+
Blick in den Verkaufsbereich eines ICE-Bordbistros.

Alkoholverbot in Zügen

Nüchtern quer durch Deutschland

  • schließen

GDL-Chef Claus Weselsky fordert ein Verkaufsverbot von Alkohol in Zügen.

Die Eisenbahnergewerkschaft GDL tritt für ein Verkaufsverbot von Alkohol in Zügen ein – und trifft mit der Forderung auf Verständnis bei Fahrgast-Vertretern und Verkehrspolitikern. „Die Frage ist weniger das Ob, eher das Wie“, sagte der Ehrenvorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, am Sonntag der Frankfurter Rundschau. „Alkohol in Zügen ist ein großes Problem“, betonte er. Man müssen nach Wegen suchen, wie sich Gewalt und Aggressionen gegenüber dem Bahnpersonal reduzieren lassen, ohne Reisende in ihrer Freiheit einzuschränken.

Der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Matthias Gastel, sagte: „Die Diskussion ist wichtig, schließlich geht es um die Sicherheit von Fahrgästen und Bahnmitarbeitern sowie um die Arbeitsbedingungen bei der Bahn.“ Gleichwohl sei er gegen ein pauschales Alkoholverbot: „Jedem Reisenden sei sein Wein oder Bier zum Essen gegönnt. Zumal einzelne Reisende nur selten für Probleme sorgen.“ Notwendig sei ein konsequenteres Vorgehen gegen krawallprovozierende, oft alkoholisierte Gruppen, etwa im Zusammenhang mit Fußballspielen.

Naumann und Gastel reagierten damit auf Äußerungen des GDL-Vorsitzenden Claus Weselsky, der ein Ende des Alkoholverkaufs in den Bordrestaurants und Zugbistros der Bahn ins Gespräch gebracht hatte. „Wir müssen den Alkoholausschank auf den Prüfstand stellen aus Fürsorgepflicht für unsere Mitarbeiter“, sagte Weselsky der „Heilbronner Stimme“. Er verwies auf eine GDL-Umfrage, bei der zahlreiche Mitglieder angegeben hatten, schon einmal bei der Ausübung ihres Berufs verbal oder körperlich angegriffen worden zu sein.

1800 Gewaltvorfälle

„Jede einzelne Klage von Mitarbeitern, jede einzelne Belästigung ist eine zu viel“, so Weselsky. Der Gewerkschaftschef warb für ein generelles Verkaufsverbot, da die Mitarbeiter der Bordgastronomie nicht von Fall zu Fall entscheiden könnten, wem sie Alkohol verkaufen und wem nicht. Dies führe nur zu Eskalationen. Weselsky sagte, er könne sich auch eine Videoüberwachung der Bordrestaurants vorstellen. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass der Arbeitgeber die Arbeit seiner Beschäftigten überwacht. Die GDL hat nach eigenen Angaben rund 34 000 Mitglieder. Der größte Teil sind Lokomotivführer, die Gewerkschaft vertritt aber auch Zugbegleiter.

Von Seiten der Deutschen Bahn hieß es am Sonntag: „Derzeit gibt es keine Pläne, in unseren Fernverkehrszügen ein generelles Alkoholkonsumverbot einzuführen.“ Die Bahn befindet sich hier in einem Zielkonflikt: Auf der einen Seite leistet der Verkauf alkoholischer Getränke einen wichtigen Beitrag dazu, die Kosten der Bordgastronomie im Griff zu halten. Außerdem wirbt das Unternehmen damit, dass das Reisen mit der Bahn stressfrei und entspannt ist: Für viele Kunden gehört zum Essen im Speisewagen ein Glas Wein oder ein Bier mit Freunden im Bistro einfach dazu.

Auf der anderen Seite gibt es tatsächlich viele Übergriffe gegen Bahn-Mitarbeiter – oft ist Alkohol im Spiel. Laut dem jüngsten Sicherheitsbericht der Deutschen Bahn gab es 2015 rund 1800 Gewaltvorfälle – 300 mehr als im Jahr zuvor.

Neben der Eisenbahnergewerkschaft GDL hatte sich unlängst auch die Konkurrenz-Organisation EVG dafür stark gemacht, Bahn-Mitarbeiter besser gegen Gewalt zu schützen: So begrüßte die EVG grundsätzlich Pläne von Justizminister Heiko Maas (SPD), wonach Attacken gegen Polizisten, Rettungskräfte oder Feuerwehrleute künftig härter geahndet werden sollen. Dies müsse auch für Mitarbeiter von Verkehrsunternehmen gelten, die Uniform oder Dienstkleidung tragen, forderte die Gewerkschaft.

Pro-Bahn-Ehrenvorsitzender Naumann sagte, unabhängig von der Debatte über den Alkoholverkauf müsse sichergestellt sein, dass alkoholisierte Gewalttäter auch tatsächlich vom Bahnpersonal aus den Zügen entfernt werden können. Das setze jedoch voraus, dass sich die Bundespolizei nicht aus der Fläche zurückzieht und zur Stelle ist, wenn Bahn-Mitarbeiter von unterwegs Unterstützung anfordern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion