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„Die Situation ist dramatisch“: Verheerende Hitze-Folgen auf italienischer Urlaubsinsel

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Die Lage für Mensch und Tier auf Sizilien spitzt sich seit Monaten zu – das Wasser schwindet. Ein Experte befürchtet, dass so die Zukunft der Urlaubs-Insel aussieht.

Catania – In Deutschland zeigt sich der Sommer bislang eher verhalten. Regen und Gewitter dominierten das Wetter-Geschehen im Juni, von dem befürchteten „Höllensommer“ ist bislang noch keine Spur. Zum Glück, ist man geneigt zu sagen. Während sich hierzulande wohl einige nach ein paar Sonnenstrahlen sehnen, würden die Menschen auf Sizilien das Wetter vermutlich sofort für etwas Regen eintauschen.

Seit Monaten ist auf der unter Urlauberinnen und Urlaubern beliebten Italien-Insel so gut wie gar kein Regen gefallen. Bereits im Winter herrschten übermäßig milde Temperaturen, was erst zur Dürre geführt hatte und worauf nun eine Hitze-Periode folgt. Die Wasserreserven für Mensch und Tier werden allmählich knapp. Die schlimmsten Monate stehen aber wohl erst noch bevor.

„Die Situation ist dramatisch“: Wassernotstand nach Dürre und Hitze auf Sizilien

Wie die örtliche Tageszeitung La Sicilia schreibt, bewegt sich die Insel derzeit auf einem ähnlichen Niveau, wie zu Zeiten der großen Dürre von 2002 – in Anbetracht des Dauerregens am Gardasee eine fast schon groteske Lage. Besonders im Süden können die Temperaturen bis zu 42 Grad Celsius erreichen, 2021 wurden Rekordwerte von fast 49 Grad verzeichnet. Der wenige Regen, der in den vergangenen zwölf Monaten auf Sizilien gefallen ist, habe nach Angaben des sizilianischen Agrarmeteorologischen Dienstes (Sias) gerade einmal die Oberflächenschicht des Bodens benetzt. Von wo aus es schnell wieder verdunstet sei.

Ein Rattenschwanz, denn die Mittelmeer-Insel speist ihre Trinkwasserversorgung vorrangig aus den natürlichen und künstlichen Seen, die vom Regen im Winter zerren. Der wurde 2023 aber mit dem heißesten Oktober der vergangenen 100 Jahren eingeläutet. Bis zu 35 Grad erreichte das Thermometer, normalerweise übersteigen sie die 25 Grad nicht, wie der Online-Reiseführer siculus.com schreibt.

Die Folge: etliche Seen gleichen einer Wüstenlandschaft, wie Trauerplakate von besorgten Einheimischen zeigen. Die Kapazität einiger Trinkwasser-Reservoirs lag laut dem Nationalen Verband der landwirtschaftlichen Wasserbehörde bereits im März dieses Jahrs bei zehn Prozent. „Die Situation ist dramatisch“, sagte ein Landwirt dem Guardian. Vor allem sein Vieh sei durch die Wasserknappheit derzeit massiv bedroht. „Die einzige Wasserquelle ist ein künstlicher Teich, der aber nicht mehr als Matsch ist.“

Wasserknappheit im Süden von Italien: Biologe wirft Behördenversagen vor und zeichnet düstere Zukunft für Sizilien

Bereits im Frühjahr blickten die Behörden der Insel besorgt auf die Lage, erließen im März für mehr als 93 Gemeinden auf Sizilien Wassersparmaßnahmen. Es wird versucht, die angespannte Lage mit Wassertanks abzufangen. Um zusätzliche Tankschiffe werde sich derzeit bemüht – eine Notlösung. Im Mai schickte Rom laut Recherche des Guardian ein 20 Millionen starkes Hilfspaket – deutlich weniger, als die regionale Regierung erbeten hatte (130 Millionen Euro).

Generell dränge sich den Einheimischen der Eindruck auf, die italienische Regierung habe wichtige Maßnahmen zum Schutz vor dem Klimawandel verschlafen. Einer von ihnen ist Christian Mulder. Der Professor für Ökologie und Klimaschutz an der Universität von Catania wirft den Behörden Versagen vor. „Was wir heute in Sizilien sehen, ist das Ergebnis von jahrzehntelanger Misswirtschaft der Wasserressourcen“, sagte er dem Guardian.

Für die nähere Zukunft Siziliens zeichnet Mulder ein noch düsteres Bild. „Bis 2030 wird ein Drittel der Insel Wüste sein, vergleichbar mit den Ländern Tunesien und Libyen“, zitiert ihn die britische Tageszeitung weiter. Im Norden Italiens beunruhigt dagegen ein heftiger Ausbruch des Norovirus, im Süden hält der befürchtete Ausbruch des Supervulkans die Behörden permanent in Alarmbereitschaft.

Was bedeutet das Wetter-Extrem für den Sizilien-Urlaub?

Auch wenn die schwierigsten Monate mit Juli und August noch bevorstehen, für die der Wetterdienst laut La Sicilia „nahezu null“ Regen voraussagen, leidet schon jetzt die lokale Agrarwirtschaft. Fast 20 Prozent der Weinproduktion sei eingebüßt worden, der Obstanbau nahm um mehr als zehn Prozent ab, schreibt der Guardian. Und der Tourismus?

Blick auf die Küste von Sizilien in Italien. (Symbolfoto)
Auch unter Menschen aus Deutschland ist Sizilien ein beliebtes Urlaubsziel. Um die Insel ist es derzeit aber nicht gut bestellt – auf Dürre folgt eine extreme Hitzeperiode. (Symbolfoto) © Giampaolo Cianella/Imago

Erste Besucherinnen und Besucher der auch in Deutschland beliebten Mittelmeer-Insel mussten von Hotels bereits weggeschickt werden, wie das Branchenportal Travelbook schreibt. Vor allem kleineren Frühstückspensionen fehle das Wasser, in etlichen Gebieten drehe die Behörde den Hahn über weite Teile des Tages zu.

Eine offizielle Reisewarnung für das Land gibt es aktuell nicht. Und damit auch keine Möglichkeit, gebuchte Sizilien-Reisen kostenlos zu stornieren, falls die Lust auf Urlaub in Anbetracht der Umstände vergangen sein sollte. Zuletzt hatte sich eine Gruppe feierwütiger Urlauberinnen und Urlauber auf der Insel mit ihrem Verhalten die Gastfreundschaft verspielt. (rku)

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