Mordprozess in Berlin

Mit neun Stichen Ehefrau getötet

Prozess nach tödlichem Familiendrama im Berliner Stadtteil Moabit: Mahedi S. hat gestanden, im vergangenen Oktober seiner Frau Stephanie aufgelauert und sie erstochen zu haben. Das Gericht wird nun klären müssen, ob es sich um Mord oder um Totschlag handelt.

Von Elmar Schütze

Wer im Internet nach Mahedi S. aus Spandau sucht, findet einen ambitionierten Kartenspieler. Sein Metier sind Yu-Gi-Oh!-Karten, japanische Sammelkarten, wie sie auf Schulhöfen getauscht werden. Man kann mit diesen Karten auch richtig spielen. Es gibt Wettkämpfe, und S. ist offenbar ein Meister darin. Gespielt hat er schon länger nicht mehr. Seit mehr als einem halben Jahr sitzt er in Untersuchungshaft. Am gestrigen Donnerstag begann sein Prozess. Im vergangenen Herbst soll der 25-Jährige seine Ehefrau getötet haben.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat Mahedi S. am 14. Oktober seiner Frau Stephanie mit einem Messer aufgelauert, als diese mit den gemeinsamen Kindern (ein und drei Jahre alt) morgens kurz nach acht ihr Haus in der Jagowstraße in Spandau verlassen wollte. Er soll ihr im Treppenhaus vor den Augen der Kinder mit einer elf Zentimeter langen Klinge neunmal in Hals und Kopf gestochen haben. Die Frau starb tags darauf im Krankenhaus.

Mahedi S. hat vor der Polizei die Tat gestanden. Das Gericht wird nun klären müssen, ob es sich um Mord oder um Totschlag handelt. Auf ersteres steht lebenslänglich, auf Totschlag in der Regel 5 bis 15 Jahre.

Mordmotiv: Eifersucht

Die Staatsanwaltschaft geht von Mord aus niederen Beweggründen aus. Der Angeklagte sei eifersüchtig gewesen. Seine Frau habe sich von ihm getrennt und mittlerweile einen neuen Partner gehabt. Er habe sie dafür bestrafen wollen und geplant, sie zu töten. Die Verteidigung spricht von Totschlag. S. habe spontan zugestochen, ohne Mordmotiv.

Staatsanwalt Michael von Hagen beschreibt Mahedi S. als einen „sehr dominierenden, latent gewaltbereiten“ Menschen. Demnach hat der Mann das Familienleben bestimmt, etwa entschieden, mit wem sich seine Frau treffen durfte. Es habe oft Streit gegeben, immer wieder habe er sie geschlagen. Einmal habe sie ihn angezeigt, die Anzeige aber wieder zurückgezogen. Dann floh sie ins Frauenhaus. Zum Tatzeitpunkt hätte sich der Ehemann nach richterlichem Beschluss seiner Frau nicht nähern dürfen, auch gab es Streit um das Umgangsrecht mit den Kindern. Familienangehörige sagen, sie sei aus dem Frauenhaus zu ihm zurückgekehrt, als er drohte, ihre Eltern zu töten.

Vor ihrer Hochzeit 2008 habe sie von seinem Wesen nichts ahnen können. „Der war ein netter, gut integrierter junger Mann“, sagte eine Frau. Danach habe er ihr das Leben zur Hölle gemacht.

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