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Katherine Heigl hat ihre zweite Tochter adoptiert.

Katherine Heigl

Nicht das nette Hollywood-Baby

Die amerikanische Schauspielerin Katherine Heigl über Haifische und Diva-Gehabe und warum sie meistens in romantischen Komödien zu sehen ist.

Von Ulrich Lössl

Die amerikanische Schauspielerin Katherine Heigl über Haifische und Diva-Gehabe und warum sie meistens in romantischen Komödien zu sehen ist.

Katherine Heigl, 33, ist es gelungen, nach ihrem Ausstieg aus der TV-Kult-Serie „Grey’s Anatomy“ auch im Kino zu reüssieren. In Hollywood meist als attraktive Blonde in romantischen Komödien besetzt, gilt sie durchaus als streitbare Frau, die mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg hält. Vielleicht ist es gerade auch diese kritische Distanz zum Showbusiness, die sie zu einem Star ohne Dünkel macht. Obwohl sie das Rauchen vor Kurzem aufgegeben hat – und nur noch an einer elektrischen Zigarette pafft –, klingt ihre Stimme immer noch sehr rauchig.

In Hollywood schaffen nicht viele den Sprung vom TV-Star auf die große Leinwand. War das ein harter Kampf?Mir war schon relativ früh klar, dass TV-Serien nicht ewig laufen. Deshalb habe ich schon parallel zu „Grey’s Anatomy“ immer versucht, auch in Kino-Filmen besetzt zu werden. Abgesehen davon bin ich ja – nach meiner Zeit als Model – als Kinofilmschauspielerin gestartet. Um im Filmbusiness bestehen zu können, muss man vor allem Glück haben – und sehr hart arbeiten können.

Haben Sie jemanden, der Ihnen bei der Umsetzung Ihres Karriereplans hilft?

Meine Mutter! Sie steht mir seit 15 Jahren als Managerin zur Seite. Bei ihr weiß ich, dass sie wirklich nur mein Bestes will – und nicht nur so tut als ob. Meine Mutter ist auch ein absolut feuerfester Schutzschild zwischen mir und den Hollywood-Haifischen. Mit den Business-Leuten kann ich nämlich nicht so gut. Da hat meine Mutter schon mehr als nur einmal für mich die Kohlen aus dem Feuer geholt. Ich kann mich deshalb meist ausschließlich auf den kreativen Aspekt meiner Arbeit konzentrieren.

Sie hatten lange den Ruf, ein Workaholic zu sein…

… weil ich mir eben keine Gelegenheit entgehen lassen wollte. Der Druck, unter dem man steht, wenn man in einer TV-Hit-Show mitspielt, ist extrem hoch. Wenn man da nicht höllisch aufpasst, kommt man schnell unter die Räder. Aber mit der Zeit habe ich gesehen, wie ungesund und lebensfeindlich das war. Ich habe jahrelang wie mit Scheuklappen gelebt und wurde dadurch ziemlich engstirnig und zynisch. Das hat mir in Hollywood den Ruf eingebracht, ich würde an allem herumnörgeln. Und das wollte ich nun wirklich nicht.

Zu viel Ehrlichkeit schadet nicht nur in Hollywood.

Da ist etwas dran. Ich habe mich in letzter Zeit schon etwas zurückgenommen. Aber natürlich sage ich auch heute noch deutlich, wenn mich etwas aufregt oder stört. Zum Bespiel wenn jemand ungerecht behandelt wird. Ich bin sicher nicht das nette, stromlinienförmige Hollywood-Baby.

Dabei lachen Sie auf jedem Foto und strahlen nur so vor guter Laune…

Weil ich eben ein sehr positiver Mensch bin. Aber natürlich bin ich nicht immer nur fröhlich und unbeschwert. Nur weil ich meistens in romantischen Komödien zu sehen bin, denken wohl viele Menschen, dass bei mir auch privat alles nur Friede, Freude, Eierkuchen ist. Weit gefehlt. Auch ich hatte harte Schicksalsschläge zu verarbeiten…

… wie den Tod Ihres älteren Bruders, der 1986 nach einem Autounfall starb…

… da war ich gerade einmal elf Jahre alt. Aber ich hatte auch noch andere schwere Zeiten im Leben. Ich weiß also genug über die Tragödien im Leben und über Krankheit, Scheidung und Tod. Genau deshalb mache ich diese fröhlichen Fun-Filme: Damit mein Publikum und ich für ein paar Stunden der grauen Realität entfliehen können. Ich stehe voll und ganz zu diesem Eskapismus.

Und was ist Ihnen außer Filmemachen noch wichtig im Leben?

Meine Familie. Ich bin bald fünf Jahre sehr glücklich verheiratet (mit US-Sänger Josh Kelley). Wir haben zwei Töchter adoptiert. Naleigh, die große, ist mit drei Jahren jetzt in dem Alter, wo sie schon einen sehr eigenen Kopf hat und das, was sie so denkt auch gerne mitteilt. Ich finde das ungeheuer inspirierend.

Sie sagten mal, dass Sie sehr darauf achten, zu den Menschen, mit denen Sie zu tun haben, freundlich zu sein – und dass Sie manchmal aber auch eine Diva sein können. Wann waren Sie das letzte Mal eine echte Diva?

Sie meinen so richtig böse und gemein? Noch nie! Wenn man mich nicht provoziert, bin ich immer sehr freundlich und zuvorkommend. Wenn man mir allerdings respektlos und unverschämt begegnet, dann kann ich schon auch sehr direkt sein. Ich lasse mich sicher nicht ohne Widerworte schlecht behandeln. Von niemandem.

Sie haben nie Ihren Celebrity-Status eingesetzt, um einen Tisch im Restaurant zu kriegen?

Nein, ich kann es nicht ausstehen, wenn Leute sich für etwas Besseres halten. Ich würde nie zu jemandem sagen: „Weißt Du nicht, wer ich bin?!“ Das wäre mir peinlich.

Wer wäre denn die letzte Person, mit der Sie im Aufzug steckenbleiben wollten?

Irgendeiner dieser bösartigen Kritiker, die sich im Internet hämisch und sehr unfair das Maul über mich zerreißen. (Lacht) Oder vielleicht würde ich mit so einem gerade einmal ganz gern mutterseelenallein im Aufzug steckenbleiben…

Haben Sie noch ein weiteres Lebensziel?

In der Tat: Ich will, wo immer ich kann, Menschen helfen. Ich glaube fest daran, dass man Menschen danach beurteilen sollte, wie sie mit den Schwachen umgehen. Das Leben ist so gut zu mir, da kann ich schon etwas von diesem Lebensglück an andere abgeben.

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