Dichter Rauch quillt aus den Kirchenfenstern – der Brand wurde jedoch schnell gelöscht. Stephane Mahe/rtr
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Dichter Rauch quillt aus den Kirchenfenstern – der Brand wurde jedoch schnell gelöscht. 

Frankreich

„Nicht schon wieder eine Kathedrale“

  • Stefan Brändle
    vonStefan Brändle
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Die Aufregung in Frankreich ist groß: Nur fünf Monate nach dem verheerenden Brand von Notre-Dame steht ein Gotteshaus in Nantes in Flammen. Die Polizei hat einen möglichen Brandstifter festgenommen.

Ein einziger, lauter Aufschrei ging am Samstagmorgen durch ganz Frankreich: „Nicht schon wieder eine Kathedrale!“ Fünfzehn Monate nach der verheerenden Feuersbrunst in der Pariser Notre-Dame hat in Nantes ein weiteres Gotteshaus Feuer gefangen.

Diesmal war der Brand in der Kathedrale des Ortes an der Atlantikküste allerdings relativ rasch unter Kontrolle. Die Feuerwehrkräfte konnten in das Kirchenschiff eindringen, anders als bei der Notre-Dame bestand keine akute Gefahr eines Dacheinsturzes.

Trotzdem drang bis am Abend dichter Rauch aus dem mächtigen Bau und namentlich durch die Fassadenrosette. Der andere Unterschied zu Paris: In Nantes war der Brand wohl beabsichtigt ausgelöst worden. Noch am Samstagabend gab es eine Festnahme.

Nach den Angaben des zuständigen Staatsanwaltes handelt es sich bei dem mutmaßlichen Brandstifter um einen 39-jährigen Benefiz-Angestellten der Diözese, der die Basilika am Freitagabend abzuschließen hatte. Der Brandalarm erfolgte am Samstagmorgen um 7.44 Uhr. Die Kathedrale öffnet ihre Pforten aber erst um acht Uhr. Das veranlasste die Polizeiermittlerinnen und -ermittler, im Umfeld der Kathedrale nach Verdächtigen zu suchen.

Staatsanwalt Piere Sennès hatte von Beginn an erklärt, es dürfte sich bei den Flammen in Nantes um Brandstiftung handeln. Das Feuer war an drei – überdies neuralgischen – Stellen des Gotteshauses ausgebrochen: rechts und links des Altars sowie bei der Hauptorgel in dreißig Meter Höhe. Das zeugte laut Sennes von der eindeutigen „Unterschrift“ eines Angestellten.

Außerdem wurden in der Kathedrale keine Einbruchspuren gefunden, was die Annahme weiter stützt. Diese Erkenntnis half den Ermittlerinnen und Ermittlern schließlich weiter: Noch am gleichen Abend nahmen sie den Kathedralen-Angestellten in Untersuchungshaft. Dessen Anwalt verlangte am Sonntag die Einhaltung der Unschuldsvermutung. Auch die Staatsanwaltschaft warnte vor „vorschnellen“ Schlüssen.

Sollte sich ein Verdacht der Brandstiftung durch den Angestellten jedoch bestätigen, stellt sich die Frage nach den Motiven. Der Tathergang lässt darauf schließen, dass der mögliche Brandstifter – wer immer es auch war – entweder unüberlegt handelte oder seine Urheberschaft am Brand nicht wirklich zu kaschieren versuchte.

Verschiedene französische Medien verweisen indes darauf, dass der Brand der Pariser Notre-Dame viele gläubige Französinnen und Franzosen verstört hatte. Eine Art „Nachahmertat“ – auch wenn in Paris ein Arbeitsunfall als Brandursache angenommen wird – wird auch deshalb für möglich gehalten, weil die Corona-Krise die gesellschaftlichen und zum Teil persönlichen Spannungen im Land verschärft hat; Fälle mit psychologischen Motiven nehmen derzeit überall in Frankreich zu.

Der imposanten Kathedrale von Nantes haftete jedenfalls seit einem Großbrand 1972 eine gewisse Märtyrer-Aura an. Damals hatte sie wie ihre große Pariser Schwester erheblichen Schaden genommen. Der Wiederaufbau dauerte dreizehn Jahre – dreimal länger als die geplante Renovationsdauer der Notre-Dame, die auf Drängen von Präsident Emmanuel Macron schon 2024 wieder öffentlich zugänglich sein soll.

Die neusten Schäden an der mehr als 300 Jahre alten, den Aposteln Peter und Paul gewidmeten Kathedrale von Nantes halten sich vergleichsweise in Grenzen. Die Baustruktur selbst ist nur wenig betroffen. Die Hauptorgel wurde hingegen vollständig zerstör. Auch Glasfenster und wertvolle Gemälde erlitten unreparierbare Schäden. Die Basilika könnte laut Bauexpertinnen und -experten in zwei Jahren wieder ihre Tore öffnen.

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