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Niederlande: Gasförderung lässt Erdbebengefahr steigen

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Von: Tim Vincent Dicke

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Gasförderung in Amsweer im Norden der Niederlande.
Die Niederländer müssen vermutlich die Gasproduktion in Groningen trotz der Gefahr von Erdbeben fast verdoppeln. © Peter Dejong/dpa

Deutschland fragt mehr Gas nach – diese Nachricht sorgt in den Niederlanden für Alarmstimmung. Dort gibt es wegen der Förderung in Groningen bereits Erdbeben.

Den Haag – Eigentlich ist es für die Niederlande ein gutes Geschäft: Die Bundesrepublik verlangt mehr Gas aus dem Benelux-Staat. Aufgrund laufender vertraglicher Verpflichtungen muss das Land nun die Fördermenge aus dem Groningen-Feld erhöhen – allerdings gibt es ein großes Problem. Durch das Hochfahren der Kapazitäten steigt auch die Gefahr von Erdbeben im Norden des Landes.

Es war eine Nachricht, die in den Niederlanden Unruhe auslöste: Der damalige Wirtschaftsminister Stef Blok hatte Mitte Januar 2022 dem Parlament in einem Brief mitgeteilt, dass aus Groningen in diesem Jahr bis zu 7,6 Milliarden Kubikmeter Gas gepumpt werden müssten und nicht wie geplant 3,9. Ein Grund sei, dass sich der Bau einer Stickstofffabrik verzögert habe. Dort soll ausländisches Gas für den heimischen Verbrauch aufbereitet werden.

Niederlande muss Gasproduktion in Groningen trotz Erdbebengefahr fast verdoppeln

Außerdem ist die Nachfrage aus Deutschland nach dem niedrigkalorischen Groninger Gas höher – in diesem Geschäftsjahr liegt der Bedarf bei rund 1,1 Milliarden Kubikmeter. Die Niederländer müssen die Gasproduktion in Groningen trotz der Gefahr von Erdbeben vermutlich also fast verdoppeln. Bei der niederländischen Regierung wachsen die Sorgenfalten, denn sie hat sich verpflichtet, die Produktion des ehemals größten Gasfelds im Jahr 2022 einzustellen.

„Dies kommt, weil energiesparende Maßnahmen einen weniger hohen Effekt hatten als erwartet“, schrieb Blok dem Parlament. Er habe seinem deutschen Amtskollegen Robert Habeck, der mit den hohen Gaspreisen zu kämpfen hat, im Dezember 2021 geschrieben, dass er sich über die Entwicklung „ernsthafte Sorgen mache“. Er habe ihn auch gebeten zu überprüfen, ob „die Auswirkungen des höheren Gasverbrauches auf ein Minimum zu beschränken“ seien.

Aus dem grünen Bundeswirtschaftsministerium wollte man sich nicht dazu äußern. „Etwaige Anfragen seitens des niederländischen Ministers an das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz kann ich weder bestätigen noch dementieren“, antwortete eine Sprecherin von Robert Habeck auf eine Anfrage des Nachrichtenmagazins Spiegel. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei „weiter gewährleistet“.

Niederlande kann Gaslieferungen an Deutschland nicht einfach einstellen

Verzwickt ist die Situation für die Regierung in Den Haag, denn sie kann die Förderungen nicht einfach einstellen. „Dem Ministerium sind wirklich die Hände gebunden. Es liegt nicht in unserer Hand“, sagte ein Sprecher des niederländischen Wirtschaftsministeriums gegenüber Politico. „Wir können nicht einfach sprichwörtlich die Rohre kappen.“

Auch der Gashändler Gasterra, der das Gas aus Groningen vermarktet, hat keinen Spielraum. Die Regierung kann nicht ohne Weiteres intervenieren, denn das Unternehmen gehört nur zur Hälfte dem Staat. Jeweils 25 Prozent sind im Eigentum des amerikanischen Ölriesen ExxonMobil und des britisch-niederländischen Konzerns Shell, der bis 2030 seine seinen CO2-Ausstoß deutlich senken muss.

Ein Sprecher von Gasterra teilte Politico mit: „Die niederländische Regierung hat keine vertraglichen Verpflichtungen mit Deutschland, aber wir haben welche mit verschiedenen Kunden. Wir sind verpflichtet, diese Verpflichtungen zu erfüllen.“ In Deutschland steigen derweil die Gaspreise weiter. Und wenn Gas-Billiganbieter nicht mehr liefern können, fallen Tausende Haushalte in die teurere Grundversorgung zurück. (tvd/dpa)

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