Spanische Treppe in Rom

Neuer Glanz für alte Stufen

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Fast ein Jahr lang wurde die Spanische Treppe für 1,5 Millionen Euro gesäubert und restauriert. Jetzt wird sie mit einem Orchesterkonzert und Feuerwerk in neuem Glanz geöffnet.

Noch liegt sie in jungfräulich unbeflecktem Weiß da, wie ein monumentaler Wasserfall aus Travertin, wie ein surreal schönes Bühnenbild. Noch ist sie menschenleer, Römer und Touristen werden durch Absperrungen auf der Piazza di Spagna aufgehalten und können sie nur mit Distanz bewundern.

Heute Abend aber wird die Spanische Treppe nach fast einjähriger Restaurierung mit einem Orchesterkonzert und Feuerwerk in neuem Glanz geöffnet. Römer und Touristen aus aller Welt können dann wieder auf die 135 Stufen zu Füßen des Pincio-Hügels und der Kirche Trinità dei Monti – ob allerdings wie bisher in Scharen sitzend, Eis leckend, Pizzastücke essend und Zigaretten rauchend, das ist die Frage. Denn die Stadt streitet darüber, wie zu verhindern ist, dass ihre berühmtesten Stufen schon bald wieder so schmuddelig aussehen wie vor der Restaurierung.

Zu verdanken ist es dem römischen Luxusjuwelier Bulgari, dass Tausende Kaugummis, Rotwein- und Kaffeeflecken, Spuren von Tomatensoße, Filzstift-Kritzeleien und so einiges Unappetitliche von der 1723 bis 1725 erbauten spätbarocken Freitreppe entfernt und rissige Steine ausgebessert wurden. Für die Arbeiten hat der Sponsor 1,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Inzwischen ist es ja im chronisch klammen Italien üblich, dass die heimische Modebranche den Erhalt von Kulturgütern finanziert.

So hat sich der Taschenhersteller Tod’s des Kolosseums angenommen, das Modehaus Fendi des Trevi-Brunnens und die Jeansmarke Diesel der Rialto-Brücke in Venedig. Geldgeber und Firmenchef Paolo Bulgari möchte, dass die neu erstrahlte Schönheit der Spanischen Treppe lange erhalten bleibt. Deshalb hat er vorgeschlagen, sie zumindest nachts vor der Belagerung zu schützen und eine Plexiglasbarriere mit verschließbaren Zugängen zu errichten. Denn spätabends sind die Stufen mit Blick auf die Piazza di Spagna und die Flanier- und Einkaufsmeile Via dei Condotti mit ihren Edelboutiquen und Designer-Flagship-Stores ein beliebter Treffpunkt für Rom-Besucher. So manche spontane Feier gerät zum Gelage, grölende Betrunkene stolpern über das Werk des römischen Architekten Francesco De Sanctis, Bierdosen rollen, Flaschen gehen zu Bruch.

„Die Spanische Treppe ist ein kostbares und zerbrechliches Monument“, sagt Paolo Bulgari. Man könne nicht zulassen, dass sie wieder zur „Kloake unter freiem Himmel“ wird, dass Barbaren wie auf einer Stadiontribüne ihren Dreck hinterließen. Unterstützt wird sein Vorschlag nicht nur von den Geschäftsleuten der Umgebung, darunter Gianni Battistoni von der gleichnamigen exklusiven Herrenschneiderei in der Via Condotti, wo schon Marlon Brando und Rockefeller einkauften. Die Scalinata di Trinità dei Monti, wie sie auf Italienisch heißt, sei zum Sammelpunkt für Horden ausländischer Jugendlicher geworden, sagt Battistoni und erinnert daran, dass 2015 holländische Fußball-Hooligans den Brunnen des Barockbildhauers Gian Lorenzo Bernini auf der Piazza di Spagna beschädigten und in eine Müllkippe verwandelten. Italienische Architekten, Künstler und Intellektuelle, darunter der Oscar-prämierte Filmausstatter Dante Ferretti, sammeln Unterschriften, damit der zentrale Aufgang der Scalinata ganz gesperrt wird. Nur die Seitenstiegen sollen zugänglich bleiben.

Doch die Vorschläge spalten Rom in zwei Lager, auch in den sozialen Netzwerken wird erhitzt debattiert. Alle schimpfen zwar auf die „Zozzoni“, die Schmutzfinken. Doch sehr viele Römer sind dagegen, dass Kulturschätze eingezäunt werden. Auch die städtischen Verantwortlichen lehnen das ab.

Die Spanische Treppe sei gebaut worden, damit die Leute auf ihr laufen, und zwar bei Tag wie bei Nacht, sagt der Chef der Kulturgüterverwaltung, Claudio Parisi Presicce. Er will stärkere Kontrollen durch uniformierte Sicherheitskräfte und erzieherische Maßnahmen.

Die Touristen benähmen sich respektlos, weil sie sich das bei den Einheimischen abguckten, sagt er mit Seitenhieb auf seine römischen Mitbürger. „Zuallererst muss ein Schild aufgestellt werden, das klar auflistet, was erlaubt und was verboten ist.“ In welche Kategorie nächtliche Partys, Pizza und Rotwein fallen, dürfte klar sein. Nicht so klar ist, ob man dann noch auf den weißen Travertin-Stufen vom Stadtbummel ausruhen darf.

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