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Lützerath: FR-Autorin gewinnt Pressefoto des Jahres

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Von: Boris Halva

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„Unbeirrbar“ heißt das Siegerfoto – aufgenommen am 9. März bei Lützerath, in der FR am 11. März veröffentlicht.
„Unbeirrbar“ heißt das Siegerfoto – aufgenommen am 9. März bei Lützerath, in der FR am 11. März veröffentlicht. © Barbara Schnell

„Unbeirrbar“: Das Garzweiler-Bild der FR-Autorin Barbara Schnell ist das „NRW-Pressefoto des Jahres“.

Es gibt Tage, an denen nimmt ganz beiläufig etwas Großes seinen Anfang. Der 10. März 2022 war so ein Tag. „Das Bild habe ich gestern gemacht...“ stand im Betreff der Mail von Barbara Schnell, gesendet um 8.22 Uhr. Und in der Nachricht selbst stand noch „wollt’s Dir zumindest zeigen. Text kommt jetzt gleich“.

Das Foto, das die Kollegin damals „zumindest zeigen“ wollte, hätte auch ohne Text funktioniert. Wer ein bisschen Gespür für Dramaturgie und Komposition hat, sieht sofort, dieses Foto hat alles, was ein gutes Foto ausmacht: Spannung, Proportion, Tiefe.

Barbara Schnell hat die Grube in Lützerath oft besucht

Aber vor allem erzählt es eine Geschichte, dieses Foto des Mannes, der wenige Meter vor dem Schaufelrad eines Kohlebaggers kniet, im Hintergrund leicht verschwommen die Terrassen der gigantischen Tagebaugrube Garzweiler, darüber ein apokalyptisch grauer Himmel. Und so bedrückend die Geschichte ist, die das Foto erzählt – es zeigt den selbst im Angesicht technischer Übermacht ungebrochenen Zauber des Augenblicks; es zeigt, wie wichtig es ist, da zu sein und hinzusehen, wenn andere aufstehen. Oder sich hinknien.

Barbara Schnell war oft an der Grube, „am Loch“, wie die Menschen in der Gegend sagen. Sie hat viele Bilder von dort mitgebracht, aber das vom Mann und dem Bagger ist mit Abstand das Eindrücklichste. Und gestern wurde es in Düsseldorf zum „NRW-Pressefoto des Jahres 2022“ gekürt – ausgewählt aus insgesamt 226 Einsendungen von 66 Fotografinnen und Fotografen.

„NRW-PRESSEFOTO des Jahres“

2022 wird das „NRW-Pressefoto“ zum fünften Mal prämiert. 66 Fotograf:innen haben 226 Bilder eingereicht. Es werden Preise in Höhe von 22 000 Euro vergeben. Das zweitplatzierte Foto von Ralf Rottmann für Funke Medien zeigt einen Förster, der die Zerstörungen eines Waldbrandes bei Lüdenscheid betrachtet. Platz Drei belegt ein Foto von Benjamin Westhoff, der für Thomson Reuters einen Einkaufswagen im ausgetrocknetem Flussbett des Rheins festhielt. FR

Dass der erwähnte Text noch kam, war gut und wichtig. Immerhin hatten tags zuvor, also am 9. März, einige Initiativen der Klimagerechtigkeitsbewegung nach Lützerath zu einer Pressekonferenz geladen, in deren Verlauf sie über den drohenden Ausstieg aus dem Kohle-Ausstieg sprechen wollten.

Anlass waren Forderungen aus den Reihen von CDU und FDP, angesichts der drohenden Energiekrise, die der damals nicht einmal drei Wochen zurückliegende Beginn des Angriffkriegs von Russland auf die Ukraine nach sich ziehen würde, weiter Braunkohle zu fördern.

Für die FR in Lützerath - und da war dieser Mann

Barbara Schnell war dort, um für die FR zu berichten. Wie immer hatte sie ihre Kamera dabei. Und dann war da dieser Mann, direkt an der Abbruchkante nahe Lützerath, gerade mal 200 Meter vom Hof des Aktivisten Eckardt Heukamp entfernt, der bis zuletzt gegen seine Enteignung gekämpft hatte. Sie hielt den Moment fest, so gesehen war es der 9. März 2022, an dem ganz beiläufig etwas Großes seinen Anfang nahm. Und am 11. März erschienen Text und Foto an genau dieser Stelle, an der jetzt die Würdigung steht.

Inzwischen steht fest: Der letzte Bauer von Lützerath muss seinen Hof räumen. Ob das Dorf für die Kohle zerstört wird, ist noch umstritten. Aber die Wirkung des Fotos, das Barbara Schnell am 9. März gemacht hat, bleibt. Und zwar ungebrochen. Unbeirrbar, so wie der Titel des Fotos.

Alle Fotos gibt’s auf der Internetseite des Landtags : www.landtag.nrw.de

Platz 2: „Nach dem Feuer. Ein Förster erzählt“
Platz 2: „Nach dem Feuer. Ein Förster erzählt“ © Ralf Rottmann
Platz 3 zeigt das Niedrigwasser im Rhein.
Platz 3 zeigt das Niedrigwasser im Rhein. © Benjamin Westhoff

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