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Zimmer in einem Priesterseminar (Symbolbild).

Paderborn

Priesterseminar offen für schwule Priester

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Das Paderborner Priesterseminar will Homosexuelle nicht mehr ablehnen.

Eigentlich darf ja sowieso niemand, der katholischer Priester werden und bleiben will, seine Sexualität ausleben. Da scheint es unerheblich, ob nun ein homo- oder heterosexueller Mann sein Sexleben an den Nagel hängt. Davon scheint auch der Leiter des Priesterseminars im Bistum Paderborn, Regens Michael Menke-Peitzmeyer, auszugehen. Jedenfalls will er homosexuelle Priesteramtsanwärter künftig nicht ablehnen, nur, weil sie homosexuell sind. „Wenn sie den Zölibat einhalten, werden auch homosexuelle Priesteramtskandidaten akzeptiert“, sagte Menke-Peitzmeyer dem WDR.

Zur Begründung sagte der Regens: „Wir müssen unterscheiden zwischen einer homosexuellen Orientierung eines Menschen und homosexueller Praxis.“ Soweit, so orthodox. Schließlich verurteilt die katholische Kirche nicht den Homosexuellen – sondern „nur“ denjenigen, der seine Homosexualität auch auslebt. Entsprechend lehrt der Katechismus der katholischen Kirche über keuschlebende Schwule wie Lesben: „Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen.“ 

Doch tut es die Kirche selbst, indem sie Männern, die „tiefsitzende homosexuelle Tendenzen haben oder eine sogenannte homosexuelle Kultur unterstützen“, die Priesterweihe verweigert – wie es der emeritierte Papst Benedikt XVI. seiner Kirche 2005 ins Stammbuch schrieb. Die Begründung: Die genannten Personen seien „in einer Situation, die in schwerwiegender Weise daran hindert, korrekte Beziehungen zu Männern und Frauen aufzubauen“. Der Papst aus Deutschland war sich sicher: „Die negativen Folgen, die aus der Weihe von Personen mit tiefsitzenden homosexuellen Tendenzen erwachsen können, sind nicht zu übersehen.“

Zwei Päpste lehren anderes

Auf Benedikts Vorgaben beriefen sich auch jüngste Richtlinien der Kleruskongregation, die vor drei Jahren unter Papst Franziskus erlassen wurden.

Entsprechend wäre der Vorstoß in Paderborn zwar im Sinne vieler Katholiken, die sich von ihrer Kirche mehr Offenheit Homosexuellen gegenüber wünschen – aber nicht im Sinne des Vatikans. Demgegenüber stellte das Bistum Paderborn auf FR-Nachfrage heraus, dass bei der Auswahl der Priesteramtskandidaten „im gegebenen Einzelfall durchaus im Sinne der Vorgaben des Vatikans zwischen dem homosexuellen Empfinden und der homosexuellen Praxis eines Menschen unterschieden“ werde.

In einem „differenzierten Auswahlverfahren“ würde die Sexualität der Bewerber „vertraulich unter Führung therapeutisch geschulter Experten“ thematisiert. „Was letztlich zählt, ist die Selbstverpflichtung der Kandidaten, den Zölibat einzuhalten“. Das umfasse auch die Fähigkeit des Kandidaten, „reife zwischenmenschliche Beziehungen aufzubauen und so zu leben, wie sie für einen seelsorglichen Dienst unabdingbar sind". „In diesem Sinne ist die sexuelle Orientierung – gleich welcher Art – für sich gesehen kein automatisches Ausschlusskriterium bei der Aufnahme eines Kandidaten“, hieß es.

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