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UN-Bericht

Nordkorea: Fast die Hälfte der Bevölkerung ist unterernährt - ein Drittel übergewichtig

  • vonSebastian Richter
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Laut einem Bericht der Vereinten Nationen steht es schlimm um die Bevölkerung in Nordkorea. Die Regierung um Kim Jong Un bleibt untätig.

  • Ein großer Teil der Bevölkerung in Nordkorea leidet unter Mangelernährung.
  • Ein Bericht der Vereinten Nationen zeigt, dass vor allem Kinder von der Hungersnot in Nordkorea betroffen sind.
  • Die Regierung von Dikator Kim Jong Un handelt nicht dagegen.

Nordkorea – Dass die Menschen im nördlichen Teil der Halbinsel Koreas unter Armut leiden, ist kein Geheimnis. Ein UN-Bericht legt jetzt dar, wie schlecht es der nordkoreanischen Bevölkerung im Staat von Machthaber Kim Jong Un tatsächlich geht. Die Angaben aus Nordkorea sind aber mit Vorsicht zu genießen.

Fast die Hälfte der Nordkoreaner ist unterernährt

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hatten 45 % der Nordkoreaner:innen zwischen 2017 und 2019 nicht genug zu essen, um ein normales und gesundes Energieniveau aufrechtzuerhalten. Damit ist das Land unter Kim Jong Un trauriger Spitzenreiter der Liste, die von den Vereinten Nationen veröffentlicht wurde. Die zweitmeisten unterernährten Personen gibt es in Timor-Leste in der Nähe von Indonesien, dort liegt die Unterernährungsrate bei 31 %. Die meisten anderen Länder in Ostasien haben eine Quote von etwa 2,5 %.

Kim Jong Un ist die Ernährung seines Volke gleichgültig.

„Dies ist ein aufschlussreicher Indikator für die völlige Gleichgültigkeit der nordkoreanischen Regierung gegenüber dem Wohlergehen ihres Volkes“, sagte Phil Robertson, stellvertretender Asien-Direktor von Human Rights Watch mit Blick auf Kim Jong Un der Nachrichtenseite NK-News. „Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass die nordkoreanische Regierung relevante UN-Verträge ratifiziert hat, die mit dem Recht auf angemessene Gesundheit verbunden sind, insbesondere für Kinder.“ Während die Lebensmittel knapp werden, investiert Kim Jong Un lieber in nukleare Abschreckung.

Daten aus Nordkorea sind schwer zu erheben

Nur etwa ein Viertel der Kinder Nordkoreas haben eine akzeptable Ernährung. Gleichzeitig sollen 32,4 % der erwachsenen Nordkoreaner:innen übergewichtig sein. Robertson steht diesen Daten allerdings skeptisch gegenüber. Wenn die Regierung in Nordkorea Informationen herausgebe, dann neige sie dazu, „alles in Richtung einer Linie zu verdrehen, dass alles in Ordnung ist und es keine Probleme gibt“, sagte er. „Sie müssen das Restaurant befragt haben, in das Kim Jong-un geht“. Für ihn klingen die Daten entweder nach „einem entsetzlichen Fehler oder nach einer verzerrten Stichprobe.“

Nordkorea: NameDemokratische Volksrepublik Korea
HauptstadtPjöngjang
Bevölkerung25,55 Millionen
StaatsformDynastische Diktatur
StaatsoberhauptKim Il Sung (symbolisch), Kim Jong Un (faktisch)
Staatsgründung9. September 1948

Solide Daten aus Nordkorea zu sammeln, ist generell schwer. Stichproben und der Zugang zum verschlossenen Land sind schwierig zu bekommen, die Corona-Pandemie erschwerte die Arbeit von humanitären Organisationen noch weiter. Seit Januar 2020 ist Nordkorea abgeriegelt. Hilfe von Außen ist auf die Hauptstadt Pjönyang beschränkt.

Wegen Corona-Abriegelung: UN streicht Nordkorea von Hilfsliste

Das UN-Büro für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten beschloss deshalb, Nordkorea von der Liste der Länder zu streichen, für die es einen speziellen Plan für humanitäre Hilfe im Jahr 2021 gibt. „Die Reichweite der humanitären Hilfe war wegen der Schließung der Grenzen völlig minimal. Das hat sich auf die Ernährungssicherheit ausgewirkt“, sagte Imesh Pokharel, der Interimschef des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte in Seoul. „Wir haben Informationen, dass die Menschen Mahlzeiten weglassen. Anstatt zwei Mal zu essen, essen sie weniger, essen kleinere Portionen. [Aber] wir wissen nicht, wie hoch die Prävalenz ist.“

Unterernährte Kinder in einem nordkoreanischen Waisenhaus. (Archivbild)

Der UN-Sonderberichterstatter Ojea Quintana machte für den Lebensmittelmangel die Klimaverhältnisse, unfruchtbares Land, Naturkatastrophen und die Sanktionen gegen Pjöngjang und Kim Jong-un verantwortlich. Nicht zuletzt sei die Wirtschafts - und Agrarpolitik des Regimes an der Unterernährung der Bevölkerung schuld.  Es „verletzt damit seine Verpflichtung für die Menschenrechte“, sagte Quintana 2019 vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York. Die Planwirtschaft und das Verbot von privatwirtschaftlicher Landwirtschaft verschlimmere die Ernährungskrise. Trotzdem versuchen viele Nordkoreaner ihre Produkte auf dem freien Markt zu verkaufen, um zu überleben – auch wenn dadurch eine Kriminalisierung einhergehe. (Sebastian Richter)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/KCNA

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