Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Internationale Raumstation

ISS drehte sich um 540 Grad – Vorfall schlimmer, als von Nasa kommuniziert

  • Tanja Banner
    VonTanja Banner
    schließen

Die ISS dreht sich um 540 Grad, die Nasa verliert für kurze Zeit die Kontrolle über die Raumstation. Zuerst war der Vorfall anders kommuniziert worden.

Houston/Frankfurt – Die Internationale Raumstation ISS zieht ihre Bahnen um die Erde normalerweise unauffällig und ohne größere Ereignisse. Doch vergangenen Donnerstag (29.07.2021) war das anders: Das gerade erst an der ISS angedockte russische Modul „Nauka“ zündete wegen eines Softwarefehlers unplanmäßig seine Triebwerke und brachte die Flugbahn der Raumstation gehörig durcheinander. Für etwa eine Stunde verlor die US-Raumfahrtorganisation Nasa die Kontrolle über die ISS, auch der Kontakt zur Crew an Bord der Internationalen Raumstation ging verloren. Doch offenbar war die Situation weitaus schlimmer, als sie von der Nasa bisher kommuniziert wurde.

Um 45 Grad habe sich die Raumstation bei dem ungeplanten Manöver gedreht, hieß es bei der Nasa, als die Situation wieder unter Kontrolle war. Doch nun äußerte sich der Nasa-Flugdirektor Zebulon Scoville, der während der Situation im Einsatz war, gegenüber der New York Times und schilderte, was wirklich vorgefallen ist. „Das wurde etwas falsch berichtet“, zitiert die US-Zeitung den Nasa-Mitarbeiter.

Die Internationale Raumstation ISS, fotografiert im Jahr 2018. Ein gerade erst angedocktes neues russisches Modul hat dafür gesorgt, dass die ISS für kurze Zeit außer Kontrolle geriet.

Internationale Raumstation ISS war außer Kontrolle – Nasa-Bericht beschönigte Vorfall wohl

Tatsächlich habe die Internationale Raumstation insgesamt eineinhalb Umdrehungen gemacht – etwa 540 Grad – bevor sie kopfüber zum Stillstand kam. Dann habe die ISS eine Vorwärtsdrehung um 180 Grad gemacht, um in ihre ursprüngliche Ausrichtung zurückzukehren. Die Raumstation habe sich mit einer Geschwindigkeit von maximal 0,56 Grad pro Sekunde gedreht, so Scoville weiter. Die sieben Astronaut:innen, die derzeit auf der ISS leben und arbeiten, hätten innerhalb der Station jedoch fast keine Änderungen festgestellt und seien nie in Gefahr gewesen, betont der Nasa-Flugdirektor. Die Nasa hatte bereits zuvor betont, dass die Astronaut:innen zu jeder Zeit sicher gewesen seien.

Die unplanmäßige Zündung der Triebwerke am neuen russischen ISS-Modul „Nauka“ erklärte die russische Weltraumbehörde Roskosmos später mit einem Softwarefehler. Gleichzeitig sorgte die Konfiguration des Moduls dafür, dass „Nauka“ nach der ungeplanten Zündung der Triebwerke nicht direkt deaktiviert werden konnte: Direkte Kommandos an das Modul müssen von einer Bodenstation in Russland gesendet werden – und es sollte noch 70 Minuten dauern, bis die Raumstation wieder über Russland flog.

Nasa: „Tauziehen“ um Internationale Raumstation ISS – Kontakt zur Crew verloren

Was jedoch direkt gesteuert werden konnte, waren die Triebwerke des russischen ISS-Servicemoduls Zvezda und des Raumfrachters Progress, der Fracht zur ISS gebracht hatte und dort noch angedockt war. Diese Triebwerke arbeiteten gegen das fehlerhaft gestartete Modul, das in diesem „Tauziehen“, wie es Nasa-Angestellte später nannten, erst aufgab, als der Treibstoff zur Neige ging.

Internationale RaumstationISS
Start:20. November 1998
Bahnhöhe:etwa 408 Kilometer
Umlaufzeit um die Erde93 Minuten
Kosten:mehr als 100 Millionen Euro (Stand 2018)
Größe:109 m × 51 m × 73 m
dauerhaft bewohnt:seit 2. November 2000

ISS: Nasa-Mitarbeiter meldet Notfall – Kontakt zur Crew gleich zwei Mal verloren

Scoville, der an diesem Tag eigentlich gar nicht im Dienst sein sollte, habe zum ersten Mal während seiner sieben Jahre als ISS-Flugdirektor einen Notfall gemeldet, erinnert er sich gegenüber der New York Times an den aufregenden Einsatz. Durch diese Notfall-Meldung seien in den USA zusätzliche Antennen aktiviert worden, um mit der Raumstation zu kommunizieren. Trotzdem habe man den Kontakt zur Crew an Bord der ISS gleich zweimal verloren – erst für vier Minuten, dann noch einmal für sieben Minuten. Schuld daran war die Drehung der Raumstation: Durch die geänderte Ausrichtung konnte die ISS keinen Kontakt mehr zu den Satelliten aufnehmen, über die die Kommunikation im Normalfall läuft.

Die aktuelle Konfiguration der Internationalen Raumstation ISS: Das neue russische Modul „Nauka“ ist auf der Seite angedockt, die Richtung Erde zeigt. Gegenüber befindet sich der russische „Progress“-Transporter.

Als die Situation der ISS sich wieder normalisiert hatte, bekamen die Astronaut:innen an Bord den Rest des Tages frei. Nach Informationen der New York Times gibt es bisher keine Hinweise auf Schäden an der Raumstation. Es scheint, als wäre die ISS gerade so an einer Katastrophe vorbeigeschrammt.

Weltraum-Newsletter

Was passiert in der Raumfahrt und in der Astronomie? Der FR-Newsletter rund ums Weltall hält Sie auf dem Laufenden.

Auswirkungen hat der Vorfall jedoch noch immer: Nachdem der geplante Testflug des Boeing-Raumschiffs „CST-100 Starliner“ wegen der Probleme mit der ISS auf Dienstag (03.08.2021) verschoben wurde, muss der Start nun aus Wetter-Gründen noch einmal verschoben werden. (Tanja Banner)

Rubriklistenbild: © Nasa/Roscosmos

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare