Russischer Oppositioneller kritisiert Altkanzler

Nawalny nennt Gerhard Schröder „Laufbursche“ von Putin

  • vonMirko Schmid
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Alexej Nawalny, kürzlich aus dem Krankenhaus entlassener Kreml-Kritiker und Putin-Gegner, kritisiert Altkanzler Gerhard Schröder scharf. Schröder will klagen.

  • Der mit einem chemischen Kampfstoff vergiftete Kreml-Kritik Alexej Nawalny kritisiert Altkanzler Gerhard Schröder scharf.
  • Er nennt Altkanzler Schröder in einem Interview einen „Laufburschen“ von Russlands Präsident Wladimir Putin.
  • Bundesaußenminister Heiko Maas sieht es als gesichert, dass Regierungsstellen in Russland verantwortlich für den Anschlag seien.

Frankfurt - In einem Interview nennt Kreml-Kritiker Alexej Nawalny den deutschen Altkanzler Gerhard Schröder einen „Laufburschen“ des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Schröder beschütze Mörder, so Nawalny. Schröder hatte zuvor gesagt, dass es „keine Fakten“ für einen staatlichen Giftanschlag auf den Oppositionspolitiker gebe und bislang alles „Spekulation“ sei.

Schröder und Putin: Männerfreunde und Geschäftspartner (Archivbild)

Alexej Nawalny im Interview enttäuscht über Gerhard Schröder

Nawalny gibt sich im Interview mit der Onlineausgabe der „Bild“-Zeitung enttäuscht. Schröders Aussage sei „erniedrigend für das deutsche Volk“, insbesondere dem Bundeswehr-Labor, das Giftstoffe in Nawalnys Blut gefunden hatte, werfe Schröder implizit vor, das Resultat seiner Untersuchung gefälscht zu haben. Wenn Gerhard Schröder nun versuche, „diesen Giftanschlag zu leugnen“, sei das sehr enttäuschend, so Nawalny. Es sei das eine, „Putins Lobbyist zu sein“, doch jetzt versuche Schröder, „Mörder zu beschützen“.

Alexej Nawalny gibt an zu wissen, dass selbst Schröders Partei SPD die Arbeit des Altkanzlers unter anderem für den staatlichen Konzern Rosneft „ablehnend“ gegenüber stehe. Der Putin-Gegner wählt harsche Worte. Gerhard Schröder sei „immerhin der ehemalige Kanzler des mächtigsten Landes in Europa.“ Jetzt, so Nawalny, sei Schröder „ein Laufbursche Putins, der Mörder beschützt“. Er wisse nicht, „welche verdeckten Zahlungen“ Schröder von Wladimir Putin bekommen habe. 

Gerhard Schröder will gegen BILD klagen weil Nawalnys Vorwurf gegen ihn unkommentiert blieb

Es gebe außerdem eine „offizielle Bezahlung“ und er hege keinen Zweifel daran, dass es auch verdeckte Zahlungen gebe. Es sei Nawalnys persönliche Meinung „als Anwalt, der Rosneft und Gazprom mehrere Jahre lang untersucht hat“. Er habe zwar kein Dokument, auf dem „schwarz auf weiß steht: Hier, Herr Schröder, das ist ihre Aktentasche voller Geld“, sei sich aber sicher, dass Gerhard Schröder verdeckte Zahlungen erhalte.

Wladimir Putin und seine „Freunde“, zu denen Alexej Nawalny auch Gerhard Schröder zählt, würden russisches Geld veruntreuen und die Russen arm halten, so der Oppositionelle. Russland werde zersetzt und „diese Menschen helfen dabei, mein Land zu zersetzen. Sie sind keine Freunde von Russland.“

Gerhard Schröder antwortet umgehend. Er habe zwar Verständnis für die „schwierige persönliche Situation“ von Alexej Nawalny. Seine Aussagen im Interview seien jedoch falsch. Der Altkanzler verweist auf Nawalnys Aussage, wonach der Kreml-Kritiker selbst keine Beweise für verdeckte Zahlungen habe. Da er seitens der „Bild“-Zeitung nicht um eine Stellungnahme gebeten worden sei und diese die Vorwürfe unkommentiert veröffentlicht habe, behalte sehe sich Schröder nun gezwungen, gegen den Verlag, der seine Persönlichkeitsrechte schwer verletzt habe, juristisch vorzugehen.

Außenminister Heiko Maas spricht Russland die Schuld an Anschlag auf Nawalny zu

Die Auseinandersetzung um Alexej Nawalny hat heute auch den Bundestag erreicht. Außenminister Heiko Maas stellte fest, dass in den Blut- und Urinproben von Alexej Nawalny ein chemischer Giftstoff aus der Familie Nowitschok festgestellt wurde. Russland sollte ein eigenes Interesse an einer Aufklärung haben, schließlich handele es sich um einen Anschlag auf einen bedeutenden russischen Oppositionspolitiker auf russischem Boden, so Maas. Vorwürfe politischer Parteinahme wies der SPD-Politiker weit von sich. Vielmehr handele es sich um einen Bruch der Völkerrechte mit einem chemischen Kampfstoff, der nicht ohne Konsequenzen bleiben könne.

Gemeinsam mit seinen Partnern in der EU und der OPCW werde sich die Bundesregierung diesbezüglich absprechen. Auf die Frage, ob es gesichert sei, dass die russische Regierung als Auftraggeber hinter dem Anschlag stecke, antwortete Außenminister Maas mit Verweis auf die Vergiftungsserie im englischen Salisbury, dass keine andere Erklärung plausibel wäre. Er gehe davon aus, dass der Anschlag angeordnet worden sei, „von welchen Stellen auch immer in Russland“. Die Bundesregierung habe die russische Seite aufgefordert, ihre Beiträge zur Tataufklärung „zu optimieren und auf den Tatbestand zu konzentrieren“.

Auf die Frage, ob sich die Bundesregierung mit den politischen Überzeugungen des Alexej Nawalny gemein mache, antwortete Heiko Maas: „Wir haben uns mit Herrn Nawalny nicht in einen politischen Dialog begeben, wir wollten sein Leben retten und haben dabei festgestellt, dass er mit einer verbotenen Chemiewaffe vergiftet worden ist. Es ist nicht meine Aufgabe, die politischen Ansichten Nawalnys zu bewerten, wir haben ein Menschenleben gerettet.“ Zuletzt war berichtet worden, dass Deutschland und Frankreich Sanktionen gegen Russland anstreben. (Von Mirko Schmid)

Rubriklistenbild: © Holger Hollemann/dpa

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