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Der Hawkesbury River in der Region Greater Sydney am Mittwoch: Die Pegelstände vieler Flüsse steigen weiter. Lukas Coch/dpa
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Der Hawkesbury River in der Region Greater Sydney am Mittwoch: Die Pegelstände vieler Flüsse steigen weiter.

Australien

Nicht mehr so ganz normal

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Voriges Jahr heftigste Brände, nun das Hochwasser: Dass Australien von Extremwetterlagen heimgesucht wird, liegt nicht nur am Klimawandel. Aber dessen Einfluss wächst.

Ist es der Klima-Turbo – oder noch alles ganz normal? Die Frage drängt sich auf. Denn die Flutkatastrophe in Australien trifft mit dem im Südosten gelegenen Bundesstaat New South Wales ausgerechnet eine Region, die vor gut einem Jahr von beispiellosen Buschbränden heimgesucht wurde.

Es war eine Katastrophe, die die Welt in Atem hielt: Feuer von extremer Intensität verbrannten mehr als elf Millionen Hektar Wald praktisch komplett, tausende Häuser wurden zerstört, mindestens 34 Menschen und eine etwa Milliarde Säugetiere, Vögel und Reptilien starben. Damals konnten Fachleute schnell nachweisen, dass der Klimawandel die Feuer zusätzlich angefacht hat. Laut einer Studie der internationalen Forschungsinitiative „World Weather Attribution“, die diese Zusammenhänge für Extremwetter-Ereignisse analysiert, waren die Brände durch den Klimawandel um mindestens 30 Prozent wahrscheinlicher als in einer Welt ohne erhöhtes Treibhausgas-Level in der Atmosphäre geworden.

Die CO2-Konzentration hat gegenüber dem Jahr 1850 – also vorindustrieller Zeit – bereits um knapp die Hälfte zugenommen: von 280 ppm (ppm = parts per million, Teile pro Million Moleküle Luft) auf über 415 ppm. Ursachen sind vor allem die Nutzung fossiler Brennstoffe und das Abholzen der Wälder. Dass Extremwetter-Ereignisse in der wärmeren Atmosphäre häufiger werden, ist von Klimaforschenden vielfach nachgewiesen worden; die Temperatur liegt heute weltweit im Schnitt 1,2 Grad höher als Mitte des 19. Jahrhunderts. Die Landmassen erwärmen sich dabei schneller.

So klar wie bei den Bränden in Australien 2019/2020 ist die Bewertung bei den aktuellen Überflutungen allerdings nicht, obwohl die Bilder im Fernsehen ähnlich dramatisch rüberkommen. Ein Hochwasser dieses Ausmaßes habe der Bundesstaat „seit 50 Jahren und in manchen Teilen seit 100 Jahren nicht erlebt“, sagte immerhin Premierministerin Gladys Berejiklian am Mittwoch.

Die extremen Regenfälle bildeten sich laut der australischen Wetterbehörde aufgrund des Zusammenspiels von drei Wettersystemen. Ein tropisches Tief über der Küste Westaustraliens trieb danach Feuchtigkeit über den Kontinent, die auf einen Trog mit niedrigem Luftdruck an der Ostküste traf. Weiter östlich, zwischen Tasmanien und Neuseeland, hielt ein stationäres Hochdruckgebiet das Regenereignis aufrecht. Normalerweise zögen die Wettersysteme von Westen nach Osten, so ein Experte der Behörde. Das Hochdruckgebiet sei aber „hartnäckig da“ – und wirke wie eine Blockade.

Das ist zwar ungewöhnlich, kann aber noch normal sein. Eine der führenden Klimaforscher:innen der „Attribution“-Forschung, Friederike Otto von der Universität Oxford, jedenfalls gibt hier etwas Entwarnung. Nach den bisher vorliegenden Daten gebe es „keine Änderung der Wahrscheinlichkeit“ für solch extreme Regenfälle aufgrund des Klimawandels, sagte sie der FR. Das decke sich auch mit den bisher gemachten Attributionsstudien für diese Region Australiens. In keiner davon sei „ein signifikantes Klimawandelsignal“ gefunden worden. „Was aber natürlich nicht heißt, dass der Klimawandel in Australien nicht schon deutlich seine Spuren hinterlässt“, sagte Otto.

Zumindest bis Mitte der Woche brachte der Regen tatsächlich keine neuen absoluten Rekordwerte. Orte mit sehr hohen Tages-Niederschlagswerten seien nicht ungewöhnlich, erläuterte der leitende Klimatologe der Wetterbehörde, Blair Trewin. Er merkte aber an, dass es diesmal ungewöhnlich viele Orte mit solch extremen Summen in einem sehr großen Gebiet gewesen seien.

Eine Rolle könnte dabei spielen, dass eine wärmere Atmosphäre mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann und diese bei Regenereignissen auch wieder auf die Erde „ablädt“. Pro Grad Erwärmung sind es etwa sieben Prozent mehr Wasser. Der Klimaforscher Steve Sherwood von der Universität von New South Wales erläuterte in Bezug auf die aktuellen Regenmengen, diese rührten zu fünf bis zehn Prozent von der globalen Erwärmung, „der Rest wäre sowieso passiert“. Es sei kein „Game Changer“, sagte er laut dem britischen „Guardian“, also keine völlig neue Situation, aber es mache „die Dinge schlimmer, und das wird noch schlimmer, wenn die Emissionen weiter steigen“.

Tatsächlich belegt der jüngste Klimareport der australischen Wissenschaftsbehörde („State of the Climate“), der im Jahr 2020 veröffentlicht wurde, dass die Intensität von Starkregen-Ereignissen auf dem Kontinent bereits zugenommen hat. Eine weitere Erwärmung werde diesen Trend weiter verstärken, heißt es in dem Bericht. Bislang hat sich das Klima in Australien nach den Angaben um 1,44 Grad im Vergleich zu 1910 erwärmt. Eine Studie, an der Professor Sherwood mitgewirkt hat, wiederum lässt erwarten, dass eine Erwärmung um zwei Grad die stärksten täglichen Regenfälle im Australien um elf bis 30 Prozent verstärken wird.

Die Prognosen für den Klimawandel in Australien sind denn auch dramatisch. Der Wissenschaftler Simon Bradshaw vom unabhängigen „Climate Council“ in Sydney zum Beispiel erwartet, dass die schnelle Abfolge von Naturkatastrophen in Australien in Zukunft immer mehr zur Normalität wird. „Mit dem Klimawandel wird unser natürliches Wetter mit Bränden und Fluten extremer“, sagte er. „Wir können in Zukunft noch häufiger heiße, trockene Sommer mit riesigen Bränden und katastrophale Überschwemmungen erwarten.“

Australiens Regierung hingegen ist der Ernst der Lage offenbar nicht klar. Die Bekämpfung des Klimawandels hat keine Priorität. Kohle und Erdgas sollen die wichtigsten Energieträger bleiben, obwohl die reichlich vorhandene Sonnen- und Windenergie sich als Alternative anbietet. Gas soll „Übergangsenergie“ werden, und der Kohlebergbau wird – auch für den Export – weiter ausgebaut. Ein festes Ziel für Klimaneutralität, also Netto-Null-Emissionen, hat Regierungschef Scott Morrison bisher vermieden. Während andere Industrieländer wie die EU-Staaten, Kanada und nach dem Willen von US-Präsident Joe Biden auch die USA 2050 dafür fixieren, versucht er, sich herauszuwinden. Er hoffe, dass Australien dieses Ziel „so schnell wie möglich“ schaffe, sagte Morrison, „idealerweise bis 2050“.

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