Set of christmas snowflakes icons 
+
Das 16. Türchen.

FR-Adventskalender

Gar nicht normal und genau richtig

  • Elena Müller
    vonElena Müller
    schließen

Was passiert, wenn es die Welt, die sich doch so schön einfach aus männlich und weiblich zusammensetzt, plötzlich nicht mehr gibt?

Wenn ein Mädchen sogar einen Penis haben kann, was ist ein dann überhaupt ein Mädchen? Was passiert, wenn es die Welt, die sich doch so schön einfach aus männlich und weiblich zusammensetzt, plötzlich nicht mehr gibt? Diesen Moment erlebte Marlo Mack, eine Mutter aus dem US-amerikanischen Bundesstaat Washington, als ihr Sohn ihr eröffnet, er sei ein Mädchen.

Natürlich, irgendwie habe es sich angekündigt, sagt Mack in der ersten Folge des wunderbaren englischsprachigen Podcasts „How To Be A Girl“. Ihr Sohn habe irgendwann nur noch Rosa und Pink tragen wollen. „Ich wusste, dass dieses Gespräch irgendwann kommen würde. Aber es hat mich dennoch umgehauen. Mein Kind sagte mir, dass es eigentlich ein Mädchen sei, kein Junge. Er sah mir in die Augen und sagte mir, dass in meinem Bauch etwas falsch gelaufen sei und er deshalb als Junge geboren wurde, anstatt als Mädchen. Er flehte mich an, ihn dort wieder hinzutun, um diesen Fehler zu beheben. Er war drei Jahre alt.“

Die Frau, die eigentlich anders heißt, aber ihren Namen und den ihrer Tochter in dem Podcast nicht nennen will, um die Privatsphäre ihres Kindes zu schützen, sah ihre ganze Welt auf den Kopf gestellt. Aber: Jetzt habe sie eben eine Tochter. Eine richtig glückliche Tochter. In dem Podcast, dessen Folgen seit 2014 mehr oder weniger regelmäßig erscheinen, erzählt Mack, wie sich das Leben mit ihrer Transgender-Tochter entwickelt. Welche Hürden sie nehmen müssen, wie das Umfeld reagierte und wie Mutter und Tochter zu Transgender-Aktivistinnen wurden.

„How To Be A Girl“, zu hören über gängige Podcast-Apps oder unter www.howtobeagirlpodcast.com

Einen schweren Kampf musste die Mutter führen, als die Regierung ihres Staates einen sogenannten Bathroom-Bill diskutierte, wie es ihn unter anderem schon in North Carolina gibt: Damit sollte es Transgender-Personen verboten werden, in Schulen die Toilette oder den Umkleideraum zu benutzen, der ihrem Transgender-Geschlecht entspricht. Sie sollten stattdessen jenen nutzen, der ihrem biologischen Geschlecht entspricht. Mack berichtet in ruhiger, aber anrührender Art über die Anhörungen und den massiven Widerstand fundamentalistischer Christen und konservativer Hardliner gegen die Rechte von Transgender-Menschen.

Bei der entscheidenden Abstimmung im Bundesstaat Washington stimmten drei Abgeordnete der Republikaner nicht mit ihrer Partei und gegen die Einführung des „Bathroom Bill“. Mit nur einer Stimme Mehrheit wurde das Gesetz abgelehnt. „How To Be A Girl“ ist mehr als die gut erzählte Geschichte einer Familie und ihres „Schicksals“. Es ist eine Art Grundkurs für Nicht-Transgender-Menschen. Er eröffnet neue Perspektiven, hilft den Blick zu ändern. Mal wieder darüber nachzudenken, wie leicht das Leben als Teil einer Mehrheitsgesellschaft sein kann. Wenn man denn zur Mehrheit gehört.

Wie anstrengend die Auswahl des Outfits für den nächsten Schultag ist, wenn man sich wie ein Mädchen kleiden will, aber einen Penis hat – auch das ist Thema des Podcasts. Über die Jahre, die Zuhörerinnen und Zuhörer Marlo Mack und ihre Tochter begleiten, erfährt man, dass die Kleine ein Mädchen ist, das auch die üblichen Probleme einer mittlerweile Elfjährigen hat. Wie umgehen mit Schulklatsch, wen lade ich zum Geburtstag ein? Und doch: Jedes dieser Probleme wird viel größer, wenn man eben kein ganz „normales“ Mädchen ist. Aber sich gerade deswegen genau „richtig“ fühlt.

www.howtobeagirlpodcast.com

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare