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Noahs Abkürzung ins Himmelreich

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Von: Johannes Dieterich

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Ein Prediger in Nigeria zeigt seinen Schäfchen den Seiteneingang ins Paradies – für 700 Dollar

Afrikas Prediger, Propheten und Kirchengründer gehören zu den mächtigsten der Welt. Sie können Tote zum Leben erwecken, Rollstuhlfahrer wieder auf die Beine bringen, Aids-Kranke heilen und sich selbst zu sagenhaftem Reichtum verhelfen. Ihre Jüngerschaft misst sich in Millionen: Der Malawier „Shepherd“ Bushiri, Gründer der „Aufgeklärten Christlichen Versammlung“ (ECG), weidet mehr als 3,8 Millionen Schäfchen, während die Weissagungen und Wundertaten des nigerianischen Propheten TB Joshua, Gründer der „Synagoge, Kirche aller Nationen“ (SCOAN), vor seinem mysteriösen Tod im vergangenen Jahr von mehr als 3,5 Millionen Gläubigen verfolgt wurden.

Im Vergleich mit derartigen Mega-Hirten ist Noah Abraham ein kleiner Fisch. Der Nigerianer hatte seine Kirche, die „Christ High Commission Ministry“, erst Mitte vergangenen Jahres in der Provinzhauptstadt Kaduna gegründet und zog wenig später mit 40 Auserwählten in seine einstige Heimat, den nigerianischen Bundesstaat Ekiti, um. Denn dort, versicherte er seinen Jüngerinnen und Jünger, befände sich „das Tor zum Himmel“, nicht unbedingt die Hauptpforte, aber ein Seiteneingang. Ob seine Schäfchen freiwillig mitkamen oder „entführt“ wurden, wie einige inzwischen behaupten, lässt sich nicht endgültig klären.

Fest steht jedoch, dass Pastor Abraham seinen Gläubigen anbot, ihnen den Weg zum Seiteneingang des Himmels in der Nähe des Städtchens Araromi-Ugbeshi zu weisen – gegen die lächerliche Summe von 310 000 Naira, was gerade mal 700 US-Dollar entspricht. Ob er das Tor dann doch nicht gefunden hat oder der Weg hinauf zu steil war: Jedenfalls ging einer der Jünger Noah Abrahams kürzlich zur Polizei und zeigte den Propheten wegen Betrugs an.

Von der Polizei ins Verhör genommen, bestritt Abraham nicht, seinen Gläubigen den Zugang zum Himmel versprochen zu haben: „Ich tat das, weil mir mein Schöpfer die Genehmigung dazu gab.“ Er habe die Wegbeschreibung zum ewigen Glück weitergegeben, nachdem er festgestellt habe, „dass die Not meiner Gemeinde immer größer wurde“. Geld habe er bislang allerdings keines bekommen, versicherte der Prediger.

Trotzdem distanzierte sich die „Christliche Vereinigung Nigerias“ (CAN), der Dachverband unabhängiger Kirchen, von dem Himmelswegweiser: „Selbst wenn Pastor Abrahams Ticket zum Himmel wesentlich günstiger ist, als Gangster in Kaduna als Lösegeld für die von ihnen Entführten verlangen“, feixte John Joseph Hayab, Chef des dortigen Dachverbands.

Der Vergleich zwischen Gangstern und Kirchengründern drängt sich nicht nur Pfarrer Hayab auf. In Nigeria wissen die Chefs der „Mega-Kirchen“ Jahr für Jahr Hunderte von Millionen an US-Dollar aus der zunehmenden Verzweiflung einer immer ärmer werdenden Bevölkerung zu pressen: Sie fliegen mit ihren Privatjets von einem „Gottesdienst“ zum anderen und versprechen den Gläubigen etwa der „Winners Chapel“ neben dem himmlischen auch irdischen Segen.

Wer sich den Umtrieben der Scharlatane in den Weg zu stellen sucht, begibt sich in große Gefahr. Oder setzt – so wie Thoko Mkhwanazi-Xaluva, die einstige Chefin der südafrikanischen Kommission für kulturelle, religiöse und sprachliche Rechte (CRL) – das eigene Leben aufs Spiel. Als die Sozialpsychologin das Treiben der Prediger, Propheten und Kirchengründer am Kap der Guten Hoffnung mit einem Gesetzentwurf unter Kontrolle zu bringen suchte, wurde sie mit Todesdrohungen überschwemmt. Als Kommissionschefin ist Mkhwanazi-Xaluva inzwischen abgelöst – das von ihr angeregte Regelwerk gibt es noch immer nicht.

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