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Treets sind zurück. Aber nicht für immer.

Retro-Welle

Nostalgie in Tüten

Die Treets sind wieder da. Mancher Fan hat die Schokoklicker gleich kistenweise geordert. Die ganz große Retro-Welle ist in Deutschland aber inzwischen verebbt. Von Moritz Baumsteiger

Von MORITZ BAUMSTIEGER

Das Angebot ist verlockend: Für 55 Cent gibt es eine Tüte Kindheitserinnerungen, 36 Gramm, um genau zu sein. Die Kindheitserinnerung besteht zu 23 Prozent aus Erdnüssen, zu 48 Prozent aus Milchschokolade, der Rest verteilt sich unter anderem auf Zuckerüberzug, Farbstoffe und Geliermittel. Die Nostalgie ist signalgelb verpackt und trägt den Namen Treets.

"Als ich auf meiner Homepage angekündigt habe, dass Treets wieder kommt, schlug das ein wie eine Bombe", sagt Simone Bruns vom Süßigkeitenversand Candyandmore.de. Fast allen, die älter als 30 sind, ist bekannt: Treets waren die Vorgänger der Schokolinsen M&Ms. Sie wurden 1987 vom Markt genommen, weil der Hersteller Mars Holding GmbH den Produktnamen weltweit vereinheitlichen wollte. In den USA gab es M&Ms schon seit dem Zweiten Weltkrieg. Die GIs sollten Schokolade bekommen, die erst im Mund schmilzt und nicht schon in der Tasche, also überzog man sie - klein portioniert - mit Zuckerguss.

Diese Historie dürfte den Treets-Fans egal sein. Zu ihrem Leidwesen folgte die Mars Holding bei Treets nicht der Linie "Raider heißt jetzt Twix, aber sonst ändert sich nix!", die der Hersteller bei der Umbenennung eines Schokoriegels gefahren hatte. Mit dem Namen von Treets (der natürlich mit einem langen "e" gesprochen wird und nicht etwa irgendwie anglisiert) änderte sich auch das Rezept: "Die Umhüllung war auf einmal viel härter und nicht so knispelig", entrüstet sich ein Treets-Fan in einem Verbraucherschutz-Forum.

Jetzt sind die "Schokoklicker" - so der Beiname - wieder da, in der gewohnt "knispeligen" Umhüllung. Das Prinzip, eigentlich schon totgesagte Marken wieder aufleben zu lassen, ist jedoch genauso wenig neu wie das recycelte Produkt: Seit einigen Jahren findet sich der "Braune Bär" wieder in den Eistruhen der deutschen Kioske, im Kühlschrank stehen Bluna und Afri-Cola.

Retro-Welle verebbt

Die ganz große Retro-Welle scheint in Deutschland aber inzwischen verebbt zu sein: Die noch vor ein paar Jahren von vielen getragenen T-Shirts mit Pril-Blumen, Ahoi-Brause-Logo oder dem Zwieback-Kind mit Milchzahn-Lächeln sind seltener geworden, und auch Guildo Horn und sein 70er-Schlagerrevival haben wieder den ihnen gebührenden Platz in der Mottenkiste eingenommen.

Doch das unter anderem in "Generation Golf" von Florian Illies beschworene Bonanza-Rad-Gefühl lässt sich noch immer kommerziell nutzen: Das Geschäft mit Treets läuft gut. "Manche Kunden haben gleich ganze Kisten vorbestellt, das Haltbarkeitsdatum scheint denen egal zu sein", sagt Simone Bruns. Denn, und das ist der zweite Teil der Ankündigung des Treets-Revivals.

Die "Schokoklicker" wird es nur für eine begrenzte Zeit geben, der Hersteller Mars Holding will damit den 30. Geburtstag seiner Niederlassung in Deutschland feiern. 1979 eröffnete Mars eine Fabrik in Viersen, heute laufen hier täglich zehn Millionen Schokoriegel vom Band. Neue Auflagen von Raider oder den ebenfalls vom Markt verschwundenen Bonitos werden hier aber nicht produziert, die Neuauflage von Treets bleibt eine einmalige Aktion.

Simone Bruns von candyandmore.de hat noch Vorräte für die nächsten zwei, drei Wochen. Zur Zeit sind Treets eines der am besten verkauften Produkte, Bruns hofft, dass aus dem Kurzzeit-Revival ein langfristiges wird. Zumindest aber setzt sie auf eine Nachlieferung, sonst wird sie - so ist das Gesetz von Angebot und Nachfrage - den Preis erhöhen müssen. Echte Treets-Fans wird das nicht abschrecken: Für Kindheitserinnerungen sind das doch Peanuts.

Welche Produkte vermissen Sie aus den 70ern. Welche sind schon damals in den Regalen verstaubt? Schreiben Sie uns gleich hier in den Kommentaren.

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