Kölner Stadtarchiv

Mühsames Stückwerk

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Restauratoren haben mit den Kölner Archivalien noch jahrzehntelange Arbeit vor sich.

Aus Saal 210 des Kölner Landgerichts konnten die Angeklagten im Stadtarchivprozess der Geburt eines ganz besonderen Gebäudes beiwohnen. Gegenüber des Justizzentrums an der Luxemburger Straße wird derzeit an der neuen Unterbringung für das Gedächtnis der Stadt gebaut. In der Mitte des neuen Stadtarchivs liegt das „Schatzhaus“, wie die Architekten das Magazin nennen, in dem ab 2020 alle Archivalien unterkommen sollen, die nach dem Unglück am 3. März 2009 verschüttet lagen. „Mir gefällt das Gebäude sehr gut“, sagt Chef-Archivarin Bettina Schmidt-Czaia.

Seit neuneinhalb Jahren ist sie beruflich gleichsam heimatlos. Damals, als das Stadtarchiv am Waidmarkt kollabierte, konnten Mitarbeiter und Besucher sich gerade noch nach draußen retten. 30 Regalkilometer Dokumente und Urkunden des Kommunalarchivs, das die 2000 Jahre alte Geschichte Kölns nahezu lückenlos erzählen konnte, lagen unter Trümmern.

Zweieinhalb Jahre dauerte die Bergungsphase. Das Ergebnis ist ein Erfolg: 1,6 Millionen Einheiten konnten geborgen werden, das entspricht 95 Prozent des ursprünglichen Bestands. Auch das älteste Dokument ist beinahe unversehrt: Eine Urkunde aus dem Jahr 922 für das spätere Damenstift St. Ursula. Fünf Prozent allerdings werden wohl für immer verschollen bleiben.

Knapp 70 Prozent der geborgenen Dokumente und Urkunden seien bis heute bereits wieder erfasst. Ein Drittel ist wieder nutzbar oder könnte binnen sechs Monaten wieder nutzbar gemacht werden, mehr als die Hälfte davon sogar im Original, sagt Schmidt-Czaia. Nur anderthalb Prozent müssten vor einer Identifizierung und Benutzung mühsam restauriert werden. „Dieser Teil ist sehr aufwendig und macht uns am meisten Arbeit.“ Noch immer sind 200 Archivare, Restauratoren und Hilfskräfte mit der Erfassung und Wiederherstellung beschäftigt. Aber: „Es wird noch mindestens 30 Jahre dauern, bis die Arbeit beendet sein wird. Und das auch nur dann, wenn die nächste Generation bereit ist, diese schwierige Aufgabe anzunehmen.“

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