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Rekordregen in New York

Unwetter-Katastrophe: New York ist dem Klimawandel schutzlos ausgeliefert

  • Sebastian Moll
    VonSebastian Moll
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Der Rekordregen ist nicht der einzige Grund, dass Ausläufer des Hurrikans „Ida“ New York ins Chaos stürzen. Die US-Metropole ist unzureichend auf den Klimawandel vorbereitet.

New York - New Yorkerinnen und New Yorker sind eine hartgesottene Spezies und nicht so leicht zu erschrecken. Doch als am frühen Mittwochabend (01.09.2021) ihre Mobiltelefone einen schrillen Notfallton von sich gaben, machten sich viele der acht Millionen Menschen in der Metropole ernsthaft Sorgen. Tornado- und Flutwarnung stand da mit drei Ausrufezeichen auf dem Display, man solle sich schleunigst in eine sichere Unterkunft begeben. Fahrzeuge seien umgehend zu verlassen.

Tornados sind gewöhnlich Wetterereignisse, die das sogenannte Herzland der USA treffen, Staaten wie Dakota, Indiana oder Kansas. In der New Yorker Region sind sie eine Seltenheit. Doch am Mittwoch wurde der Nordosten gleich von mehreren Tornados heimgesucht, die sich als Ausläufer des Hurrikans „Ida“ gebildet hatten, während dieser seinen zerstörerischen Weg quer über den Kontinent in Richtung Atlantik fortsetzte.

Die Ruhe nach dem Sturm: In der Nacht auf Donnerstag erlebte New York den heftigsten Regen seit den Aufzeichnungen um 1880.

Flutwellen in New York: Bürgermeisterstand erklärt Ausnahmezustand

In den folgenden Stunden bot sich New Yorkerinnen und New Yorkern ein Spektakel, wie sie es so noch nie zuvor erlebt hatten. Zwischen 20.50 Uhr und 21.50 Uhr fielen in Manhattan knapp acht Zentimeter Regen. Das war mehr Wasser, als die Stadt je erlebt hatte, seit in den 1880er Jahren Regenmengen aufgezeichnet werden. Der peitschende Regen, der bis in die Morgenstunden anhielt, stürzte die Stadt ins Chaos. In vielen Straßen wurden Autos und Busse davon geschwemmt. In U-Bahn Stationen brachen Sturzfluten ein, die im Nu Gleise und Bahnsteige unter Wasser setzten. Kinos mussten während der Vorführungen evakuiert werden, weil Wasser in die Säle einbrach. Feuerwehrtrupps rückten aus, um Menschen zu retten, die in ihren Autos gefangen waren. Medien berichteten am Freitag von mehr als 40 Todesopfern (Stand 03.09.2021).

Bürgermeister Bill de Blasio erklärte am Abend den Ausnahmezustand. Das gesamte U-Bahn-Netz wurde stillgelegt, auch am Morgen fuhren keine Pendlerzüge in die Stadt. Der Flugverkehr der drei New Yorker Flughäfen ruhte bis zum Donnerstagmittag.

Hurrikan Ida hat die Westküste der USA heimgesucht und unter anderem in New York schwere Überschwemmungen verursacht.

Unwetter in New York: Erinnerungen an Hurrikan „Sandy“ werden wach

Viele New Yorker wurden an 2012 erinnert, als Hurrikan „Sandy“ durch die Stadt fegte. Auch damals wurden U-Bahn-Stationen und Tunnels überflutet, viele wurden erst 2020 vollständig repariert. Ein Haupttunnel für den Bahnfernverkehr konnte bis heute nicht saniert werden, man wartet noch immer auf Mittel aus Washington. Damals war die halbe Stadt ohne Strom, manche Gegenden warteten wochenlang, bis Licht und Heizung wieder funktionierten. In küstennahen Gegenden wie Staten Island wurden Wohngebiete so stark verwüstet, dass sie gar nicht wieder aufgebaut wurden.

Damals gelobte New York, sich mit Nachdruck auf den Klimawandel einzustellen. Die Stadt, die beinahe 1000 Kilometer Uferlinie hat und komplett von Wasser umgeben ist, ist eine der anfälligsten Städte der USA für steigende Meerespegel.

Immerhin wurden nach „Sandy“ wichtige Infrastruktureinrichtungen wie Elektrizitätswerke, Krankenhäuser und Bahn-Stationen befestigt. Wirklich vorbereitet ist New York jedoch neun Jahre später noch immer nicht.

Unterführung in Brooklyn: Die Feuerwehr musste ausrücken, um Menschen aus Autos zu retten.

USA und Klimaschutz: Mittel werden nicht bewilligt

So wurde gerade erst im vergangenen Jahr ein Bauprojekt begonnen, das zumindest den südlichen Teil Manhattans gegen Überflutungen schützt. Parks werden als Flutungszonen umfunktioniert, in der Nähe der Wall Street wird die Insel weiter in das Meer hinein gebaut, um eine Pufferzone bereit zu stellen. Doch die Fertigstellung des Projekts kann noch Jahre dauern.

Für ein anderes Flutschutzprogramm, sind noch nicht einmal die Mittel bewilligt. Das nationale Armeekorps hat eine Flutschranke vorgeschlagen, die bei Sturmfluten die Bucht von New York versiegeln kann. Die Administration von Donald Trump verschleppte jedoch das Projekt. Ob das Infrastruktur-Paket von Präsident Joe Biden dafür aufkommt, ist noch ungewiss. In der abgespeckten Form des Gesetzes, das nötig war, um die Republikaner im Kongress zu befrieden, sind keine Maßnahmen mehr vorgesehen, die dem Klimaschutz dienen.

New York ist Folgen des Klimawandels schutzlos ausgeliefert

So ist New York bis heute den Folgen des Klimawandels weitestgehend schutzlos ausgeliefert. Das Problem wird dadurch verschärft, dass die Flutkarten der Katastrophenschutzbehörde FEMA veraltet sind. Die gefährdeten Zonen sind deutlich größer geworden und die Bevölkerungsdichte in diesen Gebieten gewachsen. Das wird es in der Folge von Hurrikan „Ida“ für viele New Yorker:innen schwieriger machen, Entschädigungs-Ansprüche geltend zu machen.

So kann New York nur hoffen, dass „Ida“ hilft, die Anstrengungen zum Flutschutz zu beschleunigen. Allerdings zeichnete Robert Young, Direktor eines Forschungsinstituts zum Schutz amerikanischer Küsten, in einem Editorial in der New York Times ein düsteres Bild. Zu diesem Zeitpunkt, so Young, sei die USA nicht dazu in der Lage, mit den Folgen des Klimawandels Schritt zu halten. „Alles was wir zum Küstenschutz tun, ist kaum mehr als ein Pflaster.“ Keine gute Nachricht für New York. (Sebastian Moll)

Rubriklistenbild: © SPENCER PLATT

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