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Mann mit einer Mission: Manuel Araya.
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Mann mit einer Mission: Manuel Araya.

Mord-Untersuchung

Pablo Nerudas Leiche wird exhumiert

  • Klaus Ehringfeld
    VonKlaus Ehringfeld
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Ein letzter Freundschaftsdienst: Der ehemalige Chaffeur Pablo Nerudas will die Wahrheit über den Tod des Poeten ans Licht bringen. Einen ersten Erfolg hat Araya schon erzielt. Am Montag wird Nerudas Leichnam exhumiert.

Es ist der Kampf seines Lebens, ein persönlicher und ein politischer. Manuel Araya nennt es das Ringen um historische Gerechtigkeit. Auf den ersten Blick wirkt es erstaunlich, dass der ehemalige Chauffeur und Diener des Dichters Pablo Neruda für die Wahrheit über dessen Tod streitet. Auch wenn Araya mit seinem Chef befreundet war, würde man das doch eher von Familie oder Erben erwarten. Araya aber hat so gar nichts Serviles. Sein Auftreten erinnert eher an einen Diplomaten. Der gewandte 66-Jährige gibt dieser Tage ständig Interviews, und sie münden immer in diesem Satz: „Ich will, dass die Welt erfährt, dass Neruda ermordet wurde.“

Araya zufolge erlag Neruda kurz nach dem Putsch im September 1973 nicht seiner Krebs-Erkrankung, vielmehr ließ ihn das Pinochet-Regime in der Privatklinik Santa Maria in Santiago mit einer Spritze vergiften.

Neruda war damals das bekannteste Gesicht der Linksregierung von Salvador Allende. Sie wurde am 11. September blutig gestürzt. Der Literaturnobelpreisträger starb zwölf Tage später, kurz bevor er ins Exil gehen wollte.

Arayas Angaben wahrscheinlich "stichhaltig"

Einen ersten Erfolg hat Araya jetzt erzielt. Die Justiz hat für diesen Montag die Exhumierung Nerudas angeordnet. „Es gibt genügend Elemente, die darauf hindeuten, dass Arayas Angaben stichhaltig sind“, entschied Richter Mario Carroza. Am Morgen begannen die Arbeiten am Grab Nerudas vor seiner langjährigen Wohnung von Isla Negra, 120 Kilometer westlich von Santiago de Chile. Der Sarg soll nach einer Röntgenaufnahme im gerichtsmedizinischen Institut in Santiago de Chile geöffnet werden. Ergebnisse der Untersuchung werden erst in Monaten erwartet.

Dennoch: Für Araya ist schon das eine tiefe Befriedigung. „Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht daran denke, was vor 40 Jahren passiert ist“. 40 Jahre lang hat er seine Informationen mit sich herumgetragen, aber niemand wollte ihm zuhören.

Der Butler und der Poet – es war eine ungewöhnliche Freundschaft. Araya stammt aus einer einfachen Familie vom Land und schließt sich früh den Kommunisten an. Im November 1972 wird er von der KP beauftragt, sich um den kranken Neruda zu kümmern. Der ist bereits 68 Jahre alt und kurz zuvor wegen seines Krebsleidens als Botschafter in Paris zurückgetreten. Araya zieht nach Isla Negra, dem schönsten von Nerudas Wohnsitzen, lebt mit dem Dichter, dessen Frau und Schwester. Schnell wird er zum Vertrauten. Er serviert Neruda das Frühstück, kauft die Zeitungen, zieht mit ihm über die zahlreichen Märkte Chiles und durch Antiquitäten-Geschäfte. In seinem geliebten Citroën fährt er ihn überall hin.

Erst 2009 sollte Araya Gehör finden. Da kam heraus, dass der ehemalige christdemokratische Präsident Eduardo Frei, ein Kritiker der Diktatur, 1982 vergiftet worden war. Tatort war die Privatklinik Santa Maria.

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