Der Tatort im niederländischen Arnheim.
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Der Tatort im niederländischen Arnheim.

Facebook-Mord

Tod nach Cyber Mobbing

  • Nadja Erb
    vonNadja Erb
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Weil sie auf Facebook über eine Freundin lästert, muss ein 15-jähriges Mädchen in den Niederlanden sterben. Die Tat ist ein besonders grausames Beispiel für die Folgen, die Mobbing im Internet haben kann.

Gelästert wurde schon immer - über Mitschüler und Bekannte, über Lehrer und Kollegen. Doch in der Anonymität des Internets erreicht die Hetze eine neue Dimension - mit oft schrecklichen Folgen. Da werden Teenager von Kampagnen in sozialen Netzwerken zum Suizid getrieben, trauen sich Erwachsene nicht mehr an den Arbeitsplatz, weil sie für peinliche Fotos im Netz schämen. Im schlimmsten Fall ist die virtuelle Lästerei der Auslöser für ganz reale Gewalt. So wie in dem Fall in den Niederlanden, der als "Facebook"-Mord eine neue Debatte über Cyber-Mobbing im Nachbarland losgetreten hat.

Dort wird heute das Urteil gegen einen 15-Jährigen erwartet, der im Januar ein gleichaltriges Mädchen erstochen haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht von einem Auftragsmord aus. Der Teenager war demnach von zwei anderen Jugendlichen, einem Mädchen und einem Jungen zu der Tat angestiftet worden - und erhielt maximal 100 Euro dafür. Der Prozess gegen die beiden anderen läuft noch.

"Winsie muss getötet werden"

Alles hatte mit einer Lästerei auf Facebook begonnen. Laut Staatsanwaltschaft hatte das Opfer Winsie über das soziale Netzwerk ihre Freundin Polly diffamiert und das Gerüchte verbreitet, dass diese Sex mit mehreren Jungen hatte. Die wollte sich dafür offenbar rächen. Laut Anklage schmiedete sie mit ihrem Freund ein Mordkomplott - und bezahlte schließlich den mutmaßlichen Täter. "Winsie musste getötet werden", sagte Anklägerin Josan Schramm während des Prozesses.

Am 14. Januar lauerte der damals 14-Jährige dem Mädchen vor seiner Haustür auf und verletzte sie und ihren Vater, der einschreiten wollte, mit Messerstichen. Winsie starb fünf Tage später im Krankenhaus. Über die Motive des Täter streiten Anklage und Verteidigung. Seinen Verteidigern zufolge hat der Junge, der laut Gutachten psychisch gestört und vermindert zurechnungsfähig ist, unter dem massiven druck der Anstifter gehandelt. Die Staatsanwaltschaft geht jedoch davon aus, dass er die beiden älteren Jugendlichen bewunderte und "dazugehören wollte".

Vater macht Internet verantwortlich

Der Jugendliche hat die Tat gestanden. Weil er bei der Tat erst 14 war, droht als Höchststrafe für vorsätzlichen Mord und versuchten Totschlag ein Jahr Jugendgefängnis sowie mindestens zwei Jahre Zwangstherapie in einer Klinik für Straftäter.

Der Vater des ermordeten Mädchens machte in niederländischen Medien das Internet verantwortlich. "Die Gefahren durch chatten und Soziale Medien werden unterschätzt", sagte er.

Die negativen Folgen der Hetze im Internet, vor allem für Jugendliche, beschäftigt inzwischen auch hierzulande die Pädagogen. Das Präventionsprogramm "Medienhelden" geht in die Schulen, um die Teenager über die Folgen der Lästereien in sozialen Netzwerken aufzuklären. In Großbritannien hat eine Kinderorganisation Warnfilmchen gedreht, die regelmäßig an Schulen gezeigt werden. Dort hatte es mehrere Suizide nach Online-Hetzkampagnen gegeben.

Im US-Staat New Jersey gibt es seit Ende des vergangenen Jahres ein Gesetz, das Strafanzeigen wegen Cyber Mobbings zulässt. Auslöser für die „Anti-Bullying Bill of Rights“ war der Suizid eines 18-Jährigen, der von einem Freund heimlich beim Liebesspiel gefilmt worden war. Dieser hatte das Video dann im Internet verbreitet. (mit dpa)

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