Münchener Opernfestspiele mit "Tosca" eröffnet

Es wird viel gestorben in dieser Oper. Vier Tote sind am Schluss zu beklagen: tot das tragische Liebespaar Tosca und Cavaradossi, tot der skrupellose Geheimpolizeichef Scarpia und der von ihm gejagte geflohene Angelotti. Erstochen, erschossen oder im Freitod der Hinrichtung zuvorgekommen - was hätte man aus dem blutrünstigen Drama um Liebe und Politik machen können.

München. Es wird viel gestorben in dieser Oper. Vier Tote sind am Schluss zu beklagen: tot das tragische Liebespaar Tosca und Cavaradossi, tot der skrupellose Geheimpolizeichef Scarpia und der von ihm gejagte geflohene Angelotti. Erstochen, erschossen oder im Freitod der Hinrichtung zuvorgekommen - was hätte man aus dem blutrünstigen Drama um Liebe und Politik machen können.

Stattdessen schleppt sich die Neuinszenierung von Giacomo Puccinis "Tosca" zur offiziellen Eröffnung der Münchner Opernfestspiele am Montagabend drei lange Stunden dahin. Erst einmal passiert auf der Bühne des Nationaltheaters gar nichts. Da verspritzt der Mesner ein paar Tropfen Weihwasser in der Kirche, der Maler Cavaradossi trägt ein paar Farbtupfer auf sein Auftragsbildnis der Maria Magdalena auf, Angelotti huscht mal durch die eine, mal durch die andere Tür.

In das Gotteshaus will so gar kein Licht fallen. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Liebesschwüre zwischen der gefeierten Sängerin Tosca und dem Maler seltsam leidenschaftslos bleiben. Einziger Regie-Höhepunkt im 1. Akt: Der Schurke Scarpia umklammert beim Einzug der hohen Geistlichkeit - sie feiert den vermeintlichen Sieg der Monarchie über die Republikaner - die mitgetragene Madonnenfigur und gibt damit seine sexuelle Begierde für Tosca preis.

Wenig spannend bleibt es auch nach der Pause. Lüstling Scarpia vertreibt sich mit Gespielinnen die Zeit, und auch der Folterszene des verhafteten Cavaradossi samt seinen Schmerzensschreien fehlt die packende Dramatik. Kopfüber stirbt Scarpia, nachdem ihm Tosca auf dem Sofa, wo er die Geliebte des Malers als Gegenleistung für dessen Rettung vor dem Tod besitzen will, ein Messer in die Brust gestoßen hat. Angelotti hat schon Selbstmord begangen.

Tod Nr. 3 und Nr. 4 passieren zum Schluss, wieder im langweiligen Dunkel des kargen Bühnenbildes - Lichteffekte sind unerwünscht. Cavaradossi wird von einem Hinrichtungskommando absprachewidrig erschossen, die getäuschte Tosca stürzt sich in ihrer Verzweiflung und verfolgt von Scarpias Häschern in den Tod - der Vorhang fällt.

Regisseur Luc Bondy hat mit seiner Inszenierung - eine Koproduktion mit der Metropolitan Opera New York und der Mailänder Scala - nichts, aber auch gar nichts riskiert. Seiner Sicht der Dinge fehlen im wahrsten Sinne des Wortes die lichten Momente, alles bleibt fahl und duster. Bondy führt die Protagonisten nicht durch die Handlung, er lässt sie alleine auf der Bühne. Der ewige Konflikt - politische Überzeugung vor persönlichem Interesse - bleibt verborgen.

Den Abend rettet Jonas Kaufmann. Sein Cavaradossi kommt voller Leidenschaft daher, einzig er glüht vor Liebe. Sein geschmeidiger Tenor überstrahlt die Mattheit des Premierenabends, ihm gelingt alles, vor allem die leisen Töne sind ein Genuss zu hören. Dagegen bleibt Karita Mattila in der Titelpartie der Tosca deutlich hinter den Erwartungen des Publikums zurück. Ein Belag auf ihrer Stimme will die ganze Zeit nicht weichen, und auch der Schuss Erotik fehlt. Juha Uusitalo spielt zwar einen furchterregenden Scarpia, sein Bariton macht dem Zuhörer aber wenig Angst.

Neben Jonas Kaufmann als dem Star des Abends überzeugt Fabio Luisi am Pult des Staatsorchesters. Er führt das Ensemble schwungvoll und einfühlsam durch die Partitur, sein Dirigat durchdringt die Musik vollständig. An machen Stellen deckt das Orchester freilich die Sänger auf der Bühne ein wenig zu. Am Schluss Ovationen für Startenor Kaufmann, nicht zu überhörende Buhrufe für Mattila und demonstratives Desinteresse am Regieteam um Luc Bondy. (dpa)

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