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„Nie zu spät für die Wahrheit“

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Maxwell mit Epstein. dpa
Maxwell mit Epstein. dpa © dpa

Opfer reagieren zufrieden auf das Hafturteil gegen die Epstein-Vertraute Ghislaine Maxwell

Das Strafmaß wurde mit Spannung erwartet: 20 Jahre Haft muss Ghislaine Maxwell, die Komplizin des verstorbenen US-Sexualstraftäters Jeffrey Epstein, ins Gefängnis. Das New Yorker Gericht blieb am Dienstag hinter den Forderungen der Anklage von bis zu 55 Jahren Haft für die 60-Jährige zurück. Die Verteidigung verlangte zuletzt höchstens fünf Jahre Haft. Staatsanwaltschaft und Opfer reagierten zufrieden, dass Maxwells Beteiligung am Missbrauch junger Mädchen und Frauen durch Epstein und andere Männer anerkannt wurde. Ihre Anwältin kündigte Berufung an.

Maxwell nahm das Urteil äußerlich ungerührt auf. Richterin Alison Nathan nannte Maxwells Taten „abscheulich“ und wies den Vorwurf zurück, Maxwell müsse nach Epsteins als Suizid eingestuftem Tod in der U-Haft 2019 als Sündenbock herhalten. Die Britin sei „zentral in diesem verbrecherischen System“ gewesen.

Eine Jury hatte Maxwell bereits im Dezember wegen Sexhandels mit Minderjährigen und anderer Vergehen schuldig gesprochen. Nach Auffassung des Gerichts hat Maxwell als Epsteins Vertraute über Jahre junge Mädchen für den sexuellen Missbrauch durch den Finanzinvestor Epstein rekrutiert. Manche Mädchen wurden auch an andere Männer weitergereicht. Während des Prozesses hatten mehrere Opfer berichtet, wie sie im Alter zwischen 14 und 17 Jahren in das perfide System Maxwell/Epstein hineingezogen wurden.

Das Opfer Sarah Ransome forderte vor der Strafmaßverkündung vor Journalisten Gefängnis bis ans Lebensende für Maxwell. „Ich habe 17 Jahre in meinem eigenen Gefängnis verbracht wegen all der Dinge, die Maxwell, Epstein und ihre Komplizen mir angetan haben“, sagte sie.

Das als Zeugin befragte Missbrauchsopfer Annie Farmer begrüßte das Urteil als Beleg, dass es „nie zu spät für die Wahrheit“ sei. „Mit dem heutigen Urteil wird Ghislaine Maxwell für ihre abscheulichen Verbrechen an Kindern zur Rechenschaft gezogen“, sagte Bezirksstaatsanwalt Damian Williams.

Ghislaine Maxwell hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen. Am Dienstag äußerte die Tochter des verstorbenen britischen Medienmoguls Robert Maxwell erstmals „Mitgefühl“ mit den Opfern, hob aber Epsteins Verantwortung hervor. Dieser habe „alle in seinem Dunstkreis getäuscht“. Da Maxwell seit Juli 2020 in Haft sitzt, könnte sie mit Ende 70 freikommen. bei guter Führung sogar früher. afp

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