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Ronan Keating tritt am Donnerstag in Frankfurt auf.

Ronan Keating

Der nette Streber

Ex-Boyband-Star Ronan Keating bringt Boyzone ein neues Album heraus. Mit dem Tod des ehemaligen Bandkollegen Stephen Gateley kommt noch immer nur schwer zurecht. Von Ulrike Rechel

Von Ulrike Rechel

Vor einem Jahr war Ronan Keating mal wieder ganz oben. Diesmal auf Afrikas höchstem Gipfel, dem Kilimandscharo. Das Begleitteam, das den Popstar mit TV-Kameras eskortierte, stöhnte: Bei einer Tageshitze bis zu 30 Grad und Nächten um minus 15 Grad ging es hinauf auf knapp 6000 Meter. Keating aber kichert noch heute, wenn er sich daran erinnert. Er ist so was gewohnt. 2008 rannte er beim Londoner Marathon mit. Zweimal wanderte er quer durch seine Heimat Irland. Demnächst will er auf den Mount Everest. Vorher becirct er noch schnell seine Fans zwischen Aberdeen und Malta mit einer Solo-Tournee. Und gibt auf dem Weg von Gig zu Gig launige Interviews. Wir haben ihn kurz vor Blackpool erwischt. Er ist gut gelaunt. "Ich strenge mich gerne an", erzählt der 33-Jährige per Handy. "Man glaubt ja gar nicht, wozu der Körper so alles in der Lage ist!"

Mit seinen Aktionen hält sich Keating nicht nur fit. Er treibt auch Geld ein für die Charity-Organisation, die er mit seinen Geschwistern gründete, als seine Mutter vor elf Jahren an Brustkrebs starb. Sechs Millionen Pfund kamen bisher zusammen. "Wenn ich mit solchen Projekten was Gutes bewirke, ist das eine hohe Motivation für mich", sagt der Musiker. "Außerdem finde ich es wichtig, wenn Leute sehen, dass du nicht zu denen gehörst, die es sich in ihrer Komfort-Zone bequem machen."

Das würde bei Keating allein schon deshalb nicht funktionieren, weil der einstige Teenie-Star inzwischen selbst Vater von drei Kindern ist. Das älteste ist zehn Jahre alt. Seine Vaterrolle nimmt der singende Extremsportler noch ernster als seine Karriere. "Ich sehe zu, möglichst oft nach Hause zu kommen. Ich möchte den Kindern zeigen, dass man sich immer bemühen muss. Ich denke, dass das besonders wichtig zu ist, gerade wenn einer deiner Eltern berühmt ist. Sonst neigst du als Kind eher dazu, deine Hände in den Schoß zu legen und später vom Ruhm deiner Eltern zu leben."

In den Starrummel, der ihn derzeit jeden Abend irgendwo in Europa heimsucht, taucht Keating denn auch alleine ein. Dort erwarten sie ihn in langen Reihen, jubeln dem Beau mit den seeblauen Augen zu, recken ihm Blumen entgegen und selbstgepinselte Transparente. Später wird sich Ronan Keating im Glitzerlicht zu sanften Soul-Rhythmen wiegen und mit attraktiv angerauter Stimme Schmusehits singen wie "When you say nothing at all" aus der Kino-Romanze "Notting Hill" oder "Life is a Rollercoaster". Für die Balladen vergöttern ihn die Fans. Da geht es ihm heute nicht anders als vor 17 Jahren, als Keating noch der Niedliche unter den Mitgliedern der irischen Castingband Boyzone war.

Über seine Zeit als Posterboy verliert der Mann aus Dublin heute nicht mehr viele Worte. Und wenn, dann sind sie nicht nostalgisch. "Klar, wollte ich lieber in einer Rockband sein als in einer Boyband. Das ist normal, oder? Ich meine, ich war 16, als ich bei Boyzone anfing", erzählt er. "In dem Alter kämpfst du mit anderen Dingen, als ich das heute tue."

Nach sieben Jahren Boyband entschied sich Keating, seinen Weg solo fortzuführen - und wurde zum erfolgreichsten der Ex-Bandgefährten. Zwar scheiterte 2003 sein Versuch mit dem Album "Turn it on" mal kantigere Saiten zu zeigen. Doch mittlerweile hat der Musiker seinen Frieden gemacht mit dem Balladen-Fach, das ihm mehrere europaweite Nummer-eins-Hits bescherte, ihn ganz nach oben brachte. Keating ist der einzige Künstler, der mit 30 aufeinanderfolgenden Singles in den britischen Charts einen Top Ten-Hit landen konnte. Die Bestätigung hilft ihm auch zu verschmerzen, dass er, der ewig Strebsame, wohl nie so cool sein wird wie der charmante Branchen-Rüpel Robbie Williams. "Ich bin cool genug!", sagt er lachend. "Nein, ernsthaft. Ich bin Vater, und mit der Zeit habe ich gelernt, was cool ist und was nicht." "Cool" ist nach dieser Lesart auch das Comeback von Boyzone. "Wir sind älter geworden, wir sind keine Boyband mehr, sondern eine Men-Band".

2007 gingen die Iren auf Reunion-Tour. Zuletzt rückte die gereifte Truppe noch enger zusammen als zu Teenie-Zeiten: Kaum sechs Monate ist es her, als Frontmann Stephen Gateley plötzlich während einer Mallorca-Reise an einem Lungen-Ödem starb. Die Band arbeitete gerade an ihrem ersten Comeback-Album.

Es war schon das zweite Mal, dass Keating den Tod eines sehr nahen Menschen erlebte - nach dem der Mutter, die nur 51 wurde. Damals begann Keating, zu rennen und zu klettern, sich ein taffes Trainingspensum anzugewöhnen - das sich längst in seinen Gesichtszügen abzeichnet: Es sind härtere Konturen als zu Starschnitt-Zeiten.

Zum Thema Tod befragt, holt Keating erstmal Luft. "Meine Güte!" stöhnt er, "Wer würde dem Tod schon gelassen gegenüber stehen? Ich sicher nicht. Schon gar nicht, wenn jemand jung stirbt, wie Stephen. Das war die furchtbarste Erfahrung meines Lebens. Er ist nun mal weg, und er kommt nicht zurück. Es fällt mir schwer, damit klar zu kommen." Seinen Kindern hat Keating versucht, die Nachricht über das Ableben des engen Familienfreundes in Ruhe zu erklären. "Ich habe ihnen die Wahrheit gesagt: dass Stephen im Schlaf gestorben ist, dass er jetzt bei Gott ist", erinnert er sich. "Sie waren am Boden zerstört, und es vergeht kein Tag, an dem wir nicht über ihn sprechen."

Dieser Tage ist Stephen Gately allerdings noch einmal sehr lebendig geworden. Man hört seine Stimme aus den Radios und beim Einkaufen: Vor zwei Wochen kam das neue Boyzone-Album in die Läden; "Brother" heißt es, Gatleys Gesang ist auf einigen Songs zu hören. In den britischen Charts ist es seither - ganz oben. Wo sonst?

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