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Die FR stellt Spiele vor, die Naturschutz und Nachhaltigkeit spielerisch und spannend darstellen.
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Die FR stellt Spiele vor, die Naturschutz und Nachhaltigkeit spielerisch und spannend darstellen.

Spiele

Fünf Ökos und ein Schmutzfink

  • Alexander Kraft
    VonAlexander Kraft
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Für alle, die auf der Suche sind nach einem Geschenk, stellt die FR sechs Spiele vor, die zeigen: Naturschutz und Nachhaltigkeit können spannend sein und Spaß machen.

Der Klimawandel ist das Menschheitsthema schlechthin geworden. Auch in der Welt der Brettspiele ist das angekommen. Wir haben die Neuheiten 2021 gesichtet und geschaut, ob ab Weihnachten nur noch mit erhobenem Zeigefinger gespielt wird – oder der Spielspaß siegt.

Mit thematischen Trends ist das in der Spielewelt so eine Sache. Meist sind es nur Moden – wie die eine Zeit lang beliebten Piratenspiele. Doch seit einigen Jahren stehen immer öfter Natur, Umwelt, Artenschutz oder auch das Überleben der Menschheit im Mittelpunkt. Bei der „Spiel 21“, der weltgrößten Brettspielmesse, war der „Öko“-Anteil unter den 1000 Neuheiten unübersehbar. Das Schöne: Bei aller Korrektheit kommt das Spielerlebnis nie zu kurz. So etwas könnte sich, anders als früher, auch kein Verlag mehr erlauben.

Die Bandbreite ist immens. Wer hätte gedacht, dass aus zellbiologischen Prozessen ein Brettspiel (Zytose) werden kann? Dagegen wirkt das Sammeln von blumigen Kartensets wie im Spiel „Flourish“ oder dem Legespiel „Eco: Coral Reef“ mit seinem wachsenden Korallenriff fast alltäglich.

Ins Auge fallen viele liebevoll gestaltete und bebilderte Tierspiele, vornehmlich für Kinder. Das pfiffige Geschicklichkeitsspiel „Happy Hopping“ lässt Frösche gleich im Dutzend über den Tisch hüpfen. Von ganz anderem Kaliber sind dagegen tierische Expertenspiele wie „Endangered“ oder „Arche Nova“. Noch spektakulärer ist das kooperative Spiel „Spirit Island“, zu dem mit dem Ableger „Zerklüftete Erde“ bereits die fünfte Erweiterung erschienen ist. Diese Insel ist sozusagen der Gegenentwurf zum Superklassiker Siedler von Catan: Die Spieler:innen versuchen als Naturgeister gemeinsam, die wie eine Seuche über ihre Insel gekommenen Siedlerhorden zurückzudrängen.

Apropos Erweiterungen: Bei gut laufenden Spielen schieben die Verlage unter Garantie einen „Booster“ hinterher. Geldmacherei!? Nicht unbedingt. Mitunter kommen dabei sehr hübsche Zusätze heraus, wie „Photosynthese: Im Mondlicht“ zeigt. Neben den thematischen Trends lassen sich weitere Entwicklungsrichtungen ausmachen.

En vogue sind zur Zeit 2-Spieler-Titel. Genau wie dieser Trend ist auch ein weiterer – aber gegenläufiger – der Corona-Zeit geschuldet. Man trifft sich in einer größeren Gruppe, allerdings in fixer Besetzung – und braucht dafür Spiele jenseits der üblichen vier Personen.

Wie aber sieht es mit dem Umweltbewusstsein bei der Produktion der Spiele selbst aus? Den Streit bei Spielsachen um „wertvolles Holzspielzeug“ contra „Plastikschrott aus China“ hat man noch im Ohr. Zumindest ein Nachdenken hat begonnen (und das nicht nur wegen Problemen mit den Lieferketten).

Ein dezidiert geäußerter Anspruch wie der des Chefs beim 2020 gegründeten Verlag Deep Print Games ist dennoch eher selten. Beim Erscheinen des programmatischen Erstlings „Renature“ äußerte Matthias Nagy: „Den Namen Deep Print Game haben wir mit Bedacht gewählt. Der nachhaltige Eindruck – das spielt auch auf den ökologischen Fußabdruck des Menschen an.“ Der ließe sich am Spieltisch durchaus verringern, zum Beispiel durch weniger Plastik. So liegt in „Kyoto“ zum Sortieren des Materials anstelle der beliebten Zipptütchen ein Pappteil bereit, das zur kleinen Aufbewahrungsbox gefaltet wird.

Hinweis: Bei Redaktionsschluss waren die besprochenen Titel im Handel verfügbar oder als „Im Zulauf“ gekennzeichnet.

Tree Hotel.

Tree Hotel – Kinderleicht Tieren ein Zuhause geben

Das Kinderspiel auf dieser Seite ist eine sehr hübsche Mischung aus Glückselement und Merkfähigkeit. Die bis zu vier Teilnehmenden haben einen Baum vor sich liegen, in den je drei Tierarten von Eule über Raupe bis zum Eichhörnchen einziehen wollen, und zwar immer paarweise. Wer am Zug ist, nimmt eine Karte vom Nachziehstapel. Passt das Tier ins eigene Baumhotel, legt man es an. Sonst kommt die Karte verdeckt in die eigene Ablage – was für die anderen heißt: Gut merken! Denn wer beim Karten ziehen zwei rote Früchte gesammelt hat, darf bei genauer Ansage („Ich will die Eule von dir“) diese ins eigene Hotel umdirigieren. Alles ganz einfach – wären da nicht der Waschbär und der Bär. Der eine stiehlt die Früchte, der andere vertreibt die Tiere aus dem Baumhotel. Das aber nur, so lange sie noch nicht im Pärchen eingezogen sind. „Tree Hotel“ zeigt, wie viel Spaß die Jüngeren (aber auch Ältere) haben, wenn es ein glückliches Händchen beim Kartenziehen braucht – und die kleine Schadenfreude, wenn dem fast schon sicher Siegenden der Bär die Tour vermasselt.

Tree Hotel: 2-4 Spieler:innen, ab 7 Jahren, 15 Minuten, circa 16 Euro (Logis)

Schichtwechsel.

Schichtwechsel – Steinkohle auf Schienen 

Nach so viel Öko darf es auch mal ein Schmutzfink sein! Spiele mit dem Thema Kohlgewinnung und -verarbeitung haben gerade im spielefreudigen Ruhrgebiet eine gewisse Tradition. Das Kennerspiel „Schichtwechsel“ versetzt die Runde ins Westdeutschland der 50er Jahre. Um die Adenauer-Republik mit Energie zu versorgen, bauen wir Steinkohle ab und veredeln sie über eine Lieferkette zu Koks. Wer davon am meisten verkauft, ist bereits auf dem gutem Weg zum Sieg. Aber auch jene, die ihre Transportwege (Straße, Schiene, Kanal) optimal ausbauen sowie ihren Bergmann flott durch eine Schicht bringen, heimsen ordentlich Punkte ein. Passend zum Malocher-Thema ist „Schichtwechsel“ ein Spiel mit Arbeitereinsatz. Heißt in dem Fall: Rund ums Spielfeld liegen für vier Teilnehmende 21 Karten als Aktionsorte aus. Wer da mit einem seiner Arbeiter:innen beispielsweise den „Ausbau Schiene und Kanal“ besetzt, blockiert diese Möglichkeit für den Rest der aktuellen Runde. Aber es gibt noch viel mehr zu tun: einsickerndes Grubenwasser abpumpen, seine Fördertürme aufs Brett bringen oder Zechenhäuser bauen. Selbst der Abraum von der Halde lässt sich Gewinn bringend verwerten. Man ahnt, dass ohne strategisches Planen die Grube alsbald absäuft und Graf Koks ein anderer wird. Fazit: Wenn Kohle so schön nostalgisch und mit Spielspaß auf den Tisch kommt, darf sie auch mal gegen Ökos anstinken.

Schichtwechsel: 2-4 Spieler:innen, ab 12 Jahren, 60-90 Minuten, circa 60 Euro (Spielefaible)

Kyoto.

Kyoto – Umweltkonferenz 1997

Wie einiges im Verlag Deep Print Games ist auch der Titel dieses Spiels mit voller Absicht gewählt: „Kyoto“ dreht sich um die große Umweltkonferenz im Jahr 1997. Die Spieler:innen schlüpfen in die Rolle von Industrienationen. Bis zu sechs können an der Konferenz teilnehmen und über die Zukunft des Planeten entscheiden. Allerdings nicht im Verhandlungsmarathon, sondern trotz der großen Zahl im Schnelldurchlauf. Dafür liest der – rundenweise wechselnde – Konferenzleiter eine Aufgabe vor. Die Karte verkündet, was gebraucht wird, um Erderwärmung oder Luftverschmutzung zu verhindern oder eine Tierart vorm Aussterben zu bewahren. Jedes Land entscheidet, ob es Geld spendet und/oder CO2 reduziert. Dafür muss es liebgewonnenen Wohlstand verbieten, etwa das „Nachtskifahren“.

90 Sekunden hat die Runde jeweils Zeit, Wohlstandskarten und Eine-Million-Dollar-Scheine anzubieten. Das böse, aber auch wunderbar satirische Element in „Kyoto“ ist nun: Wer im Verlauf der zwölf Runden am wenigsten Geld spendet und seinen Wohlstand am hartnäckigsten schützt, kriegt am Ende mehr Punkte. Die Stoßrichtung geben je zwei „Agendakarten“ vor, die alle vorm Konferieren erhalten. Da mahnt beispielsweise die Kohlelobby den Australier: „Deine Regierung hat immer von unserer Kooperationsbereitschaft profitiert.“ Schafft es Australien, gerade so viel Luftverschmutzung zuzulassen, dass der Planet nicht hopps geht, gibt es Extrapunkte. Und wer die meisten Punkte hat, gewinnt schließlich. Außer die Konferenz scheitert! Dann verliert der Punkte-Gierschlund und der oder die Zweitplazierte gewinnt.

Kyoto: 3-6 Spieler:innen, ab 10 Jahren, 30-45 Minuten, circa 25 Euro (Deep Print Games)

Arche Nova.

Arche Nova – Beliebte Neuerscheinung

Das Expertenspiel „Arche Nova“ war schon im Vorfeld der Spielemesse eine der begehrtesten Neuheiten. Schlicht gesagt, geht es darum, möglichst viele Tiere in seinen Zoo zu holen. Aber auch die richtigen, denn: Die 255 Karten sind vielfältigst über zahlreiche Elemente verzahnt. Punkteträchtige Karten-Kombos bekommen die Spieler:innen jedoch nicht durch Glück auf die Hand. Es braucht eine akribische Planung, damit alle Rädchen ineinander greifen. So wollen die erworbenen Tiere natürlich artgerecht im Zoo untergebracht sein. Wofür es die passenden Gehege braucht. Die wiederum sollten clever auf das eigene Spielertableau mit den Hexfeldern gelegt sein, um weitere Boni und Vorteile freizuschalten. Die wiederum helfen, Partnerzoos in anderen Erdteilen zu gewinnen. Und die braucht es, um erfolgreich in Artenschutzprogramme zu investieren. Das will jede und jeder unbedingt, denn: Arche Nova wartet mit einer hübschen Variante der üblichen Siegpunktleiste auf. Statt einer, gibt es zwei gegenläufige Zählleisten. Die eine zeigt die Punkte an, die die Tiere im Zoo bringen. Die andere lässt einen bei gelungenen Artenschutzaktionen große Sprünge vorwärts machen. Der Witz dabei: Treffen sich die Marker eines Spielenden auf den Leisten, ist die letzte Runde eingeläutet. Dass der- oder diejenige dann gewinnt, ist aber nicht ausgemacht. Denn für die Endwertungskarten, die man zu Beginn erhält oder auch während des Spiels erwirbt, gibt es kräftig Zusatzpunkte.

Arche Nova: 1-4 Spieler:innen, ab 14 Jahren, circa 90-150 Minuten, circa 65 Euro (Feuerland)

Baumkronen.

Baumkronen – Ein Spiel für zwei

Die zwei Gegenüber versuchen, aus 114 Karten den üppigsten Regenwald wachsen zu lassen. Jede Karte zeigt nur einen Teil der Pflanze, etwa ein Stück Baumstamm. Damit die gestapelten Stämme am Ende als Urwaldriese punkten, braucht es aber auch noch eine Baumkrone. So gilt es, die passenden Karten zu ergattern. Ertragreich ist aber auch die größere Anzahl vervollständigter Bäume. Ebenso wichtig sind Bromelien und Farne am Waldboden. Wer dann noch passend Tiere ansiedelt, im Idealfall als Duo, liegt weit vorne. Spannend in „Baumkronen“ ist die Art, wie man an Karten kommt. Drei „Wachstumsstapel“ liegen aus, zu Beginn mit eins, zwei und drei Karten. Wer am Zug ist, schaut unter Stapel 1. Behält man die Karte, ist das Gegenüber dran. Sonst legt man die Karte plus eine zusätzliche vom Nachziehstapel wieder verdeckt hin. Dasselbe Spiel bei Stapel 2. Doch spätestens Stapel 3 muss man nehmen – auch wenn er einen mit „Feuer“ oder „Dürre“ straft und nicht die ersehnte Baumkrone auftaucht. Das faszinierende an „Baumkronen“ ist neben der detailverliebten zauberhaften Bebilderung die Spielmechanik, das Versuch-dein-Glück-Prinzip. Dass die Partien immer unterschiedlich laufen, dafür sorgt das gleich mitgelieferte Set mit 28 Spezialkarten, die noch mehr Vielfalt liefern.

Baumkronen: 2 Spieler:innen, ab 10 Jahren, 30 Minuten, circa 20 Euro (Kosmos)

Photosynthese.

Photosynthese: Im Mondlicht – Anspruchsvolle Erweiterung

Das anspruchsvolle Familienspiel „Photosynthese“ ist ein ausgesprochen gelungenes Beispiel dafür, wie eine Spielerweiterung der ganzen Sache nochmals einen ganz neuen Dreh gibt. Bevor es also an „Im Mondlicht“ geht, zunächst der Blick aufs Grundspiel. Bis zu vier Förster:innen wollen auf einer aus 37 Feldern bestehenden Fläche möglichst viele Bäume ihrer Farbe gedeihen lassen. Für die vier Wachstumsschübe vom Sämling zum großen Baum zahlt man „Sonnenpunkte“. Die erhält man jeweils zu Beginn einer Runde, und zwar abhängig von Baumgröße und Lichteinfall. Der Witz dabei: Um das sechseckige Spielfeld kreist eine Sonnenscheibe. Je nach Sonnenstand verändert sich die Photosynthese-Aktivität eines jeden Baumes – und damit der Ertrag. Clevere Spieler:innen sehen zu, dass selbst ihre kleinen Bäume nicht im Schatten der großen stehen. Mit der Erweiterung „Im Mondlicht“ ziehen acht Tiere im Wald ein. Alle Spieler:innen erhalten eines und versuchen, ihre je unterschiedlichen Eigenschaften zu nutzen: So sorgt der Damm bauende Biber für eine bessere Bewässerung und mehr Baumwachstum. Der Fuchs wühlt im Boden, wodurch er bereits ausgebrachte Sämlinge verschiebt. Natürlich wird er zusehen, die eigenen in ein besseres Licht zu rücken und denen der Konkurrenz ein Schattendasein zu verschaffen. Gesteuert wird die tierische Aktivität über „Mondpunkte“. Ihre Anzahl hängt ab von der gegenläufig zur Sonne ums Spielfeld rotierenden Mondscheibe. Gar nicht so einfach, dieses gegeneinander Kreiseln zu durchschauen.

Photosynthese: Im Mondlicht, 2-4 Spieler:innen, 60-75 Minuten, circa 20 Euro (Asmodee)

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