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Nicht ganz sauber

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Von: Boris Halva

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Eine weggeworfene Plastikflasche liegt am Strand.
Eine weggeworfene Plastikflasche liegt am Strand. © Imago

Warum der Streit um den Müll an einem griechischen Strand peinlich ist. Der Kommentar.

Der Streit, wer denn bitte schön den Müll am Strand von Navagio wegzuräumen habe, ist nicht nur unnötig, sondern geradezu peinlich. Peinlich deshalb, weil sich auf Zakynthos mal wieder zeigt, wie sehr menschliches Handeln bestimmt wird von Gedankenlosigkeit, Desinteresse und leider auch: Einfalt.

Man könnte das Problem beherzt anpacken und die Bucht absperren – Navagio Beach scheint den Leuten nicht so wichtig zu sein, sonst würden sie den einstmals schönsten Strand der Welt gut behandeln. Stattdessen schmeißen die Tagesgäste, die sich im weißen Sand räkeln und mit Prickelzeug und Snacks aus Kühltaschen erfrischen, immer neuen Müll auf die alten Haufen.

Inzwischen haben die Bootsunternehmen, die Ausflüge in die Bucht anbieten, eine pragmatische Lösung gefunden: Sie haben ihren Angestellten aufgetragen, den Müll zusammenzusuchen und alle paar Tage abzutransportieren. Genial! Erstaunlich, dass da vorher noch niemand drauf gekommen ist!

Aber da sind sich das weltweite Versagen der Menschheit und das Scheitern im Kleinen doch recht ähnlich: Die einen machen Dreck, die anderen diskutieren, wer ihn wegmacht, wieder andere machen gar nichts – und in der Zeit trocknen Seen aus, brennen Wälder ab und fressen sich Kohlebagger immer tiefer in die Erde hinein. Es ist der blanke Irrsinn! Und zum Heulen sowieso!

Schon klar: Global gesehen erfordert der Kampf gegen die Vermüllung von Wasser, Land und Luft mehr Differenziertheit und kluge Planung. Aber wie wäre es, am Strand von Navagio einen unkonventionellen Weg zu gehen? Und den Müll liegen zu lassen, bis zwischen all die Plastikflaschen und Essensreste kein einziges Handtuch mehr passt? Dieses Prinzip wäre ein probates Mittel gegen die Ignoranz derjenigen, die nicht ganz sauber sind: Einfach mal nichts tun und abwarten, bis die Leute keine Lust mehr haben, dort Zeit zu verbringen, weil der Strand mit dem so hübsch vor sich hin rostenden Schiffswrack zu einer stinkenden Halde verkommen ist.

Wenn irgendwann Ruhe in der Bucht ist, wird gründlich aufgeräumt. Und danach dürfen nur noch Tagesgäste kommen, die ihren Müll wieder mitnehmen. Was ja gar nicht so schwer ist – immerhin haben sie die Dinge auch dorthin geschleppt. Genaugenommen ist Müll sogar leichter als Proviant.

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