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Noch nicht ganz im Himmel

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Charmant wie eh und je: Robert Plant.
Charmant wie eh und je: Robert Plant. © ap

Die Stimme von Led Zeppelin ist 60 geworden. Und immer noch muss Robert Plant mit seinen alten Songs leben - obwohl er sie mittlerweile peinlich findet.

Von Uwe Käding, ap

Richtig gerne unterwegs ist Robert Plant zurzeit mit Alison Krauss. Die von Millionen Fans in aller Welt ersehnte Reunion-Tournee mit Led Zeppelin hat er wegen der Konzertreise mit der 37-jährigen Bluegrass-Musikerin erst mal von sich geschoben, tritt lieber mit ihr in der Mountain Winery im kalifornischen Saratoga als in den größten Arenen der Welt mit seinen alten Weggenossen Jimmy Page und John Paul Jones auf. Nun ist der Rocksänger 60 Jahre geworden (20. August 2008).

Vor 40 Jahren formierte der vier Jahre ältere Page aus den Resten der Yardbirds die Band, die schließlich bis zum Tod ihres Schlagzeugers John Bonham aus einer Melange von Blues, Folk und orientalischen Klängen einen Hardrocksound schuf, der auch lange nach der Auflösung des Quartetts Ende 1980 gleich mehrere Generationen von Rockmusikern inspirierte. Der blond gelockte Plant war mit seinem Aussehen ein Mädchenschwarm und mit seiner durchdringenden Stimme und wilden Liveshow neben Page Epizentrum der Band - eine Rivalität, die schon früh für Spannungen sorgte.

"Ein völlig naiver Junge"

Page war der musikalische Kopf, erfand unglaublich wirkungsvolle Riffs, Plant schrieb die Texte. Texte, die ihm heute inzwischen peinlich sind: "Ich war damals ein völlig naiver Junge, 21 Jahre alt, als ich diese Lieder schrieb", sagte Plant am Aschermittwoch 2005 auf einer Pressekonferenz in Köln. "Ich wollte, dass alle Hippies sind. Wenn ich die Lyrics heute anschaue, denke ich 'Shit!' Aber das ist ja nun 35 Jahre her." Und dann habe er damals noch so ein Frontmann-Gehabe entwickelt, weil er meinte, irgendwas machen zu müssen, während Page sich in zehnminütigen Soli verlustierte.

"Ich führte mich ziemlich dumm auf und wusste das damals gar nicht." Jimmy Page erklärte nach der Veröffentlichung des "besten 'Best of...'-Albums 'Mothership'", er habe Songs für Led Zeppelin in der Schublade und sei bereit, nach dem umjubelten Londoner Konzert Ende vergangenen Jahres noch einmal auf Welttournee mit Plant, Jones und Bonham-Sohn Jason zu gehen. In London habe man doch bewiesen, das man noch auf höchstem Level spielen könne. Aber Plant sei ja noch anderweitig unterwegs, fügte er säuerlich hinzu.

Der Sänger hat sich in den vergangenen Jahren in der Tat von Led Zeppelin freigeschwommen. Mit seiner Band Strange Sensation spielte er mit "Mighty Rearranger" vor drei Jahren ein überragendes Album ein, mit Krauss ließ mit "Raising Sand" im vergangenen Jahr ein souveränes Duett-Album folgen, das in den USA zudem auch noch kommerziell sehr erfolgreich war. Und nach allem, was man hört, scheint die Tournee mit Krauss auch im menschlichen Bereich sehr harmonisch zu verlaufen.

Neun Leben mit der Solokarriere

Dafür gibt es bei Led Zeppelin wohl keine Garantie. Page und Plant waren in den 90er Jahren als Duo unterwegs und stießen Jones mit ihrem Projekt vor den Kopf: Auf die Frage, wo der Bassist denn sei, sagte Plant 1994 auf einer Pressekonferenz: "Der parkt draußen das Auto ein." Jones sorgte ein Jahr später bei der Aufnahme der Band in die Rock'n'Roll Hall of Fame für betretene Gesichter bei Page und Plant, als er sagte. "Danke, meine Freunde, dass ihr euch schließlich noch an meine Telefonnummer erinnert habt." "Nine Lives" - "Neun Leben" hat Plant die vor zwei Jahren erschienene Retrospektive seiner Solokarriere genannt.

Mit dem Rockstar-Dasein im Glamourstil eines Mick Jagger hatte er da abgeschlossen und das den "Lederhosen-Moment" genannt. "Wann ist die Zeit gekommen, sie zu vergessen?" fragte er an jenem Aschermittwoch nach dem Punkt, an dem dieses Kleidungsstück für den Träger peinlich wird. "Ich dachte, das geht ewig so weiter. Aber ich habe die Fotos gesehen..." Nichtsdestotrotz hält Plant den Fans ein winziges Türchen offen, "Whole Lotta Love", "Black Dog", "Stairway To Heaven" und all die unvergessenen Led-Zep-Klassiker noch einmal live zu hören. "Keep an eye out for Led Zeppelin Tour Tickets 2008" begrüßt er die Besucher seiner offiziellen Webseite ("Augen auf für Led Zeppelin-Tickets 2008").

Drei Viertel des Jahres war ihm die Tour mit Krauss wichtiger - die endet am 5. Oktober in Saratoga. Für das bislang einzige Reunion-Konzert in London wollten 20 Millionen Fans Tickets kaufen. Ein Anfang des Jahres für möglich gehaltener Auftritt beim Bonnaroo-Festival im US-Staat Tennessee kam schon mal nicht zustande. Die Fans dort mussten sich mit Metallica und Pearl Jam begnügen.

www.robertplanthomepage.com

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