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Beste Lage im Herzen von Paris: Irgendwo in der Nähe des Arc de Triomphe befindet sich das Restaurant.

Mafia

Im Namen des Vaters

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Die Tochter von Siziliens einstigem Mafia-Boss steigt ungeniert in die Pariser Gastro-Szene ein.

Auf der Markise des eleganten Restaurants in bester Pariser Lage steht zu lesen: „Corleone by Lucia Riina“. Ohne diesen Namen wäre die Neueröffnung nahe des Arc de Triomphe kaum der Rede wert. Aber Lucia Riina ist die jüngste Tochter des 2017 verstorbenen „Bosses der Bosse“ der sizilianischen Mafia, Totò Riina.

Aus Corleone, ihrem sizilianischen Heimatort, berühmt durch den Hollywood-Film „Der Pate“, emigrierte die 39-Jährige mit Mann und Kind nach Paris. „Ein neues Leben“, schrieb sie vor einigen Monaten auf Facebook. Anonym bleiben und mit der Vergangenheit abschließen wollte die Riina-Tochter aber nicht. Die Namenswahl für das gemeinsam mit einem französischen Bistrobetreiber eröffnete Restaurant zielt darauf, das blutige Image des Vaters zu Publicity-Zwecken zu nutzen.

Totò Riina wird für mehr als 150 Auftragsmorde verantwortlich gemacht. Die tödlichen Anschläge auf die Anti-Mafia-Richter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino Anfang der 1990er Jahre gingen auf sein Konto. Er war auch Drahtzieher von Bombenattentaten in Rom, Mailand und Florenz, bei denen 1993 zehn Menschen getötet wurden.

26 Mal war Riina zu lebenslanger Haft verurteilt worden, ehe der „Boss der Bosse“ mit 87 Jahren an Krebs starb, im Hochsicherheitsgefängnis von Parma. 24 Jahre hatte er in Isolationshaft gesessen.

Auf Sizilien sorgt die unternehmerische Initiative der Riina-Tochter für helle Empörung. „Es kann nicht sein, dass diejenigen, die Corleone massakriert und infam zu seinem schlechten Ruf beigetragen haben, jetzt den Ortsnamen nutzen, um Geld zu machen“, sagt Nicolò Nicolosi, Bürgermeister der sizilianischen Kleinstadt. Er will, dass das Außenministerium einschreitet. Ihren Familiennamen zu nutzen, könne man der Riina-Tochter nicht untersagen, glaubt dagegen Maria Falcone, Schwester des ermordeten Richters. Sie hofft aber auf die Intelligenz der Pariser Restaurantbesucher.

In der französischen Hauptstadt, wo die Sache bisher unbemerkt geblieben war, beginnen die Medien nun auch zu berichten. „Wenn der Pate in Paris kocht“, kommentierte am Mittwoch ironisch der Radiosender France Inter. „Der ganze Geschmack des mafiösen Italien – direkt um die Ecke.“

Interviewanfragen lehnt Lucia Riina ab, sie fordert Respekt für ihre Privatsphäre. Ärger machen ihr nicht nur die Medien, sondern auch der italienische Staat. Der will von den Riina-Erben zwei Millionen Euro eintreiben, wie am Dienstag bekannt geworden war. Die Witwe und die vier Kinder des Mafiabosses sollen die Kosten für dessen Gefängnisaufenthalt erstatten.

Das hat wenig Aussicht auf Erfolg. Laut Gesetz kann zwar der Verurteilte zur Zahlung gezwungen werden, nicht aber seine Nachkommen, betont der Anwalt der Familie. Bei Riinas Verwandten waren vor zwei Jahren Immobilien und Bankkonten im Wert von 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt worden. Ungelöst blieb das Geheimnis um den „Schatz“ des Paten, das Riesenvermögen, das er mit Drogenhandel und anderen Mafia-Aktivitäten verdiente. „Wenn ich nur ein Drittel davon wiederkriege, bin ich immer noch reich“, hatte er kurz vor seinem Tod in einem abgehörten Gespräch gesagt.

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