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Schockierende Einblicke

NFL: Team testet Spieler jeden Tag auf Corona – Cheerleader gehen leer aus

  • Melanie Gottschalk
    vonMelanie Gottschalk
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Oberflächlich betrachtet sieht es glamourös aus, doch in Wahrheit werden NFL-Cheerleader:innen ausgebeutet und regelrecht verängstigt. Frauen kämpfen dagegen an.

  • Viele junge Frauen in den USA träumen von einer glamourösen Karriere als NFL-Cheerleaderin.
  • Doch die Probleme der Cheerleader-Gruppen sind zahlreich - ein Film beschäftigt sich mit diesen kurz vor dem NFL-Superbowl.
  • Wie Cheerleader:innen in der NFL behandelt werden, zeigt sich jetzt auch an Corona-Richtlinien.

Update vom Sonntag, 07.02.2021, 22.58 Uhr: Dass Cheerleader:innen in der NFL nicht fair bezahlt werden, wurde erst kürzlich in dem Dokumentarfilm „A Woman’s Work: The NFL’s Cheerleader Problem“ aufgegriffen. Doch nicht nur beim Gehalt stehen sie auf den hinteren Rängen: Wie das Portal Jezebel berichtet, verzichtet ein NFL-Team darauf, seine Cheerleader:innen auf das Coronavirus zu testen, während bei Spielern, Trainern und weiterem Personal täglich PCR-Tests durchgeführt werden.

Unter Berufung auf zwei Quellen „mit Kenntnis der Los Angeles Rams“ heißt es, die Organisation habe 2020 für Cheeleader:innen weder Corona-Tests bereitgestellt noch verlangt. Dem Portal liegen laut dem Bericht die Corona-Richtlinien des kalifornischen Klubs vor, die im September an die Cheerleader:innen geschickt wurden. Laut Anweisungen müssen sie sich nicht isolieren, von Tests oder der Gefahr, asymptomatischen Corona-Fällen ausgesetzt zu sein, ist keine Rede. Damit wird den Tänzer:innen die Verantwortung auferlegt, selbst für die gesundheitliche Sicherheit zu sorgen. Einzig bei einmaligen Promo-Events zu der Zeit, in der die Saison der Los Angeles Rams im Januar endete, wurden einzelne NFL-Cheerleader:innen der Rams getestet.

Die Cheerleader:innen der Los Angeles Rams (NFL) werden nicht auf das Coronavirus getestet.

In einem Statement des NFL-Klubs an Jezebel heißt es, die Corona-Richtlinien seien im neuen Jahr angepasst worden. Außerdem seien alle Auftritte der Cheerleader:innen freiwillig gewesen, was im Team auch so kommuniziert worden sei. Die Tänzer:innen, die an den Auftritten teilnehmen wollten, seien angehalten worden, Masken zu tragen und Abstand zu halten. Es hätten lediglich acht Personen gleichzeitig proben dürfen, alle anderen konnten sich virtuell zuschalten. Laut dem Statement der Los Angeles Rams werde der Großteil des Personals nicht getestet und Cheerleader:innen fielen darunter.

NFL: Cheerleader wehren sich – „Kultur der Angst“ beim Superbowl

Erstmeldung vom Freitag, 29.01.2021, 10.51 Uhr: Buffalo - In einer Industrie, in der jährlich Milliarden US-Dollar eingenommen werden, in der Spielführer in fünf Jahren rund 55 Millionen Dollar plus Boni verdienen können, erwartet man eigentlich, dass alle Mitarbeiter:innen gut bezahlt werden. Doch eine Gruppe fällt in diesem riesigen Unternehmen namens National Football League (NFL) hinten runter – und das sind die Cheerleader:innen der NFL.

Cheerleaderin in der NFL zu sein, ist für viele junge Frauen ein Traum in den USA

Der Gedanke, bei den Spielen der Football-Mannschaften der NFL an der Seitenlinie zu stehen und sie anzufeuern, klingt für viele junge Frauen in den USA sehr verlockend. Sie erwarten zumeist eine Welt voller Glamour und Glitzer, werden am Ende aber bitter enttäuscht. Denn die Wahrheit ist deutlich schmerzhafter und nicht so glamourös, wie sich das viele vorstellen.

Auch Maria Pinzone dachte, sie habe ihren Traumjob erhalten, als sie in das Team der Jills kam. Die Jills sind die Cheerleader ihres geliebten NFL-Teams Buffalo Bills. Pinzone hatte lange davon geträumt, eine Cheerleaderin in der NFL zu werden, 2012 schien dann alles perfekt für sie zu laufen. Doch als die Saison ihren Verlauf nahm, begann der Job sie immer mehr zu verunsichern.

32 Teams gibt es in der NFL, 26 von ihnen haben eine Cheerleader:innen-Gruppe. Auch anfeuern während der Heimspiele gehört zum Aufgabengebiet, wie hier bei den Baltimore Ravens.

Katastrophale Arbeitsbedingungen: NFL-Cheerleaderin klagt

Der Job beinhaltete nicht nur eine enorme Anzahl an Übungsstunden, sondern auch dutzende öffentliche Events, die alle nicht bezahlt wurden. Die Buffalo Bills machen im Jahr etwa 250 Millionen Dollar Umsatz, Pinzone musste sich nach eigenen Angaben aber ihre 650-Dollar teure Uniform selbst kaufen, bekam – wie sie erzählt – für 850 Arbeitsstunden gerade einmal 105 Dollar.

Nach nur einem Jahr beschloss Pinzone deshalb 2013 den Job als Cheerleader in der NFL an den Nagel zu hängen. Als ihr eine andere NFL-Cheerleaderin aus der Jill-Gruppe ihr ihre Bedenken über die Vergütung anvertraute, beschloss Pinzone, ihren Vertrag einem Anwalt zu zeigen. Das Treffen fand Ende 2013 statt und war für die ehemalige NFL-Cheerleaderin wie eine „Beichte“, wie sie gegenüber dem Guardian berichtet.

NameNational Football League (NFL)
LandVereinigte Staaten
Anzahl der Teams32
RekordmeisterGreen Bay Packers (13 Titel)
TitelträgerKansas City Chiefs

Für Pinzone stimmte etwas mit dem Vertrag nicht. Das Maskottchen der Bills, die Hausmeister und die Putzleute, sie alle wurden für ihre geleistete Arbeit bezahlt. Die NFL-Cheerleader, die Woche für Woche in demselben Stadion standen hingegen nicht. Aber auch Zweifel kamen auf. „Bin ich verrückt?“, dachte Pinzone immer wieder. „Ich hatte einen Vertrag unterschrieben, um ein Cheerleader in der NFL zu sein – ein prestigereicher Job“, sagte sie. „Es kam mir deshalb nie in den Sinn, das etwas mit dem Vertrag nicht stimmen könnte“.

NFL-Cheerleaderinnen: Strenge Regeln und hohe Strafen bei Nichteinhaltung

Pinzone ist bei weitem nicht die einzige, die als NFL-Cheerleaderin schlechte Erfahrungen gemacht hat. Der Dokumentarfilm „A Woman’s Work: The NFL’s Cheerleader Problem“ (Deutsch: „Eine Frauenarbeit: Das NFL-Cheerleader-Problem“) zeigt die tiefen Abgründe der Branche, ungeschminkt und ehrlich. Der Film begleitet neben Pinzone noch die Cheerleaderin Lacy Thibodeaux-Fields, deren Traum es auch war, bei einem NFL-Team beschäftigt zu werden. Doch auch sie musste – als sie sich am Ziel ihrer Träume wähnte – feststellen, dass das Business alles andere als glamourös war.

Lacy Thibodeaux-Fields stieß 2013 zu den Oakland Raiderettes, der Cheerleader:innen-Gruppe der Oakland Raiders. Sie versuchte, jede einzelne Regel, die in ihrem Vertrag und dem Handbuch standen zu befolgen, sonst drohten Strafen. Legte sie beispielsweise mehr als vier Pfund zu, konnte es sein, dass sie für ein Spiel auf der Bank Platz nehmen musste und auch nicht bezahlt wurde. War sie zu spät für Auftritte in der Öffentlichkeit oder brachte sie das falsche Equipment mit, musste sie Strafgelder zahlen, die zwischen zehn und 125 US-Dollar lagen. Nach ihren Erzählungen geht die Liste noch ein ganzes Stück weiter.

Zwei NFL-Cheerleaderinnen erheben sich gegen die Arbeitsbedingungen

„Lacy T.“ wie sie während ihrer Zeit als NFL-Cheerleaderin genannt wurde, musste ihre Haare nach ganz bestimmten Vorgaben färben und schneiden lassen, das Geld für die Friseurbesuche musste sie selbst zahlen. Ähnliches galt für ihr Make-up, Maniküre und Pediküre sowie für regelmäßige Selbstbräunung. Für neun Monate Übungseinheiten, Minicamps, öffentliche Auftritte, Fotoshootings, Heimspiele und alles, was noch zu ihrem Image als NFL-Cheerleaderin gehörte, wurde sie nach eigenen Angaben genau einmal bezahlt. Am Ende der Saison erhielt sie 1250 US-Dollar nicht einmal annähernd Mindestlohn. „Es passierte überall für eine solch lange Zeit und diese Kultur der Angst wurde den Cheerleaderinnen von Tag eins an eingeflößt“, sagt Filmemacherin Yu Gu.

Die glamouröse Welt der NFL-Cheerleader:innen hat tiefe Abgründe. Einige ehemalige Cheerleaderinnen lehnen sich nun dagegen auf.

Thibodeaux-Fields wollte das – wie Pinzone – nicht auf sich sitzen lassen und erhob sich gegen das System der NFL-Cheerleader:innen. Sie war die erste in der 53-jährigen Geschichte der Raiderettes, die mehr wollte. In der Dokumentation begleitet Filmmacherin Yu Gu die beiden Frauen, auf ihrem Weg und dem Kampf für bessere Bedingungen für NFL-Cheerleader:innen.

Klage der NFL-Cheerleaderinnen stößt nicht überall auf Verständnis

Über fünf Jahre lang begleitete Gu die beiden ehemaligen NFL-Cheerleaderinnen Thibodeaux-Fields und Pinzone durch ihre Klage vor Gericht und die Echos, die ihnen durch diese Klagen entgegengebracht wurden. Denn sowohl in Facebook-Gruppen als auch in der Öffentlichkeit stieß die Klage der Frauen nicht überall auf Verständnis. Am Ende hat sich der Kampf zumindest für Thibodeaux-Fields ein wenig gelohnt, denn sie konnte im Endeffekt eine Einigung mit den Oakland Raiderettes erzielen.

Anders lief es bei Pinzone und ihrer Klage gegen die Jills. Denn nur wenige Tage, nachdem sie und 73 ihrer ehemaligen Kolleginnen die Klage angestrengt hatten, haben die Buffalo Bills beschlossen, ihre NFL-Cheerleaderinnen-Gruppe einfach zu schließen. „Ich konnte nicht fassen, dass sie das getan hatten und es so hinstellten, als sei es unsere Schuld“, sagt Pinzone. Die Verteidiger machten den klagenden Frauen trotzdem ein Angebot, dass extrem niedrig ausfiel, anstatt ihnen faire Löhne nachzuzahlen. „Der Fakt, dass sie dachten, wir würden etwas so niedriges akzeptieren zeigt, was sie von uns dachten: das wir nichts sind“, sagte Pinzone zu dem Angebot.

Erste kleine Erfolge für NFL-Cheerleaderinnen

Einen kleinen Erfolg hatten die Klagen der Frauen aber schon. Mittlerweile wird oftmals zumindest Mindestlohn bezahlt. Trotz allem muss die NFL in den Augen der Filmmacherin Yu Gu noch mehr tun, denn die Verträge und die Bezahlung von Cheerleader:innen sind weiterhin die Sache jedes einzelnen Vereins und den Besitzern und werden auch heute noch sehr diskret behandelt. „Die Haltung der Liga ist, dass es die Verantwortung jedes Teams ist. Es gibt immer noch einen Mangel an Transparenz und Kommunikation zwischen den Teams“, erklärt Gu.

Insgesamt haben mittlerweile zehn der 26 NFL-Teams mit einer Cheerleader-Gruppe Klagen erhalten, unter anderem wegen angeblichem Lohn-Diebstahl, sexueller Belästigung, Body-Shaming, extrem niedriger Bezahlung und offensichtlicher Diskriminierung. Die Frauen erheben sich gegen die Zustände bei den NFL-Cheerleader:innen, doch es ist noch ein weiter Weg, bis wirklich ein Umdenken in der gesamten Liga stattfindet. (Melanie Gottschalk)

Rubriklistenbild: © John Cordes/imago-images

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