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Nach der Urteilsverkündung: Angehörige und Freunde huldigen Tugçe Albayrak. 

Ikone der Zivilcourage

Vor fünf Jahren starb Tugce Albayrak - stilles Gedenken auf McDonald‘s-Parkplatz

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Die Gewalttat auf einem Parkplatz vor einem McDonald's in Offenbach an Tugce Albayrak löste vor fünf Jahren eine Debatte über Zivilcourage aus. Der Täter wurde abgeschoben.

Offenbach - Nur eine unscheinbare Steinplatte erinnert auf dem Parkplatz der McDonald’s-Filiale am Offenbacher Kaiserlei noch daran, was dort vor fünf Jahren geschehen ist. „In Gedenken an Tugce Albayrak“, steht auf dem Stein. Und: „die auf tragische Weise ums Leben kam“. Die 22-jährige Deutsch- und Ethik-Studentin soll in der Nacht auf den 15. November 2014 zwei 13-jährigen Mädchen beigestanden haben, die unter anderem vom späteren Täter belästigt worden seien, wie es hieß. 

Dieser 18-jährige junge Mann schlug Albayrak später so heftig, dass sie mit dem Kopf auf dem Parkplatzboden aufschlug und ins Koma fiel - aus dem sie nicht wieder aufwachte. Am 28. November ließen die Eltern dann die lebenserhaltenden Apparate abschalten - am 23. Geburtstag ihrer Tochter. Rund 1.500 Menschen versammelten sich danach vor dem Offenbacher Klinikum.

Offenbach: Fall Tugce Albayrak nach Gewalttat vor McDonald's löst Debatte aus

Der „Fall Tugce“ löste 2014 eine große Debatte über Jugendkriminalität und Zivilcourage aus und fand international Aufmerksamkeit. Vielerorts wurden Mahnwachen organisiert. Der Täter wurde 2015 am Darmstädter Landgericht zu drei Jahren Jugendhaft wegen Körperverletzung mit Todesfolge verurteilt. 

Er habe den Tod der 22-Jährigen nicht beabsichtigt, sagte der Vorsitzende Richter - doch wer so heftig zuschlage, „der nimmt die Körperverletzung in Kauf“. Während des Prozesses wurde aber auch deutlich, dass beide Seiten wohl nicht mit Beleidigungen und Provokationen gespart hatten. Der Täter wurde 2017 nach Serbien abgeschoben.* Von dort stammt seine Familie. Vor 2025 darf er nicht wieder einreisen.

Nach Gewalttat in Offenbach vor McDonald's: Tugce-Verein macht weiter

Am Freitag füllt sich der Parkplatz im Offenbacher Gewerbegebiet wohl wieder mit Blumen, vermutet die Filialleiterin des dortigen Schnellrestaurants McDonald's. Jedes Jahr kämen an diesem Tag einige Menschen, um an Tugce Albayrak zu erinnern, erzählt sie. Ansonsten ist es ruhig geworden um den Fall. 

Der Verein „Tugce Albayrak“, den Verwandte und Freunde 2015 gegründet haben - unter anderem ihr Bruder Dogus - existiert aber weiterhin. Rund 140. 000 Leute folgen seinen Aktivitäten auf Facebook. Im Mai diesen Jahres veranstaltete der Verein gemeinsam mit der Stadt Bad Soden-Salmünster - Albayraks Geburtsort - den Charity-Lauf „Spessarthelden“. Ein Lauf gegen Gewalt, den es auch nächstes Jahr wieder geben soll. Das Geld, das dabei eingenommen wird, fließt in das vereinseigene Gewaltpräventionsprojekt „Stop Violence!“.

Weitere Veranstaltungen in der Vergangenheit waren zum Beispiel ein Benefiz-Hallenfußball-Turnier in Gelnhausen, eine Geschenkaktion für krebskranke Kinder in Frankfurt und eine Workshopreihe zum Thema Gewaltprävention an mehreren hessischen Schulen. 

 Noch heute gilt die Studentin Tugce an der Uni Gießen als Symbolfigur für Zivilcourage. 

Nun gab es einen mysteriösen Todesfall bei McDonald's in Neu-Anspach: Auf einer Toilette ist eine toter Mann gefunden worden.

*fr.de undgiessener-allgemeine.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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