Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Siham El-Maimouni, Maus Moderatorin.
+
Siham El-Maimouni, Maus Moderatorin.

50 Jahre Maus

„Natürlich bin ich vor dem Fernseher groß geworden!“

  • Boris Halva
    vonBoris Halva
    schließen

Heute erzählt Siham El-Maimouni selbst Sachgeschichten für die Maus – und findet es total okay, die Sendung dienstags auf dem Tablet zu schauen

Frau El-Maimouni, Sie sind jetzt sieben Jahre als Moderatorin bei der Maus – und als Kind haben Sie die Sendung vermutlich auch regelmäßig gesehen. Das heißt, Sie haben in Ihrem Leben schon mehr Zeit mit der Maus verbracht als ohne, oder?

Das kommt hin. Ich kann mich tatsächlich an keinen Sonntag erinnern, an dem wir „Die Sendung mit der Maus“ nicht geschaut haben. Die Maus war extrem wichtig für meine Eltern. Mein Vater ist Ende der Sechziger aus Marokko nach Deutschland gekommen, meine Mutter dann Anfang der Siebziger. „Die Sendung mit der Maus“ war ihr erster Bezug zu Deutschland und sie haben damals die Sprache übers Fernsehen gelernt. Die Maus war aber nicht nur Teil meiner Familie, sie hat mich auch neugierig gemacht und mir vieles gezeigt, was ich so einfach nicht hätte sehen können.

Die einen sagen, die Maus habe sie für Technik begeistert, andere betonen, sie habe ihre Neugier geweckt. Bei Ihnen also die Neugier …

Jeder hat ja so seinen ganz eigenen Bezug zur Maus, aber für mich ist die Neugier tatsächlich das Essenzielle bei der Maus. Das ist die große Kunst – und das macht sie auch so zeitlos: Dass sie mir immer das Gefühl gegeben hat, dass es keine blöden Fragen gibt, dass man alles hinterfragen darf und Dinge ausprobieren sollte. Dass die Maus auf all das Lust macht, das ist auf jeden Fall eines ihrer Erfolgsgeheimnisse. Bis heute.

Sie haben also selbst erlebt, dass die Maus eine Art Integrationshelferin sein kann. Ist sie das immer noch – oder ist die Welt heute nicht doch zu komplex, als dass eine Zeichentrickfigur ausgleichen könnte, was Schule und Gesellschaft nicht leisten können?

zur person

Siham El-Maimouni, 36, findet es „wahnsinnig toll“, sich für die „Sendung mit der Maus“ intensiv mit Themen zu befassen – auch wenn es „einen manchmal wahnsinnig macht!“ Aber da muss die gebürtige Duisburgerin durch: Sie wollte schon als Kind Reporterin werden „und hatte nie einen Plan B“. boh/Bild: WDR/Annika Fußwinkel

Ich neige ja auch dazu, zu sagen, früher war alles einfacher. Aber im Grunde hat doch jede Zeit ihre Probleme und Herausforderungen. Ich glaube, bei mir spielen da ganz viele Faktoren eine Rolle. Meine Eltern haben keine klassische Schulbildung, aber ihnen war immer wichtig, dass meine Geschwister und ich gut in der Schule sind. Ihnen war auch wichtig, was wir schauen. Ich meine, ich bin Jahrgang 85 und komme aus dem Ruhrgebiet – natürlich bin ich vor dem Fernseher groß geworden! Aber es macht eben doch einen Unterschied, was man guckt. Und weil die Maus mit klarer Sprache arbeitet, kurze Sätze und immer auf den Punkt formuliert, erreicht sie ein breites Publikum. Also auch die Menschen, die die deutsche Sprache noch nicht oder nicht so gut beherrschen. Und dadurch, dass wir den Vorspann seit eh und je in zwei Sprachen haben, fühlen sich die Menschen immer gleich abgeholt. Andere Sprachen erscheinen so als etwas, das man erforschen und kennenlernen kann. Nicht wie ein Fremdkörper.

Glauben Sie, dass die Maus so integrativ ist, weil sie eben ganz entspannt mit Vielfalt umgeht? Und da nicht lediglich ein pädagogisches Konzept umgesetzt wird…?

Ein pädagogisches Konzept sollte es ja auch nie sein. Wir sind gerne kindlich, aber nicht kindisch; wir erweitern den Horizont, aber wollen nicht wie Schule sein. Das gleiche gilt auch für das Integrative. Anfang der Siebziger hat die Maus mit anderen Sprachen im Vorspann auf die Kinder reagiert, die mit ihren Familien aus anderen Ländern nach Deutschland kamen. Es ging auch darum, wissbegierig zu bleiben. Wir überlegen auch immer ganz lange, wie wir etwas formulieren. Anhand von journalistischen Kriterien: beschreiben, was passiert. Ich glaube, dadurch, dass die Maus nie wertet, ist sie von Natur aus weltoffen. Sie hat immer so einen Wohlfühlraum geschaffen. Es wird einem nichts vorgegaukelt und nichts in Watte gepackt. Aber es hat alles seit jeher ein ganz klares Prinzip. Wie man das dann deutet oder wie das auf einen wirkt – etwa mit den zwei Sprachen am Anfang – ist eine ganz persönliche Sache. Wenn ich neben Armin stehe, dann denke ich manchmal: „Ey, unglaublich, mein Vater hat mit Dir Deutsch gelernt …“ Auf mich wirkt es nicht nur deswegen total integrativ – für andere ist es eher ein lustiges Ratespiel.

Das gemeinsame Mausgucken am Sonntagmorgen ist ja über Jahrzehnte in vielen Familien ein festes Ritual gewesen – aber in Zeiten, in denen wir immer dann was schauen können, wenn wir gerade Lust drauf haben, ist so ein Ritual auch in Gefahr. Bereitet Ihnen das Sorgen?

Nein, nicht wirklich. Ich merke ja an mir selbst, wie sich der Medienkonsum verändert. Ich hab ja auch noch Samstagabend „Wetten, dass ...?“ geschaut. Andererseits sehe ich kaum Nachteile in diesem Wandel. Ich habe Freunde, die sonntags mit ihren Kindern die Maus schauen und vorm Fernseher frühstücken. Das ist ja auch was Besonderes: Wann darf man vorm Fernseher frühstücken!? Aber es ist auch toll, die Maus überall mit hinnehmen zu können. Das ist die Lebensrealität. Als ich Kind war, gab es auch noch Telefone mit Wählscheibe – jetzt kann ich im Zug von München nach Düsseldorf die Maus auf meinem Telefon schauen. Das finde ich total cool! Klar, dieses klassische Erlebnis, gemeinsam vorm Fernseher zu sitzen, hat sich verändert. Aber heute haben wir viel mehr Möglichkeiten, das Ritual, wie wir zusammen die Maus gucken, in unseren Alltag einzubauen. Und das ist doch total positiv.

Interview: Boris Halva

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare