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Flammen eines Molotowcocktails an einem Polizeiauto bei einem Einsatz am 8. April im Westen von Belfast.
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Flammen eines Molotowcocktails an einem Polizeiauto bei einem Einsatz am 8. April im Westen von Belfast.

Nordirland

Gewalt und Randale in Belfast geht weiter: Erneute Auseinandersetzungen mit Polizei

  • Sophie Vorgrimler
    VonSophie Vorgrimler
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Die gewaltsamen Proteste in Belfast in den letzten Wochen haben viele Ursachen - und wecken Erinnerungen an den Nordirland-Konflikt. Jetzt ist es zu erneuten Gewaltausbrüchen gekommen.

Update vom 09.04.2021, 17:00: In der Nacht zum Freitag ist es in Belfast erneut zu gewaltsamen Attacken gekommen. Dabei haben mehrere hundert überwiegend junge Menschen im Westen der nordirischen Hauptstadt Polizistinnen und Polizisten angegriffen. Viele waren vermummt und bewarfen die Einsatzkräfte mit Steinen, Feuerwerkskörpern und Molotowcocktails. Zum ersten Mal seit Jahren setzte die Polizei daraufhin Wasserwerfer ein.

Seit der vergangenen Woche kommt es in Nordirland - vor allem in der Hauptstadt Belfast - zu den schlimmsten Unruhen seit Jahren. „Dieses Ausmaß an Unruhen haben wir in Belfast und anderswo seit mehreren Jahren nicht mehr gesehen“, sagte der Polizeisprecher Jonathan Roberts am Donnerstag. „Ermutigt“ durch Erwachsene seien auch Jugendliche im Alter von 13 oder 14 Jahren in die Angriffe verwickelt. Bisher sind mindestens 55 Polizist:innen verletzt worden und ein Linienbus in Brand gesteckt worden.

Hintergrund sind unter anderem die Folgen des Brexit für Nordirland. Deshalb gingen die Krawalle bisher von pro-britischen Unionisten aus. Bei den jüngsten Angriffen gegenüber der Polizei waren jedoch auch pro-irischen Nationalist:innen beteiligt. Der britisch Premierminister Boris Johnson und sein irischer Kollege Micheal Martin hatten am Vortag bereits zu „Ruhe“ und „Dialog statt Gewalt“ aufgerufen.

Nordirland - Boris Johnson besorgt über Gewalt: Randalierer setzen Bus in Belfast in Brand

Erstmeldung: Belfast - Seit Tagen kommt es in Nordirland zu Krawallen , am Mittwochabend ist in Belfast ein Linienbus in Brand gesetzt worden. Die Polizei rief die Bevölkerung zur Vorsicht auf, Boris Johnson zeigt sich bestürzt. Auch der Sonderstatus von Nordirland beim Brexit könnten bei den gewaltsamen Ausschreitungen eine Rolle spielen.

In Belfast kommt es seit Tagen zu nächtlichen Randalen.

Auf einem Internetvideo ist zu sehen, wie Randalierende auf einer Kreuzung in Belfast einen Doppeldeckerbus mit Brandsätzen bewerfen, später soll dieser komplett ausgebrannt sein. Bei den Krawallen wurde Berichten zufolge auch ein Pressefotograf attackiert. Die Polizei hatte die Bewohner:innen aufgerufen, mehrere Areale im Stadtgebiet zu meiden, in denen das Konfliktpotential durch Menschenansammlungen besonders groß schien. Schon seit einigen Tagen kommt es immer wieder zu Ausschreitungen - die Hintergründe und Ursachen sind vielschichtig.

Krawalle in Nordirland: Politiker wegen Gewalt und Ausschreitungen in Belfast beunruhigt

Mehrere Politiker äußerten sich nach den Gewaltausbrüchen in Nordirland entsetzt, verärgert oder beunruhigt - so auch der britische Premierminister Boris Johnson, der mitteilte „zutiefst besorgt“ zu sein. „Der Weg, Differenzen zu lösen ist durch Dialog, nicht durch Gewalt oder Kriminalität“, schrieb er am Mittwochabend beim Onlinedienst Twitter.

Premierminister von Großbritannien Boris Johnson und die Regierungsschefin von Nordirland Arlene Foster.

Die Regierungschefin von Nordirland, Arlene Foster, verurteilte die Gewalt bei den nächtlichen Krawallen scharf und zeigte sich entrüstet. „Das ist kein Protest. Das ist Vandalismus und versuchter Mord.“ Mittlerweile wurden laut Angaben mehr als 40 Polizistinnen und Polizisten in Nordirland verletzt.

Belfast: Sicherheitsbehörden gehen in Nordirland von Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken aus

Nach Ansicht der Sicherheitsbehörden stecken hinter den Krawallen teils militante protestantisch-loyalistische Gruppierungen, die auch im Drogenhandel tätig sind. Der Vorfall mit dem brennenden Bus ereignete sich an einer Kreuzung zwischen einem protestantischen und einem katholischen Wohnviertel.

Anhänger des Verbleibs von Nordirland im Vereinigten Königreich entwendeten einen Linienbus und zündeten ihn an.

Der bislang vorgebliche Anlass ist eine Entscheidung der Staatsanwaltschaft: hochrangige Politikerinnen und Politiker der katholisch-republikanischen Sinn-Fein-Partei hatten an einer großen Beerdigung eines ehemaligen IRA-Terroristen teilgenommen - und wurden nicht wegen Corona-Verstößen belangt.

Sonderstatus für Nordirland: Unzufriedenheit über Sonderregelung nach Brexit

Hinzu kommt die wachsende Unzufriedenheit in Nordirland über den EU-Austritt von Großbritannien, der am 1. Januar nach langen Verhandlungen vollständig vollzogen wurde. Dabei wurden für Nordirland Sonderregelungen beschlossen, die besonders in Teilen des protestantischen Lagers auf Widerstand stoßen.

Der britische Landesteil ist Teil des EU-Handelsraums geblieben - so konnten Warenkontrollen an den Grenzen zur Republik Irland, die weiterhin Teil der EU ist, vermieden werden. Wenn aber Waren aus den anderen Teilen des Vereinigten Königreichs kommen, muss an den Häfen kontrolliert werden.

Nordirland-Konflikt und Karfreitagsabkommen: Proteste in Belfast erinnern an irische Geschichte

Diese Regelung hat seinen Ursprung im Nordirland-Konflikt, der erst 1998 mit dem Karfreitagsabkommen beendet wurde. Bis dahin gab es jahrzehntelang einen teils gewaltsamen Konflikt zwischen Mehrheit aus pro-britischen Protestanten und einer Minderheit von Katholiken, die eine Unabhängigkeit von London herbeiführen wollten.

Bei diesem Konflikt starben 3.600 Menschen, 50.000 wurden verletzt. Auch heute ist die Gesellschaft in Irland noch immer tief gespalten. Die Regelung beim Brexit sollte verhindern, dass es erneut eine Grenze zwischen Nordirland und Irland gibt. (Sophie Vorgrimler mit dpa)

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