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Papst Franziskus: Herkunft, Steckbrief und Lebenslauf des katholischen Oberhauptes

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Von: Niklas Hecht

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Papst Franziskus gilt mit seiner bescheidenen und modernen Art als der Erneuerer der Katholischen Kirche. Alles, was Sie über ihn wissen müssen.

Rom ‒ Der Apostolische Palast ist ein herrschaftlicher Gebäudekomplex mit über 1.000 Räumen und 55.000 m² Grundfläche. Riesige weiße Säulen ragen vor einem auf, wenn man vom benachbarten Petersdom zum Palast herüberläuft. Unter anderem beherbergt er die Sixtinische Kapelle und weltberühmte Fresken von Raffael und Michelangelo. Normalerweise ist der Apostolische Palast die Residenz des Papstes im Vatikan. Seit Gregor XI. nach seiner Rückkehr aus dem Exil in Avignon 1377 in den Palast zog, wohnten hier alle ihm nachfolgenden Päpste. Bis auf Papst Franziskus. Der zieht es weiterhin vor, im bescheidenen vatikanischen Gästehaus Santa Marta wohnen zu bleiben. Die Räumlichkeiten im Palast nutzt Franziskus lediglich für Audienzen und Empfänge.

Name (weltlich)Jorge Mario Bergoglio
Geburtstag17. Dezember 1936
GeburtsortBuenos Aires (Argentinien)
Staatsangehörigkeitargentisch, italienisch, vatikanisch
Familienstandledig
Katholische OrdensgemeinschaftJesuitenorden

Papst Franziskus´Kleidung und Wohnung zeigen seine Bescheidenheit

Mit dem Nicht-Umzug legte Franziskus direkt nach seiner Ernennung zum Papst 2013 die Leitlinien für seine Amtszeit fest. Bescheidenheit und Menschlichkeit sollen unter ihm Einzug in die Katholische Kirche halten. Auch sein angenommener Name spiegelt das wider: Franziskus benannte sich nach dem heiligen Franz von Assisi, der in selbstgewählter Armut und in Einklang mit der Natur lebte.

Mit seiner Kleidung hält Franziskus es ebenfalls anders als seine Vorgänger. Statt eines Brustkreuzes aus Edelmetall trägt er weiterhin das Kreuz aus Eisen aus seiner Kardinalszeit um den Hals. Auch die traditionellen päpstlichen roten Schuhe lässt Franziskus im Schrank. Er benutzt stattdessen orthopädische, schwarze Schuhe.

Weltlicher Werdegang: Herkunft und Lebenslauf von Papst Franziskus

Jorge Mario Bergoglio, so der bürgerliche Name des Papstes, kam am 17. Dezember 1936 in Buenos Aires, Argentinien zur Welt. Die Familie seines Vaters war ein paar Jahre zuvor von Italien nach Argentinien ausgewandert, weil sie Gegner des italienischen Faschismus waren. Bergoglio, der als ältestes von fünf Kindern geboren wurde, erlangte als junger Mann einen Berufsabschluss als Chemietechniker.

1958 trat er in den Jesuitenorden ein. Nach seiner Berufsausbildung begann Bergoglio zunächst ein Studium der Geisteswissenschaften in Chile, ging dann aber zurück nach Argentinien und erwarb an der Theologischen Fakultät in San Miguel Abschlüsse in Philosophie und Katholischer Theologie. Bergoglio spricht acht Sprachen, neben italienisch, spanisch und englisch unter anderem auch lateinisch und altgriechisch.

Theologisch geprägt wurde Bergoglio vor allem von Lucio Gera, einem argentinischen Theologen und dem Begründer der „Theologie des Volkes“. Von ihm übernahm Bergoglio die Überzeugung, dass die Kirche an der Seite der Armen zu stehen und deren Rechte und Teilhabe in Kirche und Gesellschaft einzufordern hat.

Gesundheit und Alter sprachen gegen Franziskus - dennoch wurde er zum Papst gewählt

Nach verschiedenen Station innerhalb des Jesuitenordens und der katholischen Kirche ging Bergoglio, der neben der vatikanischen auch die argentinische und die italienische Staatsbürgerschaft besitzt, 1986 an die Philosophisch-Theologische Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt am Main und promovierte dort. 1992 wurde er von Papst Johannes Paul II. zum Weihbischof in Buenos Aires ernannt und sechs Jahre später trat er die Nachfolge von Kardinal Quarracino als Erzbischof in Buenos Aires an.

Papst Franziskus liebt die Volksnähe.
Papst Franziskus gilt als moderner und bescheidener Papst und Erneuerer der katholischen Kirche. © dpa

Bergoglios Wahlchancen auf das Amt des Papstes galten nach dem überraschenden Rücktritt von Benedikt XVI. aufgrund seines Alters und seiner angeschlagenen Gesundheit als gering. Dennoch entschieden sich die 115 wahlberechtigten Kardinäle am 13. März 2013 für den gebürtigen Argentinier, der damit der erste nicht-europäische Papst seit dem 8. Jahrhundert wurde.

Zwischen Aufbruch und katholischer Tradition: Die Positionen des Papstes

Franziskus gilt als Papst der Armen. Immer wieder kritisiert er den Kapitalismus, bezeichnet ihn als „unerträglich“ und macht ihn für Armut und Ausgrenzung auf der Welt verantwortlich. „Wir können nicht ignorieren, dass ein so strukturiertes Wirtschaftssystem tötet“, erklärte er 2018 der italienischen Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore.

Auch Kriege prangert der Papst weltweit an. Er verurteilte die Brutalität des russischen Angriffskrieges (Ukraine-Krieg) in der Ukraine und kritisierte das russische Kirchenoberhaupt für dessen Unterstützung des Krieges. Gleichzeitig gab er der Nato eine Mitschuld an der russischen Aggression und musste dafür vielfach Kritik über sich ergehen lassen.

Papst Franziskus in einem Wagen auf dem Weg zu einer Messe zum Abschluss des Internationalen Eucharistischen Kongresses eine Messe auf dem Heldenplatz in Budapest vor tausenden Gläubigen.
Papst Franziskus in einem Wagen auf dem Weg zu einer Messe zum Abschluss des Internationalen Eucharistischen Kongresses eine Messe auf dem Heldenplatz in Budapest vor tausenden Gläubigen. © Laszlo Balogh/dpa

Gesellschaftspolitisch vertritt Franziskus konservative Positionen. So ist er ein prinzipieller Gegner von Schwangerschaftsabbrüchen und befürwortet den Zölibat. Seine Meinung zu homosexuellen Partnerschaften hat sich dagegen im Laufe der Zeit gewandelt. Sprach Franziskus 2010 als Erzbischof von Buenos anlässlich der Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe in seinem Heimatland Argentinien noch von einem „Schachzug des Teufels“, ist er inzwischen ein Unterstützer eingetragener homosexueller Lebenspartnerschaften. Eine gleichgeschlechtliche Ehe hingegen lehnt er weiterhin ab.

Bei der Aufarbeitung des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche setzt Franziskus die Maßnahmen seines Vorgängers Benedikt fort: Priester, die sexuellen Missbrauch begangen haben, sollen nicht nur versetzt, sondern aus dem kirchlichen Dienst entlassen werden. Im Jahr 2014 rief er die Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen ins Leben. (Niklas Hecht)

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