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Organmangel immer drastischer

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Von: Ursula Rüssmann

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Portemonnaie mit Organspendeausweis.
Portemonnaie mit Organspendeausweis. © Ímago

Die Organspenden in Deutschland sind auf dem tiefsten Stand seit 20 Jahren. Experten machen die Krankenhäuser für den Notstand mitverantwortlich.

Die Deutsche Stiftung Organspende (DSO) schlägt Alarm: Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Alex Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO, sprach am Donnerstag in Frankfurt von einer „zutiefst besorgniserregenden“ Lage. Täglich sterben hierzulande etwa drei Menschen, weil sie nicht rechtzeitig ein Herz, eine Lunge, Leber oder Bauchspeicheldrüse bekommen. Insgesamt warten mehr als 10.000 schwerst kranke Menschen auf eine Transplantation, die meisten auf eine Niere.

Die Stiftung koordiniert die Organspenden Verstorbener bundesweit, berät Entnahmekliniken und begleitet Angehörige von Spendern. Zu ihrem Jahreskongress legte sie erschütternde Zahlen vor. Demnach konnten in den ersten zehn Monaten deutschlandweit nur 2359 Organe Verstorbener transplantiert werden, fast 200 weniger als im Vorjahr. Für das ganze Jahr 2017 rechnet die DSO mit nur etwa 2700 Transplantationen – im Jahr 2010 waren es noch 4200. Hinzu kommt ein geringer Prozentsatz von Lebendspenden, die aber nur bei Niere und Leber möglich sind.

Deutschland bei Organspenden weit hinten

Rahmel hielt mit deutlichen Warnungen nicht hinter dem Berg: Bestätigt sich die düstere Prognose, „werden wir in Deutschland in diesem Jahr erstmals weniger als 10 Organspender pro eine Million Einwohner haben“. Damit liegt Deutschland innerhalb Europas ganz weit hinten – Länder wie Spanien, Kroatien und Portugal kommen auf eine Quote von über 30. Dabei hat die Zahl 10 einen hohen Symbolwert: Der europäische Verbund Eurotransplant, der Organe grenzüberschreitend vermittelt, nimmt Staaten mit so wenigen Spendern gar nicht auf. „Rausfliegen werden wir deshalb aber wohl nicht“, betonte Rahmel.

Die DSO-Zahlen sind umso alarmierender, weil die Diskussion über Auswege schon seit Jahren geführt wird. Die Stiftung sieht nun „dringenden Handlungsbedarf“ und fordert einen Initiativplan zur Förderung der Organspende, der zügig entwickelt werden müsse. Mit ins Boot müssten dabei Kliniken, Verbände, Fachgesellschaften und Politik. Fehlende Spendenbereitschaft gilt nicht als Hauptproblem: 70 Prozent der Bürger sind zu Organspenden bereit.

Schwachstelle bei den Kliniken

Eine ernste Schwachstelle im Organspendesystem macht die DSO allerdings bei den Entnahmekliniken aus. Bei sterbenskranken Intensivpatienten werde die Therapie häufig abgebrochen, ohne eine Organspende überhaupt anzusprechen. „Die Frage nach der Spende muss zu einem selbstverständlichen Bestandteil der Versorgung am Lebensende werden“, forderte Rahmel. Dazu müssten Intensivmediziner besser geschult und die Transplantationsbeauftragten an den Kliniken deutlich gestärkt werden.

Auch brauchen die Kliniken angesichts des „wachsenden wirtschaftlichen Drucks“ laut DSO mehr finanzielle Unterstützung: Die Vorbereitung auf eine Organentnahme bindet nämlich viel Zeit und Personal – auch deshalb scheuen die Krankenhäuser die Organspende. Die DSO macht sich deshalb dafür stark, dass Kliniken für Organentnahmen eine zusätzliche Vergütung erhalten müssen.

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