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Corona-Variante Omikron: Expertin hat düstere Frühjahrsprognose

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Von: Andreas Apetz

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Die zweifache Impfung gegen das Corona-Virus schützt laut einer südafrikanischen Studie vor schweren Krankheitsverläufen durch Omikron. (Symbolbild)
Die zweifache Impfung gegen das Corona-Virus schützt laut einer südafrikanischen Studie vor schweren Krankheitsverläufen durch Omikron. (Symbolbild) © Eibner/Imago Images

Die Omikron-Variante ist in Europa angekommen, eine fünfte Corona-Welle scheint unvermeidbar. Booster-Impfungen alleine reichen laut Fachleuten nicht mehr aus.

Frankfurt – Im Sommer 2021 lag der bundesweite Inzidenzwert noch bei unter Eins. Ein Wert, der wenige Monate später unvorstellbar ist. „Wir werden lernen müssen, mit diesem Virus zu leben“, betonte der ehemalige Gesundheitsminister Jens Spahn* (CDU*) Anfang des Jahres und nach dem rasanten Anstieg der Corona-Fallzahlen*. Seit Mitte Oktober, scheint es so, als würde er recht behalten.

Die Pandemie* schlägt härter zu als je zuvor. Neben den täglich zehntausenden Neuinfektionen der Delta-Variante*, hat nun eine neue Mutation seinen Weg nach Europa gefunden und bereitet den Corona-Expertinnen und Experten hierzulande mächtig Kopfschmerzen. Die Rede ist von der hochansteckenden Omikron-Variante*. Einen ungünstigeren Zeitpunkt für die Ankunft der neuen Corona-Mutation hätte es für Deutschland kaum geben können.

Während man in der Bundesrepublik gerade versucht, mit Booster-Impfungen das Infektionsgeschehen in den Griff zu bekommen, grätscht eine Virusvariante dazwischen, die sich rasend schnell verbreitet und auch für Geimpfte ansteckend ist. Omikron ist noch unerforscht und die Untersuchungen zur Wirksamkeit bekannter Corona-Impfstoffe* laufen noch. Doch in Fachkreisen ist man sich bereits sicher: Impfungen alleine werden nicht ausreichen, um die Omikron-Variante in den Griff zu bekommen.

Omikron-Variante: 30 Millionen Corona-Infektionen im Frühjahr – Booster-Impfung wird nicht ausreichen

Alleine aufgrund der Delta-Mutation werden in Deutschland derzeit rund 4900 Patientinnen und Patienten auf Intensivstationen behandelt. Das RKI bezeichnet die aktuelle Lage als „sehr besorgniserregend“. Auch der neue Gesundheitsminister der Ampel-Koalition, Karl Lauterbach* (SPD), teilte im Gespräch bei den Tagesthemen mit, dass man hinsichtlich der sich ausbreitenden Omikron-Varianten keine Maßnahmen ausschließe. In Deutschland gibt es bisher nur 82 gemeldete Fälle der südafrikanischen Variante, in der EU sind es 766 – Tendenz steigend.

Die bisherigen Erfahrungen aus Südafrika zu Omikron lassen nichts Gutes erwarten. Ein Blick in die europäischen Hotspots zeigt, wie gefährlich die neue Variante für Europa werden kann. In Großbritannien und Dänemark haben sich die Ansteckungen alle drei bis vier Tage verdoppelt. Das ist deutlich schneller als zunächst angenommen. „Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird Omikron in etwa zwei bis vier Wochen in Europa vorherrschend sein“, sagt Richard Neher, der sich mit der Evolution von Viren an der Universität Basel beschäftigt.

Auch vor Geimpften macht Omikron keinen Halt. Im RKI hofft man auf schnelle „Notfallpläne“, ansonsten müsse man vom Worst-Case-Szenario ausgehen. Die Frankfurter Virologin Sandra Ciesek prognostiziert für Deutschland rund 30 Millionen Corona-Infizierte im Zeitraum bis April, mit tägliche 3000 bis 5000 Hospitalisierten. Noch mehr Neuinfektionen pro Tag würden das eh schon belastete Gesundheitssystem in Deutschland endgültig auf die Zerreißprobe stellen. Es brauche jetzt „alle Tools, die wir haben“, so Ciesek: „Es reicht nicht, sich auf die Booster-Kampagne zu konzentrieren.“

Omikron-Variante: Wie tödlich ist die Mutation?

Omikron könnte eine fünfte Welle auslösen, noch bevor die vierte Welle überhaupt abgeklungen ist. Es bleibt nur zu hoffen, dass die neue Variante weniger gefährlich ist und schwere Krankheitsverläufe seltener auftreten. Krankenhausberichte aus Südafrika deuten darauf hin, dass Omikron-Erkrankte mildere Verläufe haben. Hinsichtlich dieser Beobachtung könne man „vorsichtig optimistisch“ sein, sagte Matshidiso Moeti, Afrika-Regionaldirektorin der WHO.

Selbst wenn Omikron weniger aggressiv als die Delta-Variante wäre, gäbe es trotzdem keinen Grund zur Entwarnung. Wenn sich sehr viele Menschen auf einen Schlag damit anstecken würden, müssten mit großer Wahrscheinlichkeit auch viele Erkrankte auf einmal ins Krankenhaus, warnte der Genethikexperte Jeffrey Barrett im BBC-Radio.

Omikron: Booster-Impfung ist die neue Zweitimpfung

Auch wenn Impfungen alleine nicht reichen werden, um eine neue Omikron-Welle zu verhindern, so dient jede verimpfte Dosis weiterhin dem Individualschutz. Nach dem bisherigen Kenntnisstand sind Geimpfte nach der zweiten Impfung vor einem schweren Covid-19-Verlauf weiterhin geschützt. Um die Pandemie hingegen zu beenden, reichen die ersten beiden Pikser wohl nicht mehr aus.

Boostern alleine wird eine fünfte Welle nicht verhindern können. Das langfristige Ziel sollte aber weiterhin die Durchimpfung der gesamten Bevölkerung sein, um schwere Verläufe zu verhindern und die Krankenhäuser zu entlasten. Den Einschätzungen zahlreicher Fachleute zufolge liegt der Immunschutz gegen Omikron nach der Booster-Impfung im Schnitt bei rund 70 Prozent. Virologe Christian Drosten* erklärte diesbezüglich in seinem Podcast bei NDR-Info: „Vielleicht kann man es sich im Moment ein bisschen so vorstellen: Die geboosterte Impfung ist die neue Doppelimpfung [...]. Also das, was Omikron an Immun­schwund macht, ist vielleicht der Unterschied zwischen zwei Dosen und drei Dosen.“

Das kurzfristige Ziel ist hingegen klar: Infektionszahlen senken, egal wie. „Stellen Sie sicher, jede Gelegenheit zu nutzen, um die Übertragung zu stoppen“, mahnt WHO-Notfalldirektor Mike Ryan. Dafür braucht es schärfere Corona-Regeln, Masken, Abstand – und eben nicht nur eine Booster-Impfung.

Medikamente werden immer interessanter bei der Bekämpfung des Coronavirus. Eine neue Anti-Corona-Pille zeigt hohe Wirksamkeit – auch gegen Omikron. (aa mit dpa)

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