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Ein Reporter und eine freie Mitarbeiterin des Fernsehsenders RTL müssen nicht wegen eines folgenschweren Beitrags über Pädosexuelle vor Gericht.
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Ein Reporter und eine freie Mitarbeiterin des Fernsehsenders RTL müssen nicht wegen eines folgenschweren Beitrags über Pädosexuelle vor Gericht.

Fall von Lynchjustiz in Bremen

Nach Selbstjustiz: keine Anklage gegen RTL-Filmteam

  • VonEckhard Stengel
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Trotz Verpixelung glaubten Bremerinnen und Bremer im TV einen angeblich Pädophilen erkannt zu haben. Bei einem Angriff wurde ein Unschuldiger lebensgefährlich verletzt. Zur Klage gegen das Filmteam kommt es nun nicht.

Ein Reporter und eine freie Mitarbeiterin des Fernsehsenders RTL müssen nicht wegen eines folgenschweren Beitrags über Pädosexuelle vor Gericht. Die beiden waren wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt worden, nachdem ihr Fernsehbeitrag einen Lynchjustizangriff auf einen Unschuldigen in Bremen ausgelöst hatte. Das Amtsgericht Bremen-Blumenthal hat es abgelehnt, die Anklage zur Verhandlung zuzulassen. Diese Entscheidung wurde nun rechtskräftig, denn sowohl die Staatsanwaltschaft als auch das Opfer als Nebenkläger haben auf Rechtsmittel verzichtet.

Wie damals berichtet, hatte RTL im Jahr 2018 einen heimlich gefilmten scheinbar Verdächtigen und sein angebliches Wohngebäude gezeigt. Trotz Verpixelung glaubten einzelne Zuschauerinnen und Zuschauer, den angeblich Pädophilen erkannt zu haben. Mehrere Männer drangen in den gezeigten Mehrfamilienblock ein und schlugen dort einen 50-Jährigen krankenhausreif. Der lebensgefährlich Verletzte war aber nicht der im Fernsehen Gezeigte, und auch dieser hat sich laut Polizei als unschuldig erwiesen.

Die Filmemacher wurden 2020 angeklagt, weil sie durch mangelnde Anonymisierung – vor allem des Wohnblocks – den Angriff ermöglicht haben sollen. Laut Beschluss des Amtsgerichts konnte das Team den Übergriff aber nicht vorhersehen. Das „brutale Vorgehen des Lynchmobs gegen eine nicht in dem Fernsehbeitrag gezeigte Person“ sei den Fernsehleuten nicht zuzurechnen, wie RTL aus dem Nichtzulassungsbeschluss zitierte.

Nach Ansicht des Gerichts war der Vorfall zwar „in einem hohen Maße bedauerlich“. Dies dürfe aber nicht dazu führen, dass die Verantwortung für diese Tat „auf die Journalisten verschoben wird“, bei denen schon fraglich sei, ob sie überhaupt eine strafrechtlich relevante Sorgfaltspflicht verletzt hätten.

Nach der Staatsanwaltschaft hat jetzt auch der Überfallene als Nebenkläger auf eine Beschwerde gegen die Nichtzulassung der Anklage verzichtet. Sein Anwalt Heinrich Theilmann sagte am Montag auf Anfrage unserer Zeitung, die Begründung des Gerichts sei „relativ schlüssig und nachvollziehbar“.

Er werde aber Schmerzensgeld von RTL verlangen. Zivilrechtlich sei der Fall nämlich anders zu beurteilen als strafrechtlich. Der einzige gefasste Täter habe bereits eine geringe Summe gezahlt. Er hatte sich nach der Tat selbst gestellt und wurde 2020 zu einer einjährigen Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Seine Mittäter sind bis heute unbekannt. Anwalt Theilmann hält es für eine „absolute Fehlleistung“, dass die Polizei keine weiteren Täter ermittelt hat.

Der Sender hatte gleich nach dem Überfall jede Schuld zurückgewiesen. Er nahm den Beitrag von der Homepage und erklärte: „RTL verurteilt den brutalen Akt der Lynchjustiz in Bremen auf das Schärfste.“

Der Beitrag wurde aber 2018 von der „Kommission für Zulassung und Aufsicht“ der deutschen Landesmedienanstalten förmlich beanstandet, weil er gegen journalistische Grundsätze verstoßen habe. Nach Ansicht der Medienaufsicht entbindet ein durchaus vorhandenes „Berichterstattungsinteresse“ nicht von der Pflicht, „gerade bei diesem sensiblen Thema die Persönlichkeitsrechte von gezeigten Personen zu wahren“. RTL verzichtete damals auf Rechtsmittel gegen die Beanstandung.

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