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Farbenfreude ist ein Kennzeichen der 18-jährigen Kehkashan Basu.

Kehkashan Basu

Die Öko-Kriegerin

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Kehkashan Basu ist 18 Jahre alt – mit zwölf gründete sie die Umweltschutz-Organisation „Green Hope Foundation“. Ein Leben für Nachhaltigkeit und den Kampf gegen den Klimawandel.

An dem Tag, als Kehkashan Basu acht Jahre alt wurde, pflanzte sie ihren ersten Baum. Vier Jahre später, im Juni 2012, sprach sie in Rio de Janeiro als eine der jüngsten Delegierten auf der UN-Konferenz über nachhaltige Entwicklung. Inzwischen ist Kehkashan Basu, Gründerin von „Green Hope“, zu einem Sprachrohr Jugendlicher geworden, die sich für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Kinderrechte einsetzen. „Wir werden die Zukunft nicht erleben, wenn wir nicht entschlossen sind, unser Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen“, sagt sie.

Farbenfreude ist ein Kennzeichen der 18-jährigen Frau mit den langen schwarzen Haaren, die in der kanadischen Stadt Toronto lebt. „Die leuchtenden Farben geben unsere Persönlichkeit wieder“, sagt sie lächelnd, legt ihren pinkfarbenen Mantel ab und nimmt Platz an einem Tisch in einer Espresso-Bar auf dem Campus der Universität von Toronto. Ihr hellgrünes T-Shirt trägt den Schriftzug „Green Hope“ und zeigt das Logo der Organisation: eine sich öffnende Erde, aus der ein Baum wächst. „Die Farben zeigen unsere Lebensfreude und Hoffnung, die wir verbreiten wollen. Und der Baum kommt aus dem Herzen der Erde“, sagt sie.

Kehkashans ethnische Wurzeln liegen in Bengalen im Osten Indiens. Ihre Eltern lebten in Kolkata, bevor sie 1993 nach Dubai auswanderten. Maushum Basu, ein Ingenieur im Dienst eines Elektronikkonzerns, und seine Frau Swati, die politische Wissenschaft lehrte, wollten ein paar Jahre dort leben und eine andere Kultur kennenlernen. Kehkashan wurde im Jahr 2000 in Dubai geboren. Obwohl sie nie in Indien lebte, sind sie und ihre Eltern indische Staatsbürger, da die Vereinigten Arabischen Emirate keine Staatsangehörigkeit an Einwanderer vergeben. Das stört Kehkashan nicht. Sie bezeichnet sich als „global citizen“, als Weltbürgerin. „Ich identifiziere mich mit meinen Wurzeln und mit den Orten, an denen ich aufgewachsen bin und lebe – mit den Vereinigten Arabischen Emiraten, Indien und Kanada.“ Jetzt will sie sich um die kanadische Staatsangehörigkeit bewerben.

Geboren am 5. Juni, dem Weltumwelttag

Kehkashans Namen stammt aus dem Persischen und bedeutet sinngemäß „leuchten wie eine Galaxie“ oder „Milchstraße“. Geboren wurde sie am 5. Juni. „Der 5. Juni ist der Weltumwelttag“, sagt sie strahlend. „Ich glaube, es war vorbestimmt, dass ich als Öko-Kämpferin aufwachsen sollte.“ Kurz vor ihrem achten Geburtstag sieht sie im Fernsehen das Bild eines toten Vogels, dessen Magen mit Plastikmüll gefüllt ist. „Als ich dieses Foto sah, wusste ich, dass wir etwas tun müssen.“

An ihrem Geburtstag pflanzt sie einen Baum, belässt es aber nicht dabei. Sie wirbt bei ihren Nachbarn für den Verzicht auf Plastik. Unter ihrer Initiative beginnen Kinder in ihrem Wohngebiet in Dubai die Kampagne gegen Plastik. Mit Erfolg! Als ein Restaurant verspricht, völlig auf Plastik zu verzichten, wird ihnen bewusst, dass sie etwas bewegen können. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder junge Mensch Veränderungen herbeiführen kann. Das Alter spielt keine Rolle“, sagt Kehkashan. Ihre Mutter Swati pflichtet ihr bei: „Es ist wichtig, auf die Kinder und Jugendlichen zu hören. Die Zeiten sind vorbei, in denen die Erwachsenen sprachen und die Kinder zuhören mussten.“

Zur Sache

Die „Green Hope Foundation“ wurde 2012 von der damals zwölfjährigen Kehkashan Basu in Dubai in den Vereinigten Arabischen Emiraten gegründet. „Green Hope“ versteht sich als Jugendorganisation, die sich für nachhaltige Entwicklung und nachhaltigen Lebensstil, Umweltschutz, Gleichberechtigung und Kinderrechte einsetzt. Mittlerweile ist „Green Hope“ in zwölf Ländern – darunter Kanada, die USA, die Vereinigten Arabischen Emirate, Indien, Surinam und Chile – mit insgesamt mehr als 1000 Mitgliedern aktiv und hat durch Workshops mehr als 15 000 Kinder und Jugendliche für Umweltschutz begeistern können.

Über sein Jugendprogramm „TUNZA – Acting for a better world“ wird UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, auf Kehkashan und ihre Freunde aufmerksam. Kehkashan wird zur TUNZA-Kinder- und Jugendkonferenz 2011 in Bandung in Indonesien eingeladen – ihr erster Schritt auf internationaler Bühne. Viele Schritte folgen. 2012 fliegt Kehkashan nach Rio de Janeiro zum Umweltgipfel „Rio+20“. Im Kreise der Regierungschefs und Staatsoberhäupter, die über die Zukunft des Planeten sprechen, wird ihr bewusst, dass ein wichtiges Segment der Bevölkerung fast völlig fehlt. „Wir sind die Zukunft. Die Erwachsenen sprachen über die Zukunft, aber die künftigen Generationen waren nicht dabei. Als ich nach Dubai zurückkehrte war mir klar: Junge Leute müssen handeln.“ Mit einigen Freundinnen und Freunden gründet sie am 12. August 2012, am Internationalen Tag der Jugend, die „Green Hope Foundation“ als Plattform für junge Leute, die sich für den Umweltschutz engagieren wollen.

Als „eco warriors“, als Umweltkämpfer oder -krieger bezeichnen sich die jungen Leute. Zu ihren Kampagnen gehören Projekte vor Ort wie die Beseitigung von Müll an Straßen, Flüssen und Seen, die Pflege von bedrohtem Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Ausflüge, die ihnen die Umwelt näher bringen, Aktionen in den Sozialen Medien – und immer wieder das Pflanzen von Bäumen. „Wir haben bisher weltweit mehr als 15.000 Bäume gepflanzt“, sagt Kehkashan. Sie setzen sich gegen Bodenzerstörung, die Bodendegradation ein, für nachhaltige Produktion und Konsum, für die Nutzung alternativer Energien und den Verzicht auf fossile Brennstoffe. Dubai sei, obwohl ölproduzierendes Land, beim Ausbau von Solar- und Windenergie ein Vorbild, ist Kehkashan überzeugt. Auf „Umweltakademien“, mehrstündigen bis eintägigen Workshops, bei Besuchen in Schulen und mittlerweile auch Unternehmen geben die jungen Leute ihre Überzeugungen weiter. Eine Leitschnur ihres Handelns sind die von den UN beschlossenen 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung.

2007 war Kehkashan mit ihren Eltern auf einer Urlaubsreise nach Toronto gekommen. „Mir gefiel Kanada sofort“, sagt sie. Ihr Engagement führt sie 2013 erstmals zu den UN und seitdem verbindet sie jeden New York-Besuch mit einem Aufenthalt im multikulturellen Toronto. 2016 lässt sie sich mit ihrer Familie dort nieder. Im Sommer 2018 macht Kehkashan am North Toronto Collegiate Institute ihren Highschool-Abschluss, jetzt ist sie an der University of Toronto in „Environmental Studies“ eingeschrieben. „Green Hope“ ist in Kanada als gemeinnützige Organisation anerkannt. Von Toronto aus hilft Kehkashan, „Green Hope“-Aktionen in aller Welt zu organisieren. Smartphone und Internet sind ihre wichtigsten Werkzeuge.

Kehkashan Basu ist ein „UN Human Rights Champion“

Die 23-jährige Lauren Phillips-Grande, die mit Kehkashan studiert, ist eine ihrer Mitstreiterinnen. „Wenn sie spricht, bemerkt man sofort die Leidenschaft, mit der sie sich für die Umwelt einsetzt“, sagt Lauren über ihre Freundin. „Der Einsatz für die Umwelt ist Teil von dem, was sie ist, nicht von dem, was sie tut. Sie lebt diese Botschaft.“

„Green Hope Foundation“ heißt die Plattform für junge Leute.

Kehkashan ist vielbeschäftigt. Bereits 2013 wird sie zur „Koordinatorin für Kinder und Jugendliche“ des UN-Umweltprogramms gewählt. Sie ist einer der 22 „UN Human Rights Champions“ , die sich für Menschenrechte einsetzen. Sie sitzt als Jugendvertreterin im „World Oceans Day Youth Advisory Council“ zum Schutz der Meere. Für den in Hamburg ansässigen Weltzukunftsrat fungiert Kehkashan Basu als Jugendbotschafter. Als 16-jährige spricht sie im März 2017 vor dem UN-Menschenrechtsrat in Genf über Klimawandel und Kinderrechte und Ende 2017 auf der UN-Umweltkonferenz COP23 in Bonn. Für ihre Arbeit wird sie 2016 mit dem International Children’s Peace Prize und 2017 mit dem National Energy Globe Award ausgezeichnet.

Aber Reden ersetzt nicht das Handeln. Im Libanon besucht Kehkashan mit Gleichaltrigen aus den Vereinigten Arabischen Emirate ein Lager syrischer Flüchtlinge. Sie spielen mit den Kindern, beseitigen Müll im Camp und Musizieren zusammen. In Surinam, dem am stärksten bewaldeten Land der Erde, kommen sie mit mehr als 2000 Jugendlichen zusammen, darunter viele indigene Kinder. Der Erhalt der Mangrovenwälder Bengalens ist ein weiteres Thema, das sie beschäftigt.

Immer wieder kommt Kehkashan darauf zurück, was Motivation für ihr Handeln ist. „Wenn wir uns nicht um die Gegenwart kümmern, haben wir keine Zukunft. Man ist niemals zu jung um etwas zu erreichen.“ Sie fordert von Jung und Alt zu hinterfragen, welche Auswirkungen unser Handeln für diesen Planeten hat. „Jeder kleine Schritt zählt.“ Kehkashan weiß, dass sie mit ihren Flugreisen einen erheblichen „ökologischen Fußabdruck“ hinterlässt. Aber sie glaubt, dass sie das mit „Green Hope“ und den Aktionen für die Umwelt wieder ausgleicht.

Im Sommer 2022 möchte Kehkashan, die mit ihren Eltern Bengali spricht und zudem Englisch und Französisch, Arabisch und Hindi, ihr Bachelor-Studium abschließen und an der Universität von Harvard den Master of Business Administration machen. Gleichzeitig will sie „Green Hope“ ausbauen. „Ich hoffe, dass wir eines Tages selbst ,grüne Jobs“ anbieten können“, sagt sie. Dafür braucht sie auch finanzielle Unterstützung. Die Organisation finanziert sich aus privaten Spenden.

Kehkashan schaut auf ihre Armbanduhr. Am Abend möchte sie sich noch mit Freunden in Dubai und Oman auf Skype zusammenschließen, mit denen sie eine Band gegründet hat. Sie wollen Musik machen – sie in Toronto, ihre Freunde in der Golfregion. Eines ihrer Lieder ist der „Song for Climate Justice“. Darin heißt es: Es ist Zeit für Veränderungen, es ist Zeit für ein besseres Morgen.

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