Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Nairobi: viel Verkehr und eine große Baustelle. LUIS TATO/AFP
+
Nairobi: viel Verkehr und eine große Baustelle. LUIS TATO/AFP

Nachts in Nairobi

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
    schließen

In Kenias Hauptstadt verbringen die Menschen etliche Stunden im Stau. Ein teurer Lösungsansatz führt zu Kritik

Wenn von Afrika im Zusammenhang mit Straßenverkehr die Rede ist, denken viele an kaum befahrene Pisten, die sich durch endlose Landschaften ziehen und an klappernde Kisten, die deutschen TÜV-Angestellten den Griffel aus der Hand fallen ließen. Oder an verschlafene Dörfer, in denen sich Kinder beim Geräusch eines Automotors zu krakeelenden Horden formieren. An Kilometer lange Fahrzeugstaus auf vierspurigen Highways denkt dagegen kaum jemand. Und doch sind diese zum Leidwesen afrikanischer Großstadtbewohnerinnen und -bewohner wesentlich häufiger als schwitzende TÜV-Angestellte anzutreffen.

Die Metropolen des Kontinents leiden unter chronischer Verstopfung: In Kenias Hauptstadt Nairobi kann es Pendlerinnen und Pendlern sogar passieren, dass sie eine ganze Nacht im Stau im Fahrzeug verbringen müssen. Wie jüngst, als Nairobis Autofahrerinnen und Autofahrer wieder einmal stundenlang in ihrer 4,5 Millionen Einwohner:innen zählenden Metropole fest saßen. „Irrwitzig! Ich kam nach elf Stunden im Auto schließlich morgens um vier Uhr zu Hause an“, schimpt die Anwältin Pauline Otsyula auf Twitter. Als er frühmorgens endlich sein Haus erreicht habe, hätte er sich gleich wieder auf die Rückfahrt zur Arbeit machen müssen, fügte ein Leidensgenosse hinzu. Andere zogen es vor, die Nacht am Straßenrand im Auto zu verbringen. Das kam zwar ihren Nerven, nicht aber dem Verkehrsfluss zugute.

Angst vor Zweiklassenlösung

Von Fachleuten wird Nairobi als die am zweitschlimmsten verstopfte Metropole der Welt bezeichnet. Ihre Bürgerinnen und Bürger verbringen im Durchschnitt täglich mehr als eine Stunde im Stau. Zwar kann das auch als Fortschritt gewertet werden: Macht es doch deutlich, dass sich eine zunehmende Zahl an Kenianer:innen inzwischen Autos leisten können. Die Stadtväter scheinen den Trend jedoch über Jahrzehnte verschlafen zu haben. Erst kürzlich gaben sie einer chinesischen Firma grünes Licht zur Errichtung einer zehnspurigen, teilweise auf Stelzen erhobenen Umgehungstrasse. Und ironischerweise lässt deren Bau den Verkehr derzeit so gründlich wie noch nie kollabieren. So war auch der jüngste Straßenverschluss einer Trassenbaustelle zu verdanken, in der es zudem auch noch zu einem Unfall kam. Dessen Beteiligte hätten sich partout nicht auf eine schiedlich-friedliche Lösung ihres Konfliktes einigen wollen, schimpfte das Verkehrsamt: Sie hätten vielmehr stundenlang auf die ebenfalls im Stau steckende Polizei gewartet. Für die Behörde steht die Antwort auf die Frage nach den Schuldigen des Verkehrskollapses somit fest.

Um die milliardenteure Trasse finanzieren zu können, werden Nairobis Stadtväter für ihre Nutzung später einmal Maut verlangen. Das werde auch im Straßenverkehr zu einem Zweiklasse-System führen, so die Kritik. Oben die reicheren Autofahrer:innen mit freier Fahrt – unten vor allem die „Matatu“ genannten Minibusse, auf die ein Großteil der Bevölkerung als Beförderungsmittel angewiesen ist.

Andere afrikanische Metropolen wie die nigerianische Hafenstadt Lagos, Äthiopiens Addis Abeba oder das tansanische Dar-es-Salam haben aus ihrem Verkehrskollaps andere Lehren gezogen. Dort werden nun Trassen für S-Bahnen gebaut. Warum sich Kenias Regierung für einen anderen Weg entschieden hat, wird vorerst ihr Geheimnis bleiben. Der Mehrheit der Bevölkerung verspricht der Irrweg noch viele weitere im Stau zu verbingende Nächte.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare