Winter

Lebensgefährliche Kälte

Bereits zehn Obdachlose sind diesen Winter in Deutschland im Freien erfroren.

Bereits zehn obdachlose Menschen sind in Deutschland in diesem Winter nach Recherchen der Bundesarbeitsgemeinschaft für Wohnungslosenhilfe auf der Straße gestorben. Dazu komme ein weiterer Verdachtsfall, sagte Geschäftsführerin Werena Rosenke. Obdachlose seien unter anderem in Hamburg, Köln, Düsseldorf und Berlin erfroren.

Allein in der Hauptstadt wurden in den eiskalten Nächten der vergangenen Tage zwei Menschen ohne festen Wohnsitz tot aufgefunden. Einer der Männer starb in der Nacht zum Freitag und ist in der Zählung der Arbeitsgemeinschaft noch nicht erfasst. Die Todesursache war bei beiden zunächst noch unklar.

Da von Bund, Ländern und Kommunen keine offiziellen Statistiken zu Kältetoten geführt würden, sei die Definition nicht immer einfach, sagte Rosenke. Die Arbeitsgemeinschaft stütze sich bei ihrer bundesweiten Zählung auf Medienberichte. „Es geht dabei um Menschen, die auf der Straße durch die Einwirkung von Kälte gestorben sind“, erläuterte sie. „Auch Herzversagen kann dabei mit Unterkühlung zusammenhängen.“ Oft würden Obduktionsberichte aber gar nicht öffentlich – oder gar keine Untersuchungen zu den Todesursachen veranlasst.

Die Arbeitsgemeinschaft zählt Kältetote in Deutschland seit dem Beginn der 1990er Jahre. 314 Fälle seien seitdem dokumentiert, berichtete Rosenke. Früher seien pro Jahr 20 bis 30 Fälle bekannt geworden. „Es hat etwas gebracht, dass es in vielen Großstädten jetzt Kältebusse oder Kältepatrouillen gibt“, sagt Rosenke.

Dass Obdachlose trotz eisiger Nächte keine der Notquartiere aufsuchten, habe manchmal auch mit Restriktionen beim Einlass zu tun. Wer alkoholisiert, mit Hund oder großen psychischen Problemen vor der Tür stehe, dürfe nicht bei jeder Einrichtung ins Warme. „Da muss man schauen, ob sich solche Restriktionen lockern lassen“, so die Geschäftsführerin. (dpa)

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