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Am Fuße des Vulkans: Das Meerwasser ringsumher ist sauer und um etwa einen Grad wärmer als im restlichen Ozean.

Neuseeland

Ozean der Zukunft

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Touristinnen und Touristen dürfen White Island seit dem Vulkanausbruch nicht mehr betreten. Menschenleer ist die neuseeländische Insel aber nicht: Derzeit erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler rund ums Eiland, wie der Klimawandel die Meere verändern wird.

Rund zwei Monate sind seit dem Vulkanausbruch auf White Island in Neuseeland vergangen. Eines der Opfer wachte erst diese Woche aus dem Koma auf, nur um zu erfahren, dass ihr Mann und ihre Tochter ums Leben gekommen sind. Besucherinnen und Besuchern ist der Zutritt zur Insel seit dem tragischen Dezembertag nicht erlaubt. Für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ist die Insel jedoch nach wie vor wichtiger Forschungsort.

Denn die Vulkaninsel ist ein natürliches Labor, das quasi einen Blick in die Zukunft gewährt. Im seichten Wasser finden sich rund um die unterseeischen Vulkanschlote schließlich Bedingungen vor, wie sie im Jahr 2100 herrschen könnten, sollte der Klimawandel weiter voranschreiten. So produzieren die flachen Vulkanschlote im Meer saures Wasser mit einem sehr niedrigen pH-Wert. Auch die Wassertemperatur ist um etwa einen Grad wärmer als im restlichen Ozean.

Die Konzentration an Quecksilber und Sulfid ist sehr hoch.

„Diese Parameter ahmen die Meeresbedingungen nach, die für das Jahr 2100 und darüber hinaus vorhergesagt werden“, sagt Rebecca Zitoun, eine Marine-Chemikerin an der Universität von Otago in Dunedin auf der Südinsel Neuseelands. All das würde die Insel zu einem interessanten und wertvollen Ort für die Erforschung des Klimawandels machen. „Wir sehen, welches Leben dort überlebt und wie sich diese Organismen anpassen, um zu überleben“, erklärt Zitoun.

Die Forscherinnen und Forscher begannen ihre Untersuchungen bereits 2015 – also vier Jahre vor dem Vulkanausbruch – und planen, die Bedingungen, die die Vulkaninsel kreiert, auch weiterhin zu untersuchen. Ihre vorläufigen Ergebnisse veröffentlichten die Forscherinnen und Forscher aber schon jetzt im Fachmagazin „Marine and Freshwater Research“.

Sie dokumentierten, wie sich das Ökosystem im Meer an die Bedingungen um den Vulkan angepasst hat. Dabei fanden sie beispielsweise heraus, dass Muscheln dazu tendieren, dickere Schalen zu produzieren. Phytoplankton und Zooplankton dagegen kommen im Bereich der Öffnungen der Schlote weniger häufig vor, zeigen sich dafür aber vielfältiger.

Phytoplankton und Zooplankton kommen weniger häufig vor.

Ein interessanter weiterer Aspekt ist die Konzentration an Quecksilber und Sulfid in der Nähe der Schlote. Sie ist so hoch, dass sie biologisch bereits als toxisch angesehen werden könnte. Dies bereite eine weitere Forschungsmöglichkeit, sagt die Marine-Chemikerin Zitoun. Denn nimmt die Umweltverschmutzung zu und es werden mehr Abwässer ins Meer geleitet, so nimmt auch der Gehalt an Metallen und anderen Elementen in unseren Flüssen, Flussmündungen und Ozeanen zu.

White Island mit seinem niedrigen pH-Wert, den hohen Temperaturen und den höheren Konzentrationen einiger Metalle und Elemente sei deswegen ein „großartiges natürliches Labor“ für all die vielfältigen Stressfaktoren, die unsere Umwelt schon jetzt und in Zukunft ertragen müsse, meint Zitoun.

Vulkane Neuseelands

Muscheln produzieren im Wasser um den Vulkan dickere Schalen.

White Island ist nicht der einzige aktive Vulkan in Neuseeland. Auch der Mount Ruapehu, der Mount Tongariro und die geothermischen Gebiete auf der Nordinsel haben das Potenzial, auszubrechen. In den vergangenen hundert Jahren gab es mehr als 60 vergleichbare Ausbrüche in Neuseeland wie den Vulkanausbruch auf White Island im Dezember. Auch zuvor schon kamen Menschen ums Leben. 

Auf der Insel treten sogenannte dampfgetriebene Eruptionen auf, die plötzlich und ohne Vorwarnung passieren. Die Expansion von Wasser in Dampf erfolgt mit Überschallgeschwindigkeit und die Flüssigkeit kann sich auf das 1700-fache ihres ursprünglichen Volumens ausdehnen. Diese Energie reicht aus, um festes Gestein vollends zu zertrümmern, große Krater zu graben und Gesteinsbruchstücke und Asche bis in weite Entfernungen auszustoßen. Neben Verbrennungen ist die Gefahr bei so einem Ausbruch groß, von Gesteinsstücken erschlagen zu werden oder an Atemwegsverletzungen zu sterben. 

In dem Land muss man mit Naturkatastrophen wie Vulkanausbrüchen und Erdbeben ohnehin rechnen. Insgesamt sechs Regionen Neuseelands sind von vulkanischen Aktivitäten betroffen. Die Taupo Volcanic Zone, zu der auch White Island gehört, gilt als eine der aktivsten der Erde. Neuseeland befindet sich in der geologisch aktivsten Zone des Planeten – dem Pazifischen Feuerring, wo mehrere Kontinentalplatten aufeinander treffen und die Erdkruste in Bewegung halten. 

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