Panzer Österreich Heeresgeschichtliches Museum Österreich Wien
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Im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien haben Prüfer:innen Missstände entdeckt - zum Beispiel nicht inventarisierte Panzer. (Symbolbild)

Kritik vom Rechnungshof

Österreich: Prüfer entdecken betriebsbereite Panzer und Maschinenkanonen

  • Ines Alberti
    vonInes Alberti
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Das Heeresgeschichtliche Museum in Wien bekommt nach einer Prüfung gravierende Missstände bescheinigt - von nicht inventarisierten Panzern bis zu verschwundenen Waffen.

  • Das staatliche Heeresgeschichtliche Museum in Österreich bekommt nach einer Prüfung ein vernichtendes Urteil.
  • Im HGM finden sich nicht inventarisierte Panzer, Sturmgewehre fehlen.
  • Der Rechnungshof kritisiert das HGM in einem fast 140-seitigen Bericht.

Wenn eines beim Heeresgeschichtlichen Museum (HGM) in Wien nicht herrscht, dann ist es Ordnung. Das hat der österreichische Rechnungshof in einer vierjährigen Prüfung des Militärmuseums festgestellt. Von August bis November 2019 untersuchte der Rechnungshof das Museum. Jetzt ist der Bericht dazu erschienen - fast 140 Seiten lang und mit 90 Empfehlungen, was das HGM in Zukunft bitte anders handhaben soll. Der Rechnungshof bescheinigt dem Museum in seinem Bericht „gravierende Mängel und Missstände“.

Das Museum besteht seit Mitte des 19. Jahrhunderts und ist mittlerweile dem österreichischen Verteidigungsmuseum unterstellt. Laut Rechnungshof gibt es „eine beachtliche Reihe an Problemen, Mängeln und Missständen“. Außerdem habe sich der Verdacht auf mögliche strafrechtliche Tatbestände ergeben, woraufhin entsprechende Passagen des Berichts an die Staatsanwaltschaft übermittelt worden seien.

Museum in Österreich: Inventar seit Zweitem Weltkrieg nicht komplett aktualisiert

Der Rechnungshof kritisiert im Groben folgende Punkte beim HGM:

  • Nichtbeachten rechtlicher Vorschriften etwa bei Baumaßnahmen
  • Missstände im Bereich Sammlungen
  • Kein Compliance Management System oder Compliance-Bewusstsein (Regelkonformität)
  • Unzureichende Dienst- und Fachaufsicht durch das Ministerium
  • Kein Gesamtüberblick über den Sammlungsbestand

Konkret schockieren nach der Prüfung des HGM vor allem, dass seit dem Zweiten Weltkrieg das Inventar von schätzungsweise 1,2 Millionen Objekten nicht mehr vollständig aktualisiert wurde. Somit gibt es keinen Überblick und keine Kenntnis etwa über Verluste seit dem Krieg. Beispielsweise sind drei Briefe des Malers Egon Schiele nicht auffindbar. Drei Sammlungsleiter wussten dem Bericht zufolge zwar, dass die Briefe fehlen, haben die Direktion des Museums aber nicht darüber informiert. Und das ist noch ein vergleichsweise kleiner Patzer.

Museum in Österreich: In Bunker des HGM lagern angeblich unbekannte Panzerersatzteile

Haasträubender wird es, wenn es um die Waffendepots des staatlichen HGM am Garnisonsstandort Zwölfaxing geht. Die Prüfer:innen stießen dort auf mehrere Bunker, die mit Panzerersatzteilen unbekannter Herkunft gefüllt waren. Die Direktion des Museums will erst durch die Prüfung von den Ersatzteilen erfahren haben. Gegen den Mitarbeiter, der die Schlüssel zu den Bunkern hatte, habe das HGM Strafanzeige gestellt - wegen der „unbefugten Innehabe von Kriegsmaterial“.

Außerdem fand man in Zwölfaxing unter anderem eine funktionsfähige Maschinenkanone und einen betriebsbereiten Schützenpanzer. Die Waffen waren nur durch ein Vorhängeschloss gesichert ‒ laut dem Rechnungshof bestand somit das Risiko, dass die Waffen entwendet werden.

HGM in Österreich: Museum vermisst Sturmgewehre

Auch in der Sammlung „Waffen und Technik“ tauchen Kriegsfahrzeuge auf, die nicht offiziell aufgelistet sind. So waren drei Schützenpanzer und vier Jagdpanzer nicht im Inventar verzeichnet, obwohl sie seit 2008 und 2011 im HGM stehen. Dagegen vermisst das Museum bereits seit Januar 2017 vier „demilitarisierte“ Sturmgewehre - das wurde allerdings weder dem Sammlungsleiter noch der Direktion gemeldet. In einer offiziell als „Garage“ geführten Halle eröffnete das Museum 2017 außerdem eine „Panzerhalle“ für den Publikumsverkehr und nutzte die Räume somit widmungswidrig.

Rechnungshof Österreich: HGM soll Antikorruptionskultur einführen

Außerdem hat das Museum mehr als 50 Objekte aus dem Eigentum des Museumsdirektors und seines Stellvertreters angekauft - für Ankäufe von Mitarbeitern gab es allerdings keine Richtlinien und es wurden keine neuen definiert. Der Direktor hatte auch neben seiner leitenden Tätigkeit Vorstandspositionen in dem HGM nahestehenden Vereinen inne. Die Vereine hatten teilweise als ihren Vereinssitz das HGM angegeben, was aber dem Bericht zufolge nicht mit dem Verteidigungsmuseum abgeklärt war. „In der engen personellen, räumlichen und organisatorischen Verfechtung lag ein Risiko für Interessenkonflikte“, kritisiert der Rechnungshof. Er empfiehlt zudem die „Etablierung einer Antikorruptionskultur“ auf allen Hierarchieebenen des HGM.

Nicht zuletzt empfiehlt der Rechnungshof dem Verteidigungsministerium, neu zu bewerten, ob sich das HGM als eine dem Ministerium nachgeordnete Stelle tatsächlich eignet. In einer Stellungnahme teilte Verteidigungsministerin Klaudia Tanner (ÖVP) allerdings bereits mit: „Das Museum wird Teil meines Ressorts bleiben, etwas Gegenteiliges steht nicht zur Debatte.“ (Ines Alberti)

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