Russland

Panne in AKW Kalinin

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Kernreaktoren in Kalinin runtergefahren.

Drei der vier Reaktorblöcke des russischen Atomkraftwerks Kalinin haben sich am Donnerstag nach einem Defekt selbst abgeschaltet. Laut der Betreibergesellschaft „Rosenergoatom“ wurde die Apparatur der Reaktoren nicht beschädigt. Die radioaktiven Strahlenwerte um das AKW seien normal.

Wie ein Mitarbeiter des Kraftwerks der Agentur RIA Nowosti mitteilte, waren gegen fünf Uhr morgens zwei Hochspannungsleitungen wegen eines Kurzschlusses in einem Transformator ausgefallen. „Die Reaktorblöcke konnten ihre elektrische Energie nicht mehr abgeben, deshalb haben sie sich automatisch ausgeschaltet.“ Dazu kam ein Riss in der Dichtung eines Turbinenkondensators, wegen dem auch der dritte der vier Blöcken heruntergefahren wurde. Demnach könnten alle Reaktoren wieder in Betrieb gehen, sobald man die Pannen im Stromverteilungssystem repariert habe. Ein Vertreter des Energieministeriums erklärte, das Kraftwerk werde seine normale Arbeit in den nächsten zwei Tagen wieder aufnehmen. Die Stromversorgung sei nirgendwo gefährdet.

Das Kernkraftwerk wurde 1984 in Betrieb genommen, es besitzt vier Reaktorblöcke vom Typ WWER-1000 mit einer Leistung von 1000 Megawatt. Diese Druckwasserreaktoren sind moderner und sicherer als etwa der RBMK-Graphit-Reaktor von Tschernobyl. Das AKW Kalinin befindet sich 330 Kilometer nördlich von Moskau am Udomlja-See. Es liefert laut „BBC“ Strom für die Region Twer, die Städte Moskau, Sankt Petersburg, Wladimir sowie Tscherepowjez und produzierte vergangenes Jahr mehr als 35 Milliarden Kilowattstunden Strom, 17,2 Prozent aller Kernkraftenergie in Russland. Wie die Zeitung „Moskowski Komsomoljez“ berichtet, häuften sich gestern im Internet Spekulationen über eine Strahlengefährdung, Einwohner der Region Twer diskutierten in den sozialen Netzen, ob man Jodtabletten schlucken oder seine Kinder weit fortbringen sollte.

„Es ist bisher noch nicht vorgekommen, dass drei Blöcke des Kraftwerks Kalinin ausgefallen sind“, sagte der Moskauer Ökologe Wladimir Sliwjak von der Umweltschutzgruppe Ekosaschtschita unserer Zeitung. „Aber wir haben keine Informationen über eine gestiegene Radioaktivität aus der Gegend.“ Das spreche für die offizielle Version. Auch Greenpeace Russland teilte mit, man wisse nichts von erhöhter Strahlung im AKW-Bereich. Jedenfalls versicherte der Nuklearfachmann Bulat Nigmatullin gegenüber „Radio BFM“: „Auf der Risikoskala bei Zwischenfällen in Atomkraftwerken liegt diese Situation bei null.“

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