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Ein Elefant am Ufer des Chobe in Botswana. Mehr als 330 Dickhäuter starben im Sommer.

Mysteriöses Elefantensterben

Nervengift im Wasser

  • Johannes Dieterich
    vonJohannes Dieterich
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„Zahlreiche Fragen sind noch ungeklärt“ – dennoch liefern Forschende nun eine Erklärung für das mysteriöse Elefantensterben in Botswana: Cyanobakterien.

Nach monatelangen Labortests wollen Wissenschaftler die Todesursache von mehr als 330 Elefanten in dem südafrikanischen Staat Botswana gefunden haben. Für das Massensterben sollen in stehenden Gewässern lebende Cyanobakterien verantwortlich sein, gab der Cheftierarzt für Botswanas Nationalparks, Mmadi Reuben, nun auf einer Pressekonferenz in der Hauptstadt Gaborone bekannt. Die auch als Blaugrünbakterien bekannten Lebewesen zählen zu den ältesten der Welt und wirken als Nervengifte, die selbst Elefanten innerhalb weniger Stunden töten können. Warum die Bakterien im Mai und Juni dieses Jahres lediglich Rüsseltieren und – außer einem einzigen Pferd – nicht auch anderen Tieren zum Verhängnis wurden, steht noch nicht fest. „Zahlreiche Fragen sind noch ungeklärt“, sagte Reuben: „Wir arbeiten an mehreren Hypothesen.“

Die Nachricht von dem rätselhaften Jumbosterben war im Juli um die Welt gegangen, nachdem Naturschützer im Nordwesten des botswanischen Okavango-Deltas zahlreiche Elefantenkadaver vor allem in der Nähe von Wassertümpeln vorgefunden hatten. Da sie alle noch ihre Stoßzähne hatten, wurde Wilderei ausgeschlossen, auch Milzbrand oder Pestizide kamen schon nach ersten Tests als Todesursache nicht in Frage. Gewebeproben der toten Tiere wurden nach Kanada, in die USA und nach Südafrika geschickt. Doch die lange Zeitspanne, die nach dem Tod der Tiere und der Entnahme der Proben bereits verstrichen war, sowie Transportverzögerungen wegen der Pandemie hatten viele der Gewebeproben unbrauchbar gemacht. Auch im Nachbarstaat Simbabwe waren schließlich mindestens 25 Elefanten unter ähnlichen Umständen verendet.

Neben den Cyanobakterien galt auch ein von Nagetieren übertragenes Virus als mögliche Todesursache der Rüsseltiere: Die Picornaviren können Entzündungen im Gehirn und im Herzen auslösen, an denen viele mit Ratten in Berührung kommende Elefanten in Zoos sterben. Für diese Erklärung sprach auch die Tatsache, dass es in Botswana Anfang des Jahres zu heftigen Regenfällen kam, und die Bevölkerung außergewöhnlich viele Maisfelder anlegte. In diese drangen die Elefanten regelmäßig ein und hätten dort beim Verzehr der Pflanzen mitsamt ihrer Wurzeln mit dem Kot von Nagetieren in Berührung kommen können. Picornaviren konnten allerdings nicht nachgewiesen werden.

Als Erklärung des Umstands, dass ein derartiges Massensterben von Elefanten bislang unbekannt war, verweisen Wissenschaftler auf die dem Klimawandel zugeschriebenen steigenden Temperaturen, die das Wachstum der Bakterien in den Wassertümpeln beschleunigten. Im Südlichen Afrika ist der Temperaturanstieg doppelt so hoch wie in anderen Teilen der Welt. Dass fast ausschließlich Elefanten den algenähnlichen Bakterien zum Opfer fielen, wird damit erklärt, dass sich die Dickhäuter lange Zeit in den Tümpeln aufhalten und täglich Hunderte von Litern Wasser zu sich nehmen. Dieses gewinnen sie meist nicht wie andere Tiere von der Oberfläche, sondern vom Grund, wo sich größere Konzentrationen der Cyanobakterien befinden.

Bereits vor zwei Jahren veröffentlichte ein internationales Wissenschaftlerteam eine Studie im Wissenschaftsmagazin „Nature“, die der Frage nachging, warum die Zahl der Cyanobakterien in stillstehenden Gewässern derzeit deutlich zunimmt. Die Forscher führten das auf die Eutrophierung zurück – also die Zunahme von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor durch agrarische Bewirtschaftung – aber auch auf den Temperaturanstieg des Wassers sowie den erhöhten Stickstoffgehalt der Luft. „Dieser Trend ist besorgniserregend“, heißt es in der Studie. „Er hat negative Auswirkungen sowohl auf die Artenvielfalt, wie den Wasserkreislauf und die Wasserqualität.“

Dass das Elefantensterben im Juli zu einem Ende kam, führen Wissenschaftler auf das Austrocknen der Tümpel während der Trockenzeit zurück. Zahlreiche Dickhäuter hätten die Gegend außerdem verlassen, berichtet Niall McCann, Direktor der Tierschutzorganisation „National Park Rescue“, nach Flügen über die betroffene Region: „Ich würde auch fliehen, wenn alle meine Freunde und Verwandten ums Leben gekommen sind.“

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