nach München kam, um einen weiteren Laden des eigenen Labels zu eröffnen, mussten Leibwächter dem Wahlfranzosen erst einmal eine Gasse durch Fanmassen und Kamerateams bahnen.

Es gibt Konstanten, beruflich wie privat

Aber Lagerfeld wird nicht schwindelig. So hoch er die Karriereleiter auch hinaufgeklettert ist, so schnell er von einer Show zur nächsten eilt: Konstanten gibt es schon auch, beruflich wie privat. Supermodels wie Inès de la Fressange oder Claudia Schiffer traten für Lagerfeld auch im fortgeschrittenen Alter noch vor die Kamera. Chanel, das ist bei aller saisonalen Spielerei noch immer das schwarze Cocktailkleid, die Waffeltasche, das rosa Kostüm. Den geliebten Aidskranken Freund Jacques de Bascher pflegte Lagerfeld bis zu dessen Tod.

Von ein paar Fixsternen abgesehen ist der Lagerfeldkosmos zur Freude des Schöpfers freilich immer in Bewegung. Hat er nicht auch sich selbst immer wieder neu erfunden? Letzter Dandy von Paris war er, prüder Preuße, pummeliger Maestro mit Fächer oder auch um 42 Kilo Körpergewicht erleichterter Diätbuchautor ohne Fächer. Lagerfeld hat sich als Museums-, Möbel- und Teddybär-Designer hervorgetan, als Filmemacher, Verleger und Büchersammler. Und so wäre sein Glück am 80. Geburtstag gewiss vollkommen, wären ihm Geburtstage und Jubiläen nicht zutiefst zuwider. Sie laden zu besinnlichem Rückblick ein. Für jemanden, der von leidenschaftlicher Neugier getrieben nach vorne guckt, wo hinter der nächsten Kurve die nächste Inspiration warten mag, ist dies schlicht die falsche Richtung.

"Le grand Karl"

Als er vor 30 Jahren bei Chanel anheuerte, riss er sogleich das Steuer herum. Nach dem Tod Coco Chanels sei das Modehaus elf Jahre lang in Hochachtung erstarrt, diagnostizierte Lagerfeld, und beschritt neue Wege. Respekt sei in dieser Branche leider nicht möglich, stellte er klar, in der Mode müsse man über Leichen gehen. Wer so entschlossen nach den Sternen greift, kann sich nicht auch noch um alles Irdische kümmern. Mit Geld befasse er sich nicht, hat Lagerfeld kürzlich klargestellt. Aber vielleicht war das ja auch nur eine dieser Geschichten, mit denen der Mode-Maestro sich und das Publikum unterhält, bevor sie dann feuerwerksgleich zerplatzen.

So wie der von den Franzosen liebevoll-ehrfürchtig „Le grand Karl“ Genannte sich neue Geburtstermine ausdachte, und Wikipedia schließlich resignierend vermeldete: Geboren zwischen 1933 und 1938. Erst als ein Ehepaar aus Hamburg-Blankenese die Geburtsurkunde des eben dort zur Welt gekommenen Modemachers zu Tage förderte und den Fund vor ein paar Monaten veröffentlichte, stand das wahre Datum fest: der 10. September 1933.

"Wirtschaftsmacht" Lagerfeld

Nein, ein gewisser Erwerbssinn wird dem Sohn des Glücksklee-Dosenmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld schon in die Wiege gelegt worden sein. Jedenfalls bringt es der Art-Director von Chanel und Fendi jährlich auf drei Milliarden Euro Umsatz. Hinzu kommt gut eine halbe Milliarde aus Verkäufen im eigenen Namen. Das französische Magazin „Challenges“ hat Lagerfeld kürzlich aus gutem Grund als „Wirtschaftsmacht“ präsentiert und ihm die Titelgeschichte gewidmet. Ganz ohne Gespür fürs Geldverdienen wird der Modemacher in solche finanziellen Größenordnungen kaum vorgestoßen sein.

Es sei denn, der Zufall hätte auch in finanzieller Hinsicht ganz vortrefflich Regie geführt. Ganz am Anfang der Karriere, hat Lagerfeld erzählt, sei ihm der Zufall zur Seite gestanden. In einem Designer-Wettbewerb hatte sich der aufstrebende Zeichner damals gegen 200 000 Konkurrenten durchgesetzt. „Das war doch Zufall“, versichert Lagerfeld heute. „Wer kann denn sagen, dass von 200 000 Zeichnungen meine die beste war?“

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