+
Da haut?s den Onkel Gottschalk von der Wett-Couch. Becker und seine Verlobte Lilly Kerssenberg wollen sich trauen.

Boris Becker heiratet

Neues Spiel, neues Glück

Ex-Tennisprofi Boris Becker kündigt seine Hochzeit an - im Wohnzimmer der Nation, bei "Wetten, dass …?". Von Jörg Hunke

Von JÖRG HUNKE

Zehn Millionen Zuschauer! Manchem rutscht schon das Herz in die Hose, wenn er den Schwiegereltern den längst anberaumten Hochzeitstermin gestehen muss. Und in gewisser Weise ist es ja ein Geständnis, dass Boris Becker, der Deutschen ewiges "Bobele", am Samstagabend im Wohnzimmer der Nation gemacht hat.

Er will also wieder heiraten, zum zweiten Mal: So verkündete er es bei "Wetten, dass …?" Kindlich lächelnd saß er da neben seiner Freundin, der Niederländerin Lilly Kerssenberg, auf dem Sofa, trug einen festlichen Anzug mit Krawatte und Weste und ließ das Volk wissen: "Am 12. Juni werden wir in St. Moritz heiraten." Das Publikum johlte, Moderator Thomas Gottschalk säuselte: "Ist das nicht schön."

Wenn wir ehrlich sind, waren Zeitpunkt und Ort nur folgerichtig: Ein bisschen ist Boris Becker doch nach wie vor unser aller Sohn, seit er 1985 als erster Deutscher in Wimbledon gewann. Er gehörte in den vergangenen Jahrzehnten irgendwie zur Familie. Ob er öffentlich mit seinem rumänischen Manager Ion Tiriac stritt, später seine erste Liebe vorstellte und seine Sympathien für die Hausbesetzer in der Hamburger Hafenstraße bekundete - die Familien saßen zu Hause beim Essen und diskutierten darüber wie sonst nur über den eigenen Spross. Ob Becker verletzt war, ob er gewann oder verlor, man litt und freute sich mit ihm. Die Straßen waren leer, wenn er Asse in Serie schlug oder mit einem Hechtsprung einen Satzball abwehrte.

Selbst ein renommierter Schriftsteller wie Martin Walser schwärmte für den rothaarigen Teenager aus Leimen. "Man kommt sich schon komisch vor, wenn man merkt, dass man zum Starkult beiträgt. Anderseits käme es mir ziemlich verlogen vor, wenn ich meine Verehrung für Boris Becker ableugnete, verheimlichte, unterdrückte."

Der Satz steht in dem Buch "18 Autoren, 1 Phänomen", einer Hommage an Becker. Die Textsammlung kam 1992 auf den Markt. Damals war Becker vor allem ein sehr erfolgreicher Draufgänger auf dem Tennisplatz. Und heute? Er ist ein Mensch, der sich sehnt nach öffentlicher Anerkennung, dem es auch mit 41 Jahren noch gut tut, dass ihm die Massen zujubeln. Er genoss sichtlich den Moment bei "Wetten, dass …?". Endlich wieder ein großer Auftritt, endlich wieder Schlagzeilen bundesweit, endlich wieder Gesprächsthema.

Es gibt wissenschaftliche Studien zu Leistungssportlern und ihren Umgang mit der Öffentlichkeit. Die Erkenntnis: Weil Sportstars in der Regel in ihrer erfolgreichsten Zeit sehr jung sind, können einige von ihnen ohne diese öffentliche Aufmerksamkeit später nicht auskommen; sie sehnen sich ständig nach dem Scheinwerferlicht und den Schlagzeilen. Franz Beckenbauer, Lothar Matthäus und Franziska von Almsick fallen einem sofort als Beispiele ein.

Selbst in den Dschungelcamps sind nicht selten auch Sportstars von einst dabei, deren Kampf in der Gegenwart nur einem Ziel dient: nicht endgültig in Vergessenheit zu geraten. Beckers ehemalige Kollegin Martina Navratilova hat beispielsweise in England mitgemacht.

Im persönlichen Gespräch wird schnell deutlich, wie sehr Becker um Beachtung buhlt. Bei einem FR-Interview vor Jahren in einem öffentlich zugänglichen Hotelraum am Frankfurter Flughafen hob er stets seinen Kopf, wann immer die Tür aufging, und erheischte den Blick des neuen Gastes. Und als er warten musste, weil der Fotograf sein Objektiv noch einstellen wollte, schien er, der ständig Umgarnte, tatsächlich froh zu sein, dass ihn ein Vater aus Argentinien um ein Autogramm für seinen Sohn bat.

Bei Thomas Gottschalk war er zum sechsten Mal zu Gast, er fühlt sich wohl unter den Stars und Sternchen der Glamourwelt. Das ist seine Welt. Am Ende gab er sogar den Zampano und sprang durch ein brennendes Seil, weil er seine Wette verloren hatte.

Angst, sich zu verletzen oder zu blamieren, Scham: Für ihn, den in eigener Sache Indiskreten, sind das keine Kriterien. Beim Gespräch damals in Frankfurt erzählte er, dass er das Risiko mag, so etwas wie Versagensangst nicht kenne. Zuweilen scheint es, dass er, der mit großem Tamtam in Autos machte, Sportstars vermarktete und doch nie als gewiefter Geschäftsmann anerkannt wurde, ohnehin nichts zu verlieren hat. Vielleicht mögen die Deutschen ihren Boris auch dafür: für einen folgenlosen Leichtsinn, den sie sich selbst nie erlauben dürften.

Allein die Affären. So viel ist über sie geschrieben worden, dass Thomas Gottschalk in einen unbedachten Moment über Beckers Eheversprechen sagte: "Nein, nicht schon wieder."

Schließlich war das Presse-Echo in den vergangenen Jahren nicht immer positiv, erinnert sei nur an seinen Prozess wegen Steuerhinterziehung oder die Schlammschlacht nach der Trennung von Sandy Meyer-Wölden im vergangenen Jahr.

Ihn ficht's nicht an. Er lebt sein Leben nach den Spielregeln des Sports. Immer voll drauf, neuerdings auch gerne beim Promi-Pokern in Monte Carlo.

Und wenn er denn doch mal verliert, dann helfen Hadern und Selbstzweifel auch nicht weiter. Der Blick geht nach vorn: Neues Spiel, neues Glück.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion