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Während Pandemie: Münchner kreieren im Glockenbach ihren eigenen Gin - und starten durch

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Von: Patrick Mayer

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Von der Pandemie ausbremsen lassen? Nicht mit Jochen Zeyher (li.) und Thomas Kurzenberger vom MUNiG-Gin aus dem Glockenbachviertel.
Von der Pandemie ausbremsen lassen? Nicht mit Jochen Zeyher (li.) und Thomas Kurzenberger vom MUNiG-Gin aus dem Glockenbachviertel. © MUNiG

Mitten in der Coronavirus-Pandemie expandieren die Spirituosen-Tüftler Jochen Zeyher und Thomas Kurzenberger aus dem Glockenbachviertel mit ihrem Gin „MUNiG“. Jetzt räumt das Münchner Start-up einen renommierten Preis ab.

München - Mutmacher sind in der omnipräsenten Coronavirus-Pandemie* gerne gesehen. Gastronomie, Hotellerie, Schausteller - die regionale Wirtschaft ächzt in München und Umgebung. Aber es gibt sie, die anderen Beispiele. Erfolgsgeschichten in widrigen Zeiten, die zeigen, dass sich selbst unter diesen Umständen neue Chancen eröffnen. So passiert mitten im Glockenbachviertel.

Gin aus München: Start-up gelingt trotz Corona-Pandemie der Durchbruch

Hier ist der „MUNiG“ dahoam, Münchens* neuer Geheimtipp unter den Gins. Wenige Monate bevor die Pandemie alles lahmlegte, brachten Jochen Zeyher und Thomas Kurzenberger, beide Ende dreißig, ihre Idee auf den Markt: Einen Gin, bei dem vom Wasser, über die Botanicals und die Südfrüchte alles aus München* stammt oder hier angebaut wird.

„Ich habe von meiner Freundin zu Weihnachten 2018 eine 2-Liter-Distille geschenkt bekommen. Neun Monate später, pünktlich zum Wiesn-Anstich 2019, hatten wir die ersten Flaschen abgefüllt. Bei mir daheim haben Thomas und ich bis spät in die Nacht 50 Rezepturen entwickelt und uns dann für diejenige entschieden, von der wir am meisten überzeugt waren“, erzählt Zeyher im Gespräch mit der Münchner tz: „Der Anstich auf dem Oktoberfest* war für uns der Zeitpunkt, auf eine große Anlage zu gehen.“

Gin aus München: Im Glockenbachviertel in der Isarvorstadt fing alles an

Dass der Startschuss ausgerechnet auf der bislang letzten Wiesn erfolgte, konnte damals noch niemand erahnen. Im Glockenbachviertel wurde (unter Einhaltung der Corona-Regeln) aber weiter getüftelt - auch während der schier unendlichen Lockdowns. Notfalls mittels Video-Chat-Verköstigung. Die Zwei-Liter-Anlage? War längst viel zu klein.

Handarbeit der Chefs: MUNiG-Gründer Jochen Zeyher pflanzt Botanicals im Innenhofgarten eines Münchner Hotels an.
Handarbeit der Chefs: MUNiG-Gründer Jochen Zeyher pflanzt Botanicals im Innenhofgarten eines Münchner Hotels an. © MUNiG

Zeyher und Kurzenberger lernten einen Spirituosen-Fachmann mit Sitz zwischen Irschenberg und Bad Aibling bei Rosenheim kennen - samt der benötigten Produktionskapazitäten. Aus einer Liebhaberei war mittlerweile der Absatz tausender Flaschen pro Jahr geworden. Auch örtliche Beschränkungen in der Corona-Pandemie* hielten ihren Erfinder-Reichtum nicht auf. Rosmarin, Blaubeeren und Zitronenmelisse - sie bauen Botanicals wie Kräuter und Wacholder auf dem Dachgarten eines Münchner Innenstadt-Hotels in der Ludwigsvorstadt an.

Mit Spaten und Gartenhake im Beet? Das ist den Freunden, die sich kennen, seit sie drei Jahre alt waren, vertraut. „Meine Eltern hatten früher einen Weinberg im schwäbischen Remstal“, erzählt Zeyher: „Meine Mutter hat mich notfalls aus dem Bett geschmissen, wenn ich am Abend davor mit Freunden unterwegs war. Dann ging es auf den Weinberg oder ins Feld.“ Unter den Freunden war meist Kurzenberger, der kurzerhand mit auf den Weinberg durfte (musste).

MUNiG & Co.: Diese Gin-Marken kommen aus München (Beispiele)

Gin-Marken aus Oberbayern liegen übrigens im Trend. Allein in München und Umland gibt es inzwischen eine Vielzahl von Marken. Hier eine kleine, freilich unvollständige Übersicht, damit Sie beim nächsten Gin-Gespräch mithalten können:

Statt Wein soll es nun Gin sein. Die Basis, die Zitrusfrüchte, ordern sie am Wochenende in der Früh um Fünf in der Sendlinger Großmarkthalle. „Wenn ich morgens um vier Uhr dorthin fahre, schläft die Stadt noch. Alles ist dunkel. Doch in der Großmarkthalle tobt zur gleichen Zeit das Leben, dort ist man wie in einer anderen Welt“, schildert Zeyher im Interview mit der tz* und lächelt: „Die Gabelstapler kommen dir entgegengerattert. Die Menschen tummeln sich zwischen den Regalen und Auslagen. Das Hemdsärmelige, die Atmosphäre, die Gerüche der frischen Früchte - das ist schön.“ Auch auf dem Viktualienmarkt sind die Gin-Manufakturanten (alles wird von eigener Hand gemacht) bestens bekannt. Hier reifte eine Sonderedition in einem Sherry-Fass - mitten im umtriebigen Marktgeschehen.

Im Video: Gin, Bier & Co. - 10 ultimative Tipps gegen den Kater

Ihr Gin hat sich längst über München hinaus einen Namen gemacht. Hier, wo es zwischen Schwabing*, Univiertel in der Maxvorstadt* und den Hippster-Bars im Glockenbachviertel mittlerweile mehrere Bewerber gibt. Konkret: Mit ihrem „MUNiG“ gewannen Zeyher und Kurzenberger kürzlich die deutsche Nationen-Wertung der „Gin World Awards 2022“. Sie setzen sich dabei gegen etliche Konkurrenten zwischen Nordsee und Bayern durch. Jetzt geht es für den Münchner Gin im nächsten Schritt in den weltweiten Wettbewerb.

Gin aus München: Gebrannt wird im Alpenvorland zwischen Irschenberg und Bad Aibling

Derweil wird zwischen Irschenberg und Bad Aibling weiter gebrannt. „Die Zutaten werden im Brennkessel für 24 bis 48 Stunden eingelegt. Erst dann wird destilliert“, erklärt Zeyher und meint lachend: „Da ist man dann der „Qualitäter“ und kostet die Qualität des Gins ab. Das ist ein erfühlendes Gefühl.“ Und das mitten in der Corona-Pandemie, die zwischen Gartenarbeit, Großmarkthalle an der Isar und Brennkessel im Alpenvorland für kurze Zeit in Vergessenheit gerät. (pm) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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